Georg Weiß trägt das weiße Ministrantengewand mit Stolz. Auch wenn er mit 69 Jahren schon in die Jahre gekommen ist, kann er sich nicht vorstellen, mit dem Ministrieren aufzuhören. Seit 60 Jahren ist Georg Weiß Ministrant. "Ich habe mit neun Jahren angefangen, ganz normal nach der heiligen Kommunion. Da musste ich gar nicht lange überlegen", erzählt der Wallenfelser. Er stammt aus einem streng katholischen Elternhaus. Und so war es für Georg Weiß nie die Frage, ob er diesen Dienst übernehmen würde. Er hat es einfach gemacht, weil es so üblich war. "Aber mir macht das Ministrieren so viel Freude, dass ich immer weitergemacht habe", erzählt er. Inzwischen ist er der dienstälteste Ministrant in Wallenfels. "Mir macht das einfach Freude. Solange ich das Amt noch ausüben kann, werde ich es weitermachen", hat sich Weiß vorgenommen.


Fünf Pfarrer erlebt

Georg Weiß hat in Wallenfels schon fünf Pfarrer erlebt. Als er angefangen hat, galt noch die alte katholische Liturgieform. "Der Pfarrer stand damals mit dem Rücken zur Gemeinde - und gebetet wurde in lateinischer Sprache", erzählt Weiß. Er erinnert sich noch an das sogenannte Stufengebet nach dem Einzug. Nach der Formel "Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. Zum Altare Gottes will ich treten" - Worte, die der Priester in lateinisch sprach, antworteten die Ministranten: "Ad Deum, qui laetificat juventutem meam - Zu Gott, der mich erfreut von Jugend auf", erzählt Weiß. Weiß hat niemals in der Schule Latein gelernt, er ist von Beruf Fahrzeugbauer. Doch er kennt die Bedeutung der lateinischen Worte. "Ich bin stolz darauf, dass ich bis heute mit dem Ministrieren immer weiter gemacht habe. Ich feiere meine Sonntagsgottesdienste, das gehört für mich einfach dazu", sagt Weiß.
Nicht nur in Wallenfels geht er sonntags in die Kirche, auch im Urlaub. "Ich habe in meinem ganzen Leben noch keine fünf Sonntagsmessen versäumt. Ich war sogar in Italien und in Frankreich in den heiligen Messen. Das gehört für mich zu einem Sonntag einfach dazu", erzählt der ewige Ministrant. Dass er jetzt mit einer Ehrenurkunde des Erzbischofs ausgezeichnet worden ist, darüber freut sich Georg Weiß. "Die Urkunde hat bei mir zu Hause einen Ehrenplatz bekommen", sagt er.
Nicht nur Georg Weiß ist kirchlich engagiert, er hat seine Begeisterung für den katholischen Glauben auch in der Familie weitergegeben. Seine Frau Maria (56) putzt im Pfarrhaus. Seine Tochter Katrin (26) leitete den Ministrantenchor. Dass sie dazu immer von Erlangen nach Wallenfels pendeln muss, nimmt sie gerne in Kauf. Auch Georg Weiß' Sohn Thomas (28) engagiert sich kirchlich. "Er ist auch Ministrant", sagt der Vater stolz. Nur sein älterer Sohn Christian (40), der in München lebt, hat aus beruflichen und zeitlichen Gründen den Ministrantendienst an den Nagel hängen müssen. "Aber er hat es auch lange gemacht", sagt Georg Weiß.


"Jetzt ist alles leichter"

Seinen nächsten großen Einsatz hat Georg Weiß am 3. Juli. Beim Thomasfest werden die Senioren-Ministranten die Messe zelebrieren. Insgesamt gibt es in der Pfarrei in Wallenfels 50 Ministranten. Weiß übernimmt beim Ministrieren eigentlich jede Aufgabe gerne, doch am allerliebsten bedient er das Weihrauchfass. "Mindestens drei Kohlen muss man verwenden. Es muss schön dampfen", erklärt Weiß. Und eine Lieblings-Weihrauchnote hat er auch: "Gloria hell". Georg Weiß hat übrigens noch andere Hobbys. Er bewirtschaftet einen halben Hektar Wald, er hilft im Sägewerk noch als Betriebsschlosser aus. Und früher hat er auch Fußball gespielt und war bei der Wehr aktiv. "Früher musste man als Ministrant ja richtig früh aufstehen. Ich erinnere mich noch, wie wir im Winter manchmal durch meterhohen Schnee zur Kirche gelaufen sind. Und die Rorate-Gottesdienste begannen früher um halb sieben Uhr morgens. Aber jetzt ist alles leichter, keine Messe beginnt vor 9 Uhr", so Weiß. Er will jedenfalls noch viele Jahre das Ministrantengewand tragen. "Der frühere Pfarrer Theodor Fennemann hat immer gesagt: Wenn ihr einen Fehler macht, dann macht ihn feierlich. Dann merkt es keiner", erzählt Weiß - und kann diese Weisheit nur an alle jüngeren Ministranten weitergeben.