Ferien auf dem Bauernhof - das haben die bald vierjährige Ina und ihre kleine Schwester Heidi jeden Tag.
Während andere Kinder in die Kinderkrippe gehen, fährt Ina mit einem Bulldog über den Hof der Familie in Effelter. Natürlich mit einem Bulldog zum Trampeln.

Schwester Heidi, erst wenige Monate alt, schläft derweil friedlich im Kinderwagen - und zwar im Stall. "Ina füttert die Kälber mit, ist überall dabei", sagt Mama Bianca Appel. "Und ab September geh ich in den Kindergarten", fügt die kleine Ina hinzu. Doch bevor es so weit ist, will sie auch anderen Leuten, egal ob groß oder klein, zeigen, was sie so jeden Tag auf dem Bauernhof erlebt. Und zwar am kommenden Sonntag beim Tag des offenen Hofes.

Ihre Eltern Marcus und Bianca Appel sowie Inas Großeltern öffnen dann nämlich die Stalltüren. Und nicht nur das. Vielmehr wird auch das traditionelle Bioenergiedorffest gefeiert. Denn Inas Papa Marcus betreibt ja auch die Bioenergiedorf Effelter GmbH&Co.KG. 2002 hat er eine Biogasanlage auf dem Hof gebaut, kurz darauf kamen Wolfgang Degelmann und Matthias Böhm vom Verein Energievision Frankenwald auf ihn zu und haben mit ihm über ein sogenanntes Bioenergiedorf gesprochen.

Alle Haushalte sind am Nahwärmenetz

Ein Nahwärmenetz, an dem sämtliche Haushalte der Dorfgemeinschaft angeschlossen sind, ist entstanden. Die Energiezentrale dafür befindet sich auf dem Hof der Appels. Über Rohre, die unter den Straßen Effelters verlaufen, wird Wärme in die Wohnzimmer und Bäder des Dorfes gebracht.

2009 ging die Dorfheizung in Betrieb, heute sind 39 der knapp 70 Haushalte Effelters an das Nahwärmenetz angeschlossen. "34 davon sind mit einer festen Einlage Kommanditisten der Bioenergiedorf GmbH & Co. KG", erklärt Appel.

Deshalb spricht er auch nicht von "seiner", sondern vielmehr von "unserer" Heizung. Denn sie gehört allen 33 beteiligten Familien in Effelter sowie öffentlichen Einrichtungen und der Gemeinde. Die restlichen vier Gebäude, die angeschlossen sind, sind Wärmekunden oder beispielsweise die Kirche, die nicht Kommanditist sein darf.

Man kann also sagen, das halbe Dorf ist an einer Energie-Gesellschaft beteiligt, die mit Biogas, Hackschnitzeln und Photovoltaik Elektrizität und Wärme erzeugt. Mittlerweile befindet sich die Biogasanlage aber ein paar hundert Meter weiter. Denn die Appels sind mit ihrem Hof aus Platzgründen umgezogen.

Der alte Kuhstall mit 40 Kühen war in die Jahre gekommen, die Appels entschieden sich für einen Neubau und auch die Biogasanlage zog dann sozusagen mit um, beziehungsweise es wurde eine neue gebaut. Und der neue Stall bietet für mehr als dreimal so viel Kühe Platz, wie der alte.

Neuen Stall gebaut

Seit Ende 2014 ist der neue Stall in Betrieb. Doch nicht nur Ina und Heidi sind jeden Tag dort, sondern vielmehr die ganze Familie Appel. Oma und Opa helfen mit, der Papa sowieso und auch Mama Bianca, die eigentlich technische Zeichnerin ist, ist nach und nach immer mehr in den Familienbetrieb mit hinein gewachsen.

"Es macht Spaß, ich mach's gern und könnte mir nichts anderes mehr vorstellen", sagt sie. Denn sie weiß, dass sie bei einem solch landwirtschaftlichen Familienbetrieb, insbesondere nach der Vergrößerung, einfach mit dahinter stehen muss. "Sonst braucht man so etwas nicht machen, wenn nicht die ganze Familie mithilft", ist sie überzeugt.

Und das tut sie: Die ganze Familie Appel ist mit Herzblut in der Landwirtschaft - das fängt schon bei den Jüngsten an.