Die graue Mähne und sein schwarzes Hemd sind Markenzeichen des Kronacher Künstlers Ingo Cesaro. In diesem Jahr organisiert der 77-Jährige die 22. HolzArt und sieht sich vor einer großen Herausforderung: "Die KMW-Stiftung ist einer unser Hauptsponsoren. Sie leidet aber gerade massiv unter dem Niedrigzins." Und was das heißt, übersetzt Cesaro so: "Die Stiftung kann ja nur ihre Erträge ausschütten - und wenn die niedrig sind..." Cesaro führt den Satz nicht zu Ende und doch weiß jeder, wie er weiter gehen würde.

Trotz der Situation der in Marktrodach durch das Ehepaar Karl und Margitte Weiß ansässigen Stiftung sieht Cesaro die HolzArt - zumindest in diesem Jahr - nicht in Gefahr. "Die Finanzierung für 2019 ist mehr oder weniger gesichert, aber weitere Sponsoren sind natürlich herzlich willkommen." Diese könnten auch helfen, die etwa 14 000 Euro aufzubringen, die die Veranstaltung jedes Jahr an Kosten verschlingt. "Wir erstatten jedem Teilnehmer sämtliche Fahrtkosten, bezahlen Kost und Logis und natürlich auch das Material. Geht etwas kaputt, sorgen wir für Ersatz. Wir leisten Aufbauhilfen und kümmern uns um alle Probleme." Und wen er mit "wir" meint, erklärt er auch gleich: Meine Frau und meine Tochter unterstützen mich schon sehr lange. Außerdem wird jeder eingespannt, der zufällig in meinem Wohnzimmer vorbei kommt."

Zu den Spenden ergänzt Cesaro: "Wir erhalten aber auch Spenden von Privatleuten und vom Verein Kunstförderung Kronach. Außerdem unterstützen uns die Bayerischen Staatsforsten, die aber ebenfalls mit großen Problemen zu kämpfen haben. Der Holzpreis ist im Keller, der Einschlag wird gedrosselt und der Borkenkäfer besorgt den Rest. Ein weiterer Hauptsponsor ist der Landkreis. Landrat Klaus Löffler möchte natürlich, dass es mit der HolzArt weitergeht. Er hat sich im letzten Jahr sehr engagiert, damit die Skulpturen auch verkauft werden." Der Erfolg dieser Aktion sei zwar eher bescheiden gewesen, bedauert Cesaro, aber allein schon die Absicht zähle ja.

Überhaupt keine Probleme dagegen habe der "Kronacher Kunstpapst" damit, Künstler für die HolzArt in den Landkreis zu holen. "Vor jeder Veranstaltung habe ich zig Bewerbungen und muss leider auch immer Absagen erteilen. Klar ist auch der mit 1000 Euro dotierte Kunstpreis ein Magnet. Und jedes Jahr werden etwa die Hälfte der hergestellten Skulpturen verkauft. Der Erlös fließt selbstverständlich dem Künstler in voller Höhe zu. "

Viele Gemeinden unterstützen

Umgekehrt seien aber auch die meisten Gemeinden im Kronacher Landkreis bereit, an der HolzArt teilzunehmen. "Sie lebt ja davon, dass die Künstler nicht nur an einem Ort arbeiten, sondern überall verteilt sind." Und diese Bereitschaft erklärt unter anderem auch den großen Erfolg dieses Events. "Bevor ich irgendeine Aktion beginne, leiste ich jahrelange Vorarbeit. Und ich tue nichts nur für den Landkreis Kronach, den Bezirk Oberfranken oder das Bundesland Bayern. Ich tue es für die ganze Welt." Und dann schiebt er noch hinterher: "Image gewinnt man nur außen, nicht innen."

