Große Teil der Wirtschaft ächzen unter den Folgen der Corona-Pandemie. Von den Auswirkungen blieben auch die drei Glashütten am Rennsteig, die rund 5000 Mitarbeiter beschäftigen, nicht verschont. So sind Umsatzeinbrüche bei Kunden zu verzeichnen und man hat teilweise mit Auftragsrückgängen zu kämpfen. Dennoch wird die wirtschaftliche Lage neutral bewertet. Weder große Trübsal noch Begeisterung für eine Sonderkonjunktur ist bei den Geschäftsführern und Inhabern zu spüren. Teilweise wurde auch Kurzarbeit, zumindest für einige Wochen, angemeldet.

Bei der Gerresheimer Tettau blieben die rund 550 Mitarbeiter bisher davon verschont. Wie der Pressesprecher der Gerresheimer Gruppe, Jens Kürten, auf Anfrage erklärte, werden im Tettauer Werk überwiegend Glasflakons für Kosmetik- und Pflegeprodukte im mittleren und unteren Preissegment produziert. Aufgrund dessen, dass während des Corona-Lockdowns die Geschäfte und Drogerien als systemrelevant galten und ihre Läden nicht schließen mussten, blieben auch die Absatzzahlen relativ stabil.

Die Coronapandemie ging aber bisher nicht spurlos an Gerresheimer Tettau vorbei. So wurden - ebenso wie bei den beiden anderen Glashütten - um den Produktionsbetrieb rund um die Uhr aufrecht erhalten zu können, besondere Hygieneregeln eingeführt. Weiterhin wurde unter anderem darauf geachtet, dass die Produktionsteams möglichst in der gleichen Besetzung für die Schichten eingeteilt wurden.

Die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Homeoffice hielt und wird sich auch weiterhin bei Gerresheimer in Grenzen halten, so Kürten, da es sich um einen Produktionsbetrieb handelt. Jens Kürten spricht davon, dass die Gerresheimer Tettau bisher nicht nur bei der Coronapandemie glimpflich davon gekommen ist, sondern auch beim Brand, der im Juni in einem Zwischenlager des Unternehmens ausgebrochen war. Dank des Sicherheitskonzeptes, der Rettungskräften und der Feuerwehren konnte Schlimmeres verhindert und die Produktion aufrecht erhalten bleiben, lobt Kürten deren Einsatz. Die Brandursache allerdings sei noch nicht geklärt.

Bei der benachbarten Glashütte Heinz-Glas in Kleintettau wird in einigen Abteilungen aktuell noch kurzgearbeitet. Derzeit werden rund 30 Prozent weniger Glasflakons als im Vorjahr produziert. Wie von der Kommunikationsmanagerin Sonja Hartlöhner zu erfahren war, sei das Luxus-Parfüm- und Make-up-Segment noch schwer wegen der Coronapandemie in Mitleidenschaft gezogen.

Nach wie vor seien die Auswirkungen der Schließungen von Parfümerien und Fachgeschäften, der reduzierte Flugverkehr und das Duty-Free-Geschäft zu spüren. Der Markt der pflegenden Kosmetik für die Handelsketten sei dagegen nahezu stabil und Vertrieb von Produkten in diesen Segmenten laufe ohne nennenswerte Einbußen.

Zugenommen habe nicht zuletzt wegen des dringenden Bedarfs an Desinfektionsmitteln die Nachfrage nach Plastikartikeln. Mittlerweile befasst sich Heinz-Glas mit der Entwicklung und Produktion von neuen Produkten, um künftig unabhängiger auf Marktschwankungen reagieren zu können.

Markt erholt sich

Bei Wiegand-Glas in Steinbach am Wald wurde während des Lockdowns für einen kurzen Zeitraum Kurzarbeit in einigen Abteilungen eingeführt. Seit Wochen arbeitet die gesamte Belegschaft wieder regulär. Wie von den Geschäftsführern Oliver und Nikolaus Wiegand zu erfahren war, seien insbesondere die Absätze nach Italien und Frankreich während der Lockdowns der jeweiligen Länder negativ beeinflusst worden. Nach einem Tief in Mai habe sich der Markt jedoch wieder erholt. Allerdings liegen die Absätze aktuell noch unter den Vorjahreszahlen.

Bezüglich der einzelnen Segmente spricht Nikolaus Wiegand von einem zufriedenstellenden Absatz bei Bierflaschen. Die Absatzzahlen beim Wein sei dagegen zweigeteilt. So gebe es eine positive Entwicklung bei den Weinfüllern, die an den Lebensmitteleinzelhandel liefern, dagegen haben die kleineren Winzer mit einem negativen Absatz zu kämpfen.

Die Nachfrage nach PET-Flaschen sei nach einem sehr guten ersten Quartal rückläufig. Viele der Kunden, wie beispielsweise Coca Cola haben aufgrund der Corona bedingten Schließungen von Hotels, Restaurants etc. deutliche Absatzrückgänge zu verzeichnen. Zeitweise mussten Abfüllstandorte schließen.

Aufgrund des Absatzrückgangs hält sich die Wiegand-Glas Unternehmensgruppe im PET-Bereich derzeit auch mit Einstellungen zurück, auch wurde Personal abgebaut. Im Glasbereich sei die Situation anders, heißt es. Hier werden insbesondere für den Schichtbetrieb Mitarbeiter gesucht.

Was die Zahl der Bewerbungen betrifft, so spricht Oliver Wiegand davon, dass beispielsweise am Glasstandort Schleusingen/Thüringen wegen der Corona-Pandemie eine verstärkte Zunahme von Bewerbungen zu verzeichnen ist. An anderen Standorten habe man nach wie vor Probleme, alle Stellen adäquat zu besetzen.

Insgesamt gehen die Geschäftsführer davon aus, dass sich wegen Corona die Arbeitswelt in den Glashütten nicht grundlegend verändern wird. Ohne engagierte Mitarbeiter vor Ort wird auch künftig kein Glas produziert werden können. Homeoffice wurde vor allem von den Mitarbeitern der kaufmännischen Verwaltung für einen bestimmten Zeitraum, nämlich als Schulen und Kindergärten geschlossen waren, genutzt, ist beispielsweise von der Wiegand-Glas Unternehmensgruppe zu hören.

Neues Scherbenlager

Und was ist mit Investitionen? Von Oliver und Nikolaus Wiegand ist zu hören, dass derzeit keine Investitionen wegen Corona verschoben worden seien. Allerdings, so räumen beide ein, werde man die Entwicklung genauestens beobachten und eventuell Investitionsentscheidungen neu bewerten müssen. Bei Heinz-Glas sollen Investitionen für die Zukunft (Markt China) in 2021 wiederbelebt werden. Und bei Gerresheimer Tettau wird am Montag ein neues Scherbenlager für rund 1,2 Millionen Euro eingeweiht.