Im Juni soll der Spuk vorbei sein, der die Schützengesellschaft seit Jahrzehnten bedrückt. Im Wald oberhalb des Schützenplatzes befindet sich noch aus Zeiten des Zweiten Weltkriegs eine Säureharzdeponie. Nach langem Ringen fiel am Donnerstag endlich der Startschuss für die Entsorgung des giftigen Materials.

"Es waren damals Kriegszeiten", zeigt der Platzmeister der Schützen, Karl-Peter Wittig, Verständnis für die seinerzeitige Ablagerung. Da habe keiner über Umweltschutz gesprochen und wegen der Produktion für Kriegszwecke niemand eine Wahl gehabt. Der Giftstoff, ein Rückstand aus der Mineralölindustrie, soll jetzt aber endgültig aus der Landschaft verschwinden. Die Firma Strabag hat die Entsorgungsarbeiten aufgenommen (siehe Infokasten).

"Es muss endlich einmal Ruhe sein. Das ist eine Belastung für jeden, der mit dem Thema zu tun hat", stellt Wittig zur bisherigen Situation fest. Die Schützen betrifft das Thema neben der Umweltbelastung auf ihrem Grundstück auch durch die jahrelange Ungewissheit und die entstandenen Kosten. Um die 60 000 Euro hat der Verein in der Vergangenheit wegen der Säureharzdeponie schon aufbringen müssen, wie Schützenmeister Frank Jungkunz bestätigt.

Als Rechtsanwalt weist er auch gleich auf das Problem hin, dass ein Grundstückseigentümer für derartige Altlasten haftet - selbst wenn er sie nicht verursacht hat. Diese Haftung reicht bis zum Grundstückswert. Keine einfache Situation für einen Verein. Wittig berichtet weiter über Gespräche mit Rolf Voitländer vom Mineralölwerk Voitländer. Dessen Vorfahren mussten die Säureharze im Zweiten Weltkrieg im Wald ablagern. "Das war damals keine Nacht- und Nebelaktion", erinnert geschäftsführender Gesellschafter Rolf Voitländer an diese zu Kriegszeiten übliche Vorgehensweise. "Ich bin froh, dass diese Sache jetzt erledigt wird", betont er.


Gelände ist abgeriegelt

Betreten darf man das Gelände schon seit einigen Tagen nicht mehr. Überall wurden Zäune errichtet und Warnschilder aufgestellt. "Ich bringe noch mehr Schilder an", versicherte Polier Mario Persch von Strabag bereits vor Beginn der Arbeiten. Niemand soll dem Bereich zu nahe kommen. Da Persch schon Kinder in diesem Waldabschnitt in Richtung Seelach gesehen hat, will er auf Nummer sicher gehen und mehr tun als zwingend erforderlich wäre.

"Ohne Atemschutz darf man nicht mehr ins Gelände rein", geht er auf die Sicherheitsmaßnahmen für die Arbeiter ein, die ins sogenannte Baufeld gehen müssen. Auch Schutzanzüge liegen bereit. Und wer das Gelände wieder verlassen will, muss aus dem "Schwarzbereich" hinter dem Schutzzaun erst durch eine Reinigungsstation, ehe er wieder den "Weißbereich" diesseits des Gitters betreten darf. "Die Sicherheitsauflagen sind sehr hoch und werden eingehalten. Da wird peinlich genau darauf geachtet", garantiert Persch, dass auf der Baustelle kein Risiko eingegangen wird.

Bleibt die Frage nach dem Zeitplan. Am 10. August soll das Freischießen starten. Könnten die Arbeiten für Probleme sorgen? Persch und Wittig wissen, dass bei einer solchen Entsorgungsmaßnahme der Teufel im Detail steckt. Dass das Freischießen beeinträchtigt werden könnte, davon gehen beide Männer vorerst aber nicht aus. "Das Ziel und die Vorgabe sind da, und bis jetzt sehen wir keine Probleme, rechtzeitig fertig zu werden", betont Persch. "Wir brauchen eigentlich nur zwei Monate schönes Wetter."