Aber sind das jetzt nur die Augen Ingo Cesaros, die diesen Erfolg in glänzendem Licht erscheinen lassen? "Nein," meint er dazu, "die HolzArt wird definitiv sehr gut angenommen. Wir hier im Frankenwald haben nämlich einen entscheidenden Vorteil: In fast jeder Familie hat mindestens ein Mitglied etwas mit Holz zu tun. "Das hat in dieser Region eine lange Tradition. Und kaum einer hat keine Kettensäge." Cesaro freut sich über den guten Willen der Bevölkerung, die nur in absoluten Ausnahmefällen, wie er betont, auch mal mit einer Packung Pralinen besänftigt werde. Mittlerweile habe er sein Netz über den gesamten Frankenwald gespannt. "Gastfreundschaft ist eine ganz wichtige Geschichte. Die Teilnehmer werden herzlich aufgenommen und freuen sich über Meinungen, die einfach so gerade heraus und oft ungefiltert ihren Weg zu den Künstlern fänden. Die Leute mögen es, einen Bildhauer vor der eigenen Haustür zu haben. Das nimmt auf jeden Fall die Schwellenangst."

Und mit einem kurzen Blick in die fast 22-jährige Erfolgsgeschichte meint er: "Wenn ich mir vorstelle, dass 1998 Holz fast nur zur Möbelherstellung oder zum Verschüren gut genug war, haben wir einen Quantensprung vollführt."

"In mir ist eine Leichtigkeit aufgestiegen." Das ist keine Hausfrauenprosa, sondern das Lebensgefühl des Künstlers Michael Steigerwald aus Steinach in Baden-Württemberg. Er beschreibt damit den Lebensabschnitt, der ihn in die berufliche Unabhängigkeit geführt hat. Und diese Unabhängigkeit lebt er seit 2004 in unregelmäßigen Abständen auch bei der Kronacher HolzArt aus. Eine seiner Skulpturen wird künftig die Gemeinde Tettau zieren. "Der hölzerne Skispringer ist aber erst zu 95 Prozent fertig gestellt."

Gelungene Veranstaltung

Was ihn gerade an der HolzArt so fasziniert, lasse sich in zwei Sätzen nicht zusammenfassen, meint er und legt los: " Es ist eine von A bis Z gelungene Veranstaltung. Wir Künstler werden bestens betreut, können täglich unsere Erfahrungen austauschen, lernen viele Leute kennen und Ingo Cesaro hat einen großen Vorteil: Er ist nicht nur Veranstalter, sondern selbst auch Künstler. Deshalb kennt er unsere Bedürfnisse wie kein anderer." Sein Verhältnis zu Cesaro sei nach wie vor ein sehr gutes, betont er und ergänzt: "Ingo Cesaro hat seine Vorteile in der Publikumsnähe. Außerdem hat man mit der Festungswiese eine tolle Plattform, um die Skulpturen zu präsentieren."

Und weil er weiß, dass Ingo Cesaro den Begriff "Symposium" für die HolzArt nicht so gerne hört, definiert er das Ganze so: "Es ist keine wissenschaftliche Tagung und auch kein Trinkgelage. Es ist für uns etwas dazwischen. Jeder will für sich formale Lösungen suchen. Dabei essen, trinken, diskutieren und lachen wir gemeinsam."

Zwei Skulpturen

Über 14 Tage zieht sich die Schaffensphase für die Skulpturen und Michael Steigerwald meint zu dieser relativ langen Dauer: "Erst dachte ich, das wäre zu lange. Aber weil ich immer zwei Skulpturen anfertige, muss ich mich ranhalten."

Die Hälfte seiner Werke hat der Bildhauer auch direkt verkauft und freut sich über das rege Interesse. "Die Holzqualität hat sich in den letzten Jahren enorm verbessert. Außerdem arbeite ich auch gerne in der Kombination mit Stahl. Den Kalt-Warm-Effekt finde ich einfach total spannend." Die Namen für seine Skulpturen suche er ebenfalls nicht willkürlich aus. "Werke wie: ,Tisch-Mensch-Fisch' oder ,Frau-Baum-Laute' wurden von der Firma Weiß erworben und haben Themenbezug zur Firma und zu den Personen."

Michael Steigerwald, der schon in Ludwigsstadt, Marktrodach, Kleintettau und Tettau seine Werke gefertigt hat, ist vor allem von der positiven Resonanz der Zuschauer begeistert. "Da gibt es mal Kaffee und Kuchen, mal ein Frühstück oder eine zünftige Brotzeit. Es gibt gut gemeinte Ratschläge, kritische Anmerkungen, aber es gibt vor allem auch Lob und Respekt."