Jazz in Franken - an einem Samstagabend? Bis zum Schluss war unklar, ob dieses ambitionierte Experiment, eine Jazz-Nacht in der Kühlenzpassage zu etablieren, wohl gelingen könnte. Der Vorverkauf lief schleppend an, gab Mitinitiator Christoph Armbrecht unumwunden zu.

Und trotzdem konnte er am Veranstaltungsabend lachen. Denn die Besucher strömten. Und nicht erst am Ende der Nacht war klar: Das Wagnis, das der selbst jazzbegeisterte Christoph Armbrecht gemeinsam mit "Knut Events", dem Tourismus- und Veranstaltungsservice der Stadt Kronach und zahlreichen Sponsoren eingegangen ist, wurde zum Erfolgsmodell. Die Kühnlenzpassage war gut gefüllt.

Das Publikum machte es sich auf Lümmel-Hockern oder ganz normalen Stühlen gemütlich und harrte gerne aus - und war obendrein einhellig begeistert. Immer wieder brandete Zwischenapplaus auf.

Und je später der Abend, desto passender wurde die Kulisse. Denn die Kühlenzpassage war in farbiges Licht getaucht. Und die Sonne spielte und zauberte tolle Reflexe an die rohen Ziegelwände. Als "Stars zwischen den Top-Acts" wurde die heimische Band "Schmoelz" verpflichtet, aber nicht in Vollbesetzung, sondern "nur" Bernd Kleilein (Bass), Günter Prokoph (Saxophon) und Hans-Dieter Klinger (Piano) gaben sich die Ehre - einfach, weil ein Trio für Zwischendurch angenehmer war. Schon vor dem Konzert sorgte es mit seiner Mischung aus Jazz, Soul und Standards für derart angenehme Stimmung, dass die Zuhörer gar nicht genug bekommen konnten und in lockerer Atmosphäre gerne fachsimpelten.

Stars des Abends waren natürlich dann die berühmten Formationen "Triosence" und das "Julian und Roman Wasserfuhr-Quartett". Welche Formation zum persönlichen Lieblings-Act wurde, war Geschmacksache.
Das "Julian und Roman Wasserfuhr-Quartett" hatte mit seinem Debüt-Album vor sechs Jahren die "Young German Jazzszene" aufgemischt und auf Anhieb für Aufmerksamkeit gesorgt. Inzwischen haben sie ihren eigenen Stil gefunden: ein schnörkelloser Jazz, mit Mut zur Einfachheit. Bei ihrem Auftritt in der Kühnlenzpassage hatte das Quartett aber nicht nur bekannte Werke parat, sondern auch brandneue, die auf die neue CD kommen. So staunte das Publikum über "Sieben Gegner", das die Wasserfuhr-Brüder präsentierten und das sicherlich noch niemand kannte.

Roman Wasserfuhr fiel schon als Dreijähriger durch seine außergewöhnliche Musikalität auf. Und immer war es die Stilrichtung des Jazz, die ihn faszinierte. Nicht minder begabt und zudem ein Zauberer auf der Trompete ist der 1987 in Hückeswagen geborene Julian Wasserfuhr. Er war sogar jüngster Jungstudent an der Musikhochschule in Köln und hat sein Studium im Juli vor zwei Jahren beendet. Ziel des neuen Albums, das Julian und Roman Wasserfuhr produzieren, ist es, Jazz in Vollendung zu präsentieren. Ehrlichen, authentischen und gefühlvollen Jazz. Und dieses Gefühl wollten die Wasserfuhrs auch in Kronach zeigen - und es gelang ihnen, das Publikum in ihren Bann zu ziehen.

Eigenkompositionen präsentiert

Eine echte Ohrenweide war zudem "Triosence" als Top-Act. Die Band, bestehend aus Komponist und Pianist Bernhard Schüler, aus dem Bassisten Matthias Akeo Nowak und aus Stephan Emig (Drums), präsentierte in Kronach ausnahmslos Eigenkompositionen von Bernhard Schüler - so unterschiedlich, dass das Publikum manchmal ins Staunen kam.

Drumer Stephan Emig nutzte nicht nur die Klangmöglichkeiten seines Schlagzeuges aus, sondern zeigte sich immer auf der Suche nach neuen Klangelementen. Und so durften natürlich auch eine ganz eigen bearbeitete Suite über ein taiwanesisches Revolutionslied und das "Ila famosa" nicht fehlen.

Tatsächlich werden "Triosence" als "die neuen jungen Gesichter" des Jazzs gefeiert. International. Sie spielten in Taiwan und sind sogar in Japan bekannt. Drummer Stephan Emig baute in die besondere Art des melodiösen Jazz sogar eine Karimba mit ein - und erzeugte ganz neue Klänge.

"Triosence" brachte in der Kühnlenzpassage Jazz dar, der nicht nur von Kennern geliebt wird, sondern der auch Jazz-Neulingen mit seiner Harmonie und Melodiösität den Einstieg in die ganz besondere Musikgattung leicht macht.