KronachDie Friseurgeschäfte der Friseur- Innung Kronach stöhnen unter den Belastungen und Auflagen durch die Corona-Krise. Vor allem die langen Schließungszeiten werden zum finanziellen Problem für viele selbstständige Friseursalons und deren Inhaber. "Es beklagen sich zwar auch unsere Kunden über die Salonschließungen, bringen aber meist noch Verständnis auf. Und wir hoffen sehr auf weitere Treue", beteuern in einem Gespräch, die Friseur- Innungs-Obermeisterin, Petra Fischer, und Anja Meier, Leiterin der Geschäftsstelle der Kreishandwerkerschaft (KHS) Kronach.

Dabei sind doch die Friseurbesuche sicher. Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) hat einen Branchenstandard für Unternehmen der Haar- und Bartpflege (kurz Friseursalons) entwickelt, der auch nachweislich funktioniert und in den Salons der Friseur-Innung Kronach vorbildlich umgesetzt wird", betont die Innungs-Obermeisterin. Dabei erwähnt sie, dass der Innung 43 Innungsbetriebe angehören, darüber hinaus sind aber weitere 60 Friseurgeschäfte, von insgesamt 103 Friseurhandwerksbetrieben, nicht der Innung im Landkreis Kronach angeschlossen.

"Die Friseurbranche ist das einzige Vollhandwerk, das in dieser erneut ausgerufenen Lockdown-Phase nicht arbeiten darf. Dabei sind unsere Betriebsinhaber aufgrund des Meistervorbehalts hoch qualifiziert", so Petra Fischer weiter. Durch das Unternehmermodell/alternative Betreuung seien sie außerdem besonders befähigt, sich um den Arbeitsschutz zu kümmern. Die Umsetzung der Arbeitsschutz- und Hygienestandards bedeuteten schon im Frühjahr vergangenen Jahres zum ersten Lockdown hohen organisatorischen und finanziellen Aufwand, daher verstehe die Friseur- Innung nicht, warum ihre Betriebe wieder von Betriebsschließungen betroffen sein muss.

Die Salons hatten im Geschäftsjahr 2020 einen Umsatzrückgang von circa 15 bis 20 Prozent im Durchschnitt zu verzeichnen. Viele Betriebe seien nun durch diesen zweiten Lockdown in ihrer Existenz ernsthaft bedroht, so Petra Fischer. Die Rücklagen seien aufgebraucht. Die Förderinstrumente (Soforthilfen, Überbrückungshilfe III) griffen nicht beziehungsweise kämen nicht zeitnah zur Auszahlung. Die Förderbedingungen gingen an der Situation im Friseurhandwerk vorbei, außerdem sind die Anträge kompliziert.

Bei der überwiegenden Anzahl der Friseurbetriebe handelt es sich um Einzelfirmen. Die Förderprogramme aber sehen keine Entschädigung für den entgangenen Unternehmerlohn vor. Mitarbeiter erhalten zwar Kurzarbeitergeld, was ein deutlich reduziertes Einkommen bedeutet, wobei auch der Verlust des "Trinkgeldes" nicht unterschätzt werden darf. Petra Fischer sieht die Gefahr, dass Fachkräfte in andere Branchen abwandern.

Ein weiteres und noch größeres Problem und Belastung für die ehrlichen Friseurbetriebe und deren Inhaber liegt in der Schwarzarbeit. Einen Anstieg der Schwarzarbeit registriert die Innung auch im Landkreis Kronach. Dabei ist Schwarzarbeit alles andere als ein Kavaliersdelikt, auch nicht in Zeiten der Corona-Zwangsschließung der Geschäfte. Schwarzarbeit bedeute gleich mehrere Rechts- und Gesetzesverstöße - gegen Steuerrecht, gegen Sozialversicherungsrecht, unter Umgehung von Mitteilungspflichten gegenüber den Behörden und Sozialträgern oder ohne Gewerbeanmeldung beziehungsweise Eintragung in die Handwerksrolle, obwohl ein Gewerbe oder Handwerk ausgeübt wird. Schwarzarbeit ist Teil der illegalen Schattenwirtschaft. Ein weiterer Gesetzesverstoß ist Schwarzarbeit gegen das Hygieneschutzgesetz. Wenn jemand glaubt, Friseure bei der Schwarzarbeit entdeckt zu haben, kann dies der Kreishandwerkerschaft gemeldet werden und wird dann von der Friseur- Innung zur Anzeige gebracht.

Keine Ausweichmöglichkeit

Eine wirksame Kontrolle sei eine Illusion, auch wenn eine Strafe von durchschnittlich 5000 Euro bei einem Verstoß gegen das Hygieneschutzgesetz im Raum steht - auch dem Kunden drohen saftige Geldbußen, betont Anja Meier. Das Friseurhandwerk habe außerdem keine Ausweich-Kompensationsmöglichkeiten wie etwa der Handel mit Click & Collect oder Online oder wie To-go-Angebote in der Gastronomie. Petra Fischer: "Wir haben große Sorge, ob die Akzeptanz für die Corona-Verordnungen bei einem längeren Lockdown erhalten bleibt. Für viele Kunden bedeutet der Friseurbesuch mehr als nur Schönheit im Aussehen, sondern stärkt vor allem auch Selbstbewusstsein und Wohlbefinden, welches durch längeres Fernbleiben vom gewohnten Friseurbesuch auch verloren geht und für Missstimmung bei Kunden sorgt."

Daher rufen Petra Fischer und Anja Meier zur Treue und Loyalität der Kunden zu ihrem Friseursalon auf und bitten um Unterstützung in Form von Geduld bis zur Wiedereröffnung und dem Erwerb von Gutscheinen.