Von "einem Hahnenkampf mit untauglichen Mitteln" und einer Geschichte, die man mit einer Entschuldigung unter Männern - ohne Gericht - aus der Welt hätte schaffen können, sprach Jugendrichter Jürgen Fehn mit einem Schmunzeln auf den Lippen. Er beließ es dann auch bei einer Geldstrafe in Höhe von 450 Euro - Geld, über das sich der Kreisfeuerwehrverband Kronach für die Jugendfeuerwehr freuen darf.

Anlass für das unorthodoxe Zweikampfverhalten des Angeklagten war wohl Eifersucht, die ihm den Start ins neue Jahr gehörig vermieste. Die Kontrahenten, die sich bis dato nicht gekannt hatten, besuchten in den frühen Morgenstunden eine Silvesterparty in einer Kronacher Lokalität. Bis dahin war es für die Beteiligten vermutlich ein angenehmer Abend. Dann aber soll der junge Mann zugeschlagen haben - drei- bis viermal mit der Faust auf die Nase seines Kontrahenten -, wie das Opfer erklärte.
Von zwei leichten Schellen auf die Wange, sprach der Angeklagte. Dieser und seine Freundin waren sich zudem sicher, dass die blutende Nase des Opfers nie und nimmer von der Auseinandersetzung kommen konnte.


Merkwürdiges Verhalten


Nicht nur die überzogene Reaktion des Angeklagten, auch das Vorgehen des späteren Opfers fanden sowohl der Richter, als auch Christina Fuchs von der Staatsanwaltschaft "etwas merkwürdig". Der 18-Jährige hatte sich nämlich, nachdem er den ganzen Abend nicht bei von ihm auserwählten Frauen hatte landen können, zunächst von seinen Kumpels Ratschläge geholt, wie man denn das weibliche Geschlecht für sich gewinnen kann. Diese Tipps wollte er sogleich in der Praxis testen - und zwar bei der Freundin des Angeklagten, die mit dem 20-Jährigen vor ihm auf einer Couch saß. Im Nachhinein nicht die klügste Entscheidung.

"Ich habe schon gesehen, dass die beiden ein Paar waren. Trotzdem habe ich das Mädchen angesprochen und sie gefragt, ob ich denn mit meiner neuen Taktik bei anderen Frauen Erfolg haben könnte", so der aus dem Landkreis Coburg stammende Azubi. Das Mädchen habe zu ihm gesagt, er solle es halt einfach mal probieren. "Ich sagte ,danke‘, und das wars auch schon", erinnerte er sich.


Nach Treffern "völlig perplex"


Daraufhin habe ihm der Freund des Mädchens mindestens zweimal unvermittelt mit der Faust auf die Nase geschlagen, so dass diese geblutet habe. Er sei davon völlig perplex gewesen. "Das war doch keine Anmache, nur eine Frage", war er verständnislos. Er sei dann mit der Security raus und habe sich Eis zum Kühlen für seine stark blutende Nase geholt, die noch ein oder zwei Tage wehgetan habe. Das Mädchen habe ihn weinend gebeten, den Freund nicht anzuzeigen. "Wenn er sich bei mir entschuldigt hätte, hätte ich auch darauf verzichtet", betonte der junge Mann.

Etwas anders schilderte es der Angeklagte: "Er hat meine Freundin angemacht und sie gefragt, ob sie einen Freund hat. Er hat sie unentwegt zugetextet", erinnerte er sich. Zuerst habe er ihm höflich, später dann lauter zu verstehen gegeben, dass er nicht nerven soll. Beim Aufstehen habe sich sein Opfer etwas nach vorne gebeugt. Da habe er ihm aus Reflex eine Schelle auf die Wange gegeben. "Seine Nase hat da aber noch nicht geblutet, da bin ich mir ganz sicher", beharrte der 20-Jährige, dessen Freundin vor Gericht seine Aussage bestätigte. Alkohol sei bei den beiden Kontrahenten nur wenig im Spiel gewesen.


Urteil ist rechtskräftig


Die Jugendgerichtshilfe empfahl das Anwenden von Erwachsenenstrafrecht für den bereits einschlägig vorbestraften Beschuldigten. Dies sahen aber sowohl die Staatsanwaltschaft als auch der Jugendrichter anders. "Der Angeklagte wirkt eher wie ein Jugendlicher. Er war halt eifersüchtig, weil jemand seine Freundin angegraben hat", mutmaßte Fuchs. Sie erachtete Jugendstrafrecht sowie eine Geldstrafe in Höhe eines Monatsgehalts von 500 Euro als angemessen. Der Angeklagte, der sich dann doch noch entschuldigte, verzichtete auf Rechtsmittel, so dass das Urteil rechtskräftig ist.