Es sind nicht einmal mehr vier Wochen. Und so kurz vor dem größten Fest des Jahres für die Kronacher befürchten diese bei der Nachricht "Veranstaltungsstopp auf dem Schützenplatz" wohl das Schlimmste.
Aber: "Das Freischießen ist nicht in Gefahr", betont Dieter Krapp vom Ordnungsamt der Stadt Kronach und schickt noch hinterher: "Das findet statt - im Umfang wie bisher."

Charly Wittig, Platzmeister der Schützengesellschaft, spricht von einem momentanen Veranstaltungsstopp. "Bis Klärung erfolgt ist, können keine Discoveranstaltungen, Partys usw. auf dem Platz und in den Hütten genehmigt werden." So lautet seine Anweisung, die er am Montag per E-Mail verschickt hat.

Hintergrund ist eine Anliegerbeschwerde. Die "Parti GmbH", welche Pächter des Schützenhauses ist und auch auf dem Platz immer mal wieder Veranstaltungen abhält, hat im Auftrag eines Anwohners das Schreiben eines Anwalts erhalten.
Und daraufhin haben die beiden Geschäftsführer Tobias Heinlein und Daniel Ivascenko die nächste geplante Veranstaltung, den "Summer Groove" am 20. Juli, auf dem Schützenplatz abgesagt. "Es tut uns leid, Euch mitteilen zu müssen, dass der ,Summer-Groove‘ 2013 ausfällt! Da es Probleme mit den Anwohnern gibt, wird es - leider - bis auf Weiteres keine Veranstaltungen mehr in den Hallen am Platz geben", schrieb die "Parti GmbH" am Mittwochabend auf ihrer Facebook-Seite. Und: "Wir arbeiten gerade mit Hochdruck an einer Lösung!"

Eine Lösung will auch Schützenmeister Frank Jungkunz finden. Alle Beteiligten haben bereits reagiert, wie er sagt. "Wir nehmen die Anliegen ernst und wollen auch handeln", erklärt er. Zunächst habe man alle Veranstaltungen gestoppt, er habe auch bereits mit einem Anwohner gesprochen. In der kommenden Woche solle es Gespräche, unter anderem mit der Stadtverwaltung geben. Auch er geht davon aus, dass das Freischießen stattfindet - und auch in gewohnter Form.

Auslöser für den Anwaltsbrief war das Holi-Fest, das vor vier Wochen auf dem Schützenplatz stattgefunden hat. Das hat für einen Anwohner, der namentlich nicht genannt werden will, das Fass zum Überlaufen gebracht, so dass er einen Anwalt eingeschaltet hat. "Das ging von Mittag bis 22 Uhr", sagt er über das Holi-Fest. 98 Dezibel habe er gemessen. 42 Veranstaltungen hätten alleine im vergangenen Jahr stattgefunden. "Jetzt hab' ich die Schnauze voll", schimpft der Anwohner. Unmöglich sei, was da auf dem Schützenplatz ablaufe. Es seien zu viele Veranstaltungen und zu laute.

"Da wackeln die Fenster und die Gläser im Schrank - und das bis in die Puppen", beklagt er. Und obwohl weder das Schützenhaus noch die Leiner-Halle für Disco-Veranstaltungen ausgelegt sei, "ist das hier nur noch eine Partymeile". Er habe nichts dagegen, wenn mal ein Zirkus kommt oder ein Verein dort sein Fest abhält, aber "irgendwo hört es auf". Der Anwohner betont auch, dass seine Beschwerde nichts mit dem Freischießen zu tun hat: "Das ist ein Fest mit Tradition, das hat einen Freifahrtschein." Sein Anwalt habe lediglich die Unterlassung des so genannten "Summer Groove" gefordert, denn seiner Meinung nach ist die Zahl der Sondergenehmigungen überschritten.

Dieter Krapp aber sagt, es gebe keine Vorschrift, wie viele Veranstaltungen genehmigt werden dürfen. "Es gibt nur eine Richtlinie, keine gesetzliche Grundlage." Und diese Richtline betrug einst 18 Veranstaltungen und seit den neuen Lärmschutzbestimmungen liegt sie bei zehn. Krapp sieht die Schützengesellschaft als Platzeigentümer gefragt. Über die Veranstaltungen generell habe die Stadt nicht zu entscheiden, lediglich über die Auflagen, was beispielsweise Lautstärke oder Dauer betrifft.

Tobias Heinlein von der "Parti GmbH" war gestern damit beschäftigt, verschiedene Bestellungen, die man für den "Summer Groove" bereits getätigt hat, zu stornieren. Die Flyer und Plakate sind allerdings schon gedruckt - auf diesen Kosten von etwa 700 Euro bleibe man auf jeden Fall sitzen. "Wie es nun weiter geht, kann bisher noch niemand sagen, es laufen momentan Gespräche und es wird mit Hochdruck an einer Lösung gearbeitet. Denn ,The Show must go on‘", so Heinlein.


Nun heißt es also abwarten. Wie Frank Jungkunz sagt, ist alles "im Fluss". Doch eines ist für alle Beteiligten sicher: Das Freischießen findet auch 2013 statt.