Die Grundschule Kronachtal soll ab dem kommenden Schuljahr eine Offene Ganztagsschule erhalten. Das darf laut Plan für die Gemeinde keine Mehrkosten verursachen. Einziger Haken dabei: Die Eltern sollen auf ihren Rechtsanspruch der Beförderung verzichten, was bedeutet: Nicht der Schulbus bringt die Kinder nach Hause, sondern die Eltern müssen die Grundschüler an der Schule abholen, notