"Ich habe keine Ahnung, warum ich ihn geschlagen habe. Ich kenne ihn ja noch nicht einmal", sagte der Angeklagte. Auch wenn sich der junge Mann aus dem südlichen Landkreis an seine "Motivation" nicht mehr erinnern konnte, es steht fest, dass er dem "Unbekannten" im September 2012 in einer Diskothek einen Faustschlag gegen die linke Gesichtshälfte verpasst hatte - und das offenbar aus unersichtlichem Grund.

Sein Kontrahent hatte dadurch eine Prellung im Wangenbereich, Hautabschürfungen im Mundraum sowie Schmerzen erlitten. "Pech" für den Angeklagten, dass es sich dabei ausgerechnet um einen Polizeibeamten gehandelt hatte, der dann Strafantrag gestellte hatte.

Und als wäre der Faustschlag nicht schon genug gewesen: Bei seiner Vernehmung durch die Polizei hatte der Angeklagte auch noch behauptet, dass sein Kontrahent ihn zuerst mit der Faust auf die Nase geschlagen und er lediglich zurückgeschlagen habe - was jedoch nicht stimmt.
Zu der Einleitung eines Ermittlungsverfahrens kam es aber nicht, weil er diese Aussage später berichtigte. "Die Gehirnerschütterung, die ich in dieser Nacht davongetragen habe, haben mir die Security-Mitarbeiter verpasst. Sie haben meinen Kopf mehrmals gegen eine Hauswand gestoßen. Ich hatte halt ziemlich viel Alkohol intus. Da habe ich das verwechselt", sagte der 18-Jährige.


An der Bar hat es gekracht

Ziemlich viel Alkohol bedeutete in diesem Fall 2,4 Promille, die beim Angeklagten in der Tatnacht - der Vorfall ereignete sich circa um 1 Uhr - festgestellt worden waren. "Um mit 2,4 Promille noch stehen zu können, muss man schon ,geübt‘ im Trinken sein. Trinken Sie häufig so viel?", wollte Jugendrichter Jürgen Fehn wissen. "Ich vertrage schon einiges", antwortete der Angeklagte und beteuerte, seit dieser Nacht kaum noch Alkohol getrunken zu haben. "Ich bin ja zufrieden, dass nicht mehr passiert ist. Außerdem will ich meine Arbeit behalten", versicherte der 18-Jährige.

Seinem Gedächtnis ein Stück weit auf die Sprünge half das Opfer, das als Zeuge geladen war. "Ich war an der Bar und habe ein Getränk bestellt, als der Angeklagte auf mich zukam. Ich fragte, was er von mir will. Kurze Zeit später schlug er mir ohne Grund ins Gesicht", erinnerte sich der Mann. Dann sei die Security gekommen und habe den Angeklagten nach draußen geführt. Dieser habe wegrennen wollen, die Security habe ihn aber auf einem Feld eingefangen und ihm Handschellen angelegt. "Ein anderer Mann meinte zu mir, dass ihm der Angeklagte auch mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen habe", so das Opfer, das in der besagten Nacht selbst alkoholisiert war und mittlerweile seinen Strafantrag zurückgezogen hat. "Meine Verletzungen waren ja nicht so schlimm, nichts Gravierendes", meinte der Polizist.

Die Jugendgerichtshilfe empfahl das Anwenden von Erwachsenenstrafrecht, was bei Personen in diesem Alter eher die Ausnahme ist. Christina Fuchs als Vertreterin der Staatsanwaltschaft und Jugendrichter Jürgen Fehn schlossen sich dieser Meinung an, da der Angeklagte ein eigenständiges Leben führe. Fuchs forderte eine Geldstrafe von 1800 Euro. Erschwerend sei die eine - jedoch nicht einschlägige - Vorstrafe des Angeklagten. Der Vorsitzende beließ es bei einer 1400-Euro-Strafe, die der reumütige Angeklagte akzeptierte.