Am Montag wird es ernst. Für viele Jugendliche beginnt der Start ins Berufsleben. Die Chancen, einen Ausbildungsplatz zu finden, stehen für Schulabgänger so gut wie nie. Beziehungsweise suchen die Unternehmen händeringend nach Auszubildenden, so ist es zumindest oft in den Medien zu lesen. Doch ist das in der Region auch wirklich so?

"Bei uns in der Heinz-Gruppe starten 32 Jugendliche eine Ausbildung", berichtet Fritz Hempfling von der Personalabteilung auf Anfrage. Zwar konnten in diesem Jahr alle angebotenen Lehrstellen besetzt werden, aber es werde immer schwieriger, in der Region geeignetes Personal zu finden. Das bedeutet für die Heinz-Gruppe, sich der Öffentlichkeit attraktiv zu präsentieren.

Neben all den Aktivitäten , wie Praktika, Zusammenarbeit mit der Fachoberschule am Rennsteig oder der Teilnahme an Ausbildungsmessen, habe sich der sogenannte "Tag der Ausbildung" bewährt.
Zur Überraschung aller Organisatoren fanden sich im vergangenen Jahr rund 120 Schüler und Eltern bei Heinz-Glas in Kleintettau ein, um den Betrieb kennen zu lernen und um sich über die Ausbildungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten zu informieren.

Die Interessierten kamen aus den Landkreisen Saalfeld, Kronach und Sonneberg. "Ich denke, das ist ein guter Weg und wir werden auch im Oktober/November wieder unsere Pforten für das Thema Ausbildung öffnen", sagt Hempfling.

"Geeigneten Nachwuchs zu finden wird schwieriger, wir sind einem enormen Wettbewerb zu den großen Betrieben ausgesetzt", weiß die Personalleiterin von Rauschert in Steinbach, Angelika Stubrach. Vier Lehrstellen sollten im Werk besetzt werden, zwei Auszubildende (Industriekauffrau/Werkzeugmechaniker) starten letztendlich nun ihre berufliche Laufbahn. Eine zweite Lehrstelle als Werkzeugmechaniker und eine als Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik konnten nicht besetzt werden. Ein Problem sei auch, dass die Anforderungen ständig steigen.

Bei den Bewerbungen sei eine Stagnation zu erkennen, kennt auch Karlheinz Schmidt, kaufmännischer Ausbildungsleiter der Maschinenfabrik Weber in Kronach, das Problem. Insgesamt habe das Unternehmen für 2013 zwei kaufmännische und elf gewerbliche Lehrstellen zu vergeben gehabt. Duale Studiengänge werden bei dem Unternehmen zwar angeboten, wurden aber nicht besetzt. Das lag nicht zuletzt daran, so Schmidt, dass die Bewerber sich kurzzeitig anders entschieden haben.

Ein guter Weg, um Jugendliche auf die Maschinenfabrik Weber aufmerksam zu machen, ist für Schmidt auch der "Tag der Ausbildung". Dieser habe im Juni in Zusammenarbeit mit der IHK stattgefunden und sei auf beachtliche Resonanz gestoßen. So ein Tag sei eine gute Gelegenheit, mit jungen Leuten ins Gespräch zu kommen. "Es geht hier um nichts, die Informationen bezüglich Berufsausbildungsmöglichkeiten und Unternehmen stehen im Vordergrund und finden in einer ungezwungenen Atmosphäre statt", so Schmidt.

Beim Steinbacher Behälterglashersteller Wiegand-Glas findet am kommenden Freitag zum ersten Mal ein Tag der Ausbildung statt. Das Unternehmen hat 23 neue Lehrlinge, davon 14 am Stammsitz, eingestellt. Für Personalleiter Matthias Fröba steht fest, dass künftig die Unternehmen verstärkt ihre Stärken der Öffentlichkeit präsentieren müssen. Auch das Thema Qualität werde verstärkt in den Fokus rücken. Für Wiegand-Glas bedeutet das unter anderem, den jungen Menschen deutlich zu machen, dass ihre Auszubildenden oftmals zu den Besten gehören, einige davon mittlerweile als Führungskräfte ihren Lebensunterhalt bei Wiegand-Glas verdienen, und dass sie im Unternehmen ein Fundament erhalten, auf das sie aufbauen können.

Vom Tag der Ausbildung versprechen er und sein Team sich einiges. Fröba hofft, dass viele Jugendliche und vor allem auch deren Eltern den Weg nach Steinbach finden werden, damit sie einen Einblick in Gebäude und Produktion, Lehrwerkstatt und Berufsmöglichkeiten erhalten. Er hofft zudem, dass der eine oder andere dadurch den Weg zu Wiegand-Glas findet.

"Der Kampf um die Köpfe hat schon längst begonnen und das Handwerk ist der Verlierer", sagt der Kreishandwerksmeister Heinrich Schneider. Im Handwerk haben "unzählige Stellen" nicht besetzt werden können. Die Schüler werden weniger, die Zahl der ausbildungsfähigen Bewerber, bei denen handwerkliches Geschick und Schulnoten zusammenpassen, werde geringer. Ein Problem sei auch, dass im Elternhaus die erforderlichen Grundlagen für eine Ausbildungsfähigkeit nicht mehr vermittelt würden. Sicherlich, das Handwerk habe verschiedene Initiativen gestartet, aber letztendlich "kommen wir gegen die Industrie nicht an". Dabei, so Schneider, gebe es im Handwerk einige attraktive Angebote, viele Perspektiven und interessante Weiterbildungsmöglichkeiten.