Eine Millioneninvestition für ein Seniorenhaus bereitet große Freude, dagegen sorgt ein Baum bei einem anderen Projekt, der wegen einer Bebauung weichen soll, im Bau-, Stadtentwicklungs- und Wirtschaftsausschuss der Stadt Kronach für Ärgernis. Doch der Reihe nach.
Ein Antrag auf Vorbescheid für die Errichtung eines Seniorenwohnhauses mit 123 Plätzen am Flügelbahnhof in Kronach wurde grundsätzlich von allen Seiten begrüßt. Trotzdem führte die Dimension der Gebäudemasse und der Höhenentwicklung, die nach Aussage von Daniel Gerber sich kaum in das bauliche Umfeld einfügten, zu einer regen Diskussion.
Karin Pfadenhauer (Geschäftsführender Vorstand) vom Diakonischen Werk, Kronach-Ludwigsstadt-Michelau und Architekt Joachim C. Schlund vom Architekturbüro Schlund, Bad Staffelstein, erörterten den Ausschussmitgliedern, warum man so groß bauen müsse. Es handele sich um einen Ersatzbau für das bestehende Alten-Pflege- und Seniorenheim Lucas- Cranach-Haus, in dem heute 165 Betten sind. Also reduziere man die Bettenzahl bereits erheblich. Die gesetzlichen Auflagen, die für Menschen mit Behinderung mehr Platz vorschreiben, als wenn man Wohnungen für Menschen ohne gesundheitliche Einschränkungen plane, erforderten mehr Raum als üblich. Im Haus habe man über 25 Prozent Rollstuhlfahrer, für deren Unterbringung gesetzliche Auflagen gelten. Die Wirtschaftlichkeit erfordere andererseits eine Mindestzahl an Plätzen so dass die vorgesehenen 123 Plätze zur Realisierung zwingend notwendig seien und die Baugröße für eine gute Lebensqualität unabdingbar.


"Standort geradezu prädestiniert"

Die Räte aller Fraktionen und Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein (FW) begrüßten die Planung und fanden den Standort geradezu prädestiniert für ein Seniorenwohnhaus in unmittelbarer Nähe des Landesgartenschauparks. In der Diskussion wurde angeregt, die Baumasse (72 Meter lang, 32 Meter breit, Höhe Hauptfirst 14 Meter ein Teilbereich 15,50 Meter hoch und die Gesamtgrundstücksfläche beläuft sich auf 5090 Quadratmeter) sowie eine standortgemäße Freiflächenplanung zu prüfen. Beiergrößlein nahm ferner die Anregungen zur Verkehrserschließung auf und meinte, die Stadt werde hier aufgrund des zu erwartenden höheren Verkehrsaufkommens verkehrsregelnde Maßnahmen einleiten müssen. Auf jeden Fall werde man alles tun, um den Ruf einer Kinder-, Familien- und Seniorenfreundlichen Stadt gerecht zu werden. Dem Antrag auf Vorbescheid wurde unter Anregungen einstimmig das gemeindliche Einvernehmen erteilt.


Baum, Bauantrag und Emotionen

"Mein Freund der Baum ist tot, er fiel im frühen Morgenrot" so heißt es in einem Songtext einer deutschen Schlagersängerin aus dem Jahr 1968. Die Mitglieder im Bau-, Stadtentwicklungs- und Wirtschaftsausschuss haben es fast regelmäßig bei Bauanträgen auch mit dem Baum zu tun. Oft stehen bei Baumaßnahmen eben Bäume im Wege.
Dabei spielt nicht Nostalgie oder Melancholie eine Rolle aber die Sorge um die Natur lässt Emotionen hochkommen. So auch wieder in der jüngsten Sitzung am Donnerstag im Rathaus. Bernd Liebhardt (CSU) erinnerte nach langer Diskussion um einen Baum in Höfles daran, dass es eigentlich über einen Bauantrag zu entscheiden gilt und nicht um Baumfällung ja oder nein. Ein Anwohner in Höfles hatte eine Nutzungsänderung und Ausbau eines Dachgeschosses eines bestehenden Gebäudes beantragt. Stadtplaner Daniel Gerber sah von der Baumaßnahme einen ortsbildprägenden Laubbaum (Linde) betroffen, der unter die Baumschutzverordnung der Stadt Kronach fällt. Er präge den wesentlichen Abschluss des Altdorfweges und bilde so den Rand der Dorfbebauung. Die Fällung dieses Baumes bedeute einen gravierenden Verlust für das Ortsbild von Höfles. Sollte die Fällung unumgänglich sein, ist mit der Stadtverwaltung eine ausreichend dimensionierte Ersatzpflanzung an angemessenem Standort abzustimmen, so weit die Einwände von Stadtplaner Daniel Gerber.


"Ein Jammer"

Die Räte waren in dieser Ansicht gespalten. Bernd Liebhardt meinte, wenn man das Bauvorhaben genehmigen will, sei wohl eine Baumfällung nicht vermeidbar. Aber mit Ersatzpflanzungen habe man im Gremium schon viele schlechte Erfahrungen gemacht, gerade auch aus Höfles konnte er aktuell ein Beispiel bringen, daher habe er bei einer Zusage des Bauherrn zu einer Ersatzpflanzung kein gutes Gefühl. Das müsse man dann schon verbindlich zugesichert bekommen.
Angela Degen-Madaus (FL) nannte es einen Jammer, wenn wieder ein alter ortsbildprägender Baum einer Baumaßnahme geopfert werde, man solle alles versuchen, den Baum zu erhalten.
Auch Karl H. Fick (SPD) wollte eine Lösung, um den Baum zu erhalten.
Winfried Lebok (CSU) meinte, wenn der Baum so wichtig sei, dann ist der Bau eben nicht genehmigungsfähig, es sei genügend Platz auf dem Grundstück, um einen Neubau an anderer Stelle zu realisieren und den Baum zu erhalten.
Dagegen verwahrte sich Hans Georg Simon. Wegen eines Baums könne man doch die Baumaßnahme nicht ablehnen.
Dem schoss sich auch Hans Simon (SPD) an, der Baum müsse weg, dafür sei eine Ersatzpflanzung einzufordern.
Wolfgang Hümmer (CSU) sah ohnehin die Durchfahrt zu einem Radweg nach Ruppen zu eng, Rettungsfahrzeuge könnten da kaum durchkommen, es sei ein unzumutbarer Zustand. Es sollte zur Auflage gemacht werden, zwei bis drei Ersatzbäume am Radweg nach Ruppen zu pflanzen, meinte Hümmer. Schließlich wurde dem Bauantrag mit 4:5 Stimmen das gemeindliche Einvernehmen nicht erteilt. Zur Realisierung der Wohnung solle eine andere Lösung auf dem Grundstück gefunden werden, hieß es.


Zustimmung


- Neubau eines Wohnhauses, Andreas-Limmer-Straße.
- Errichtung eines Einfamilienwohnhauses mit Doppelgarage in Neuses und Anträge auf Vorbescheid,
- Neubau eines Einfamilienwohnhauses mit Pkw-Doppelgarage in Vogtendorf und
- Neubau eines Einfamilienhauses mit Doppelgarage in Dobersgrund.
Beiden Vorbescheiden versagte Winfried Lebok die Zustimmung, da sich beide Vorhaben im Außenbereich befänden und hierfür eigentlich Klarheit herrschte, dass keine Sondergenehmigungen erteilt werden sollten.