Die gröbsten Arbeiten sollen - wenn alles nach Plan läuft und sich keine bösen Überraschungen auftun - bereits im Mai erledigt sein. Dann könnte die Maßnahme im Juni abgeschlossen werden, wie Wittig anfügt. Also wäre genügend Luft bis zum Freischießen. Und selbst wenn irgendetwas schief ginge, könnten die Schützen reagieren und das Festgelände den Gegebenheiten anpassen.

Dass durchaus Ungeplantes eintreten kann, musste Wittig schon einmal bei den Vorbereitungen der Arbeiten feststellen. Eine Drainage am Baufeld bereitete Probleme. Deren Wasser musste daher umgelenkt werden. "Ich hoffe jetzt, dass unsere Drainagen das packen", sagt der Platzmeister.


Weitere Ablagerungen

Wenn das Gelände vom Säureharz befreit ist, ist das zweite Gelände dieser Art im Umfeld der Kreisstadt gesäubert. Die Altlastensanierung in Birkach (Kosten circa 4,2 Millionen Euro) wurde bereits in den Jahren 2010 und 2011 durchgeführt. Ein weiteres Gebiet mit derartigen Ablagerungen findet sich an der Hammermühle, wie Hauptamtsleiter Stefan Wicklein von der Stadt Kronach bestätigt. Auch dafür wird nach einer Lösung gesucht.

So funktioniert die Entsorgung

Aushub: Mit dem Bagger wird das belastete Material aus dem Boden geholt, wie das Landratsamt auf Anfrage mitteilt. Branntkalk wird zur Erhöhung des pH-Wertes und zur Herstellung eines homogenen Säureharz-Boden-Gemisches zugeführt. Dies erfolgt unter Beachtung der arbeitsschutzrechtlichen Vorschriften (Schutzkleidung, Gaswarngeräte).

Beurteilung: Beim Aushub wird das Material durch den Fachgutachter beurteilt. Die Einstufung des Belastungsgrades erfolgt durch labortechnische Untersuchungen.

Proben Ein Gutachter entnimmt aus festgelegten Chargen Mischproben. Diese werden im Labor auf die für die Entsorgung relevanten Parameter analysiert. Die Beprobung und die Laboruntersuchungen nehmen einige Zeit in Anspruch (bis zu einer Woche), daher ist eine Zwischenlagerung des bereits untersuchten Materials bis zum Abtransport nötig. Aus Platzgründen erfolgt die Zwischenlagerung in einer Aushubgrube im oberen Teil des ehemaligen Steinbruchs.

Verladung: Vor dem Transport zur Entsorgungsanlage wird Material aus dem Aushubbereich mit geeigneten Fahrzeugen über die eigens errichtete Baustraße zum Verladebereich auf dem Schützenplatz transportiert.
Dort erfolgt die Verladung auf Lastwagen zum Abtransport zur Entsorgungsanlage. Das bedeutet, dass es voraussichtlich keine längere Zwischenlagerung auf dem Schützenplatz geben wird.

Verfüllung: Wenn das gesamte belastete Material ausgehoben und die Fläche durch Gutachter und Fachbehörde freigegeben ist, erfolgt die Verfüllung der Grube mit unbelastetem Erdaushub.

Zeitplan: Der Abtransport beginnt voraussichtlich erst Anfang April, wenn der Aushub weitgehend abgeschlossen ist. Der Abschluss der Arbeiten ist bis spätestens Ende Juni 2017 geplant.

Auftrag: Der Auftraggeber für die Maßnahme ist das Landratsamt Kronach. Die Entsorgung des Säureharzes übernimmt die Firma Strabag Umwelttechnik aus Darmstadt.

Finanzierung: Die Finanzierung der Maßnahme erfolgt aus FAG-Mitteln über das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz. Der Auftrag für die Baumaßnahmen wird auf 1,2 Millionen Euro beziffert. Darin nicht enthalten sind allerdings Kosten für die Fachgutachter und die Analytikleistungen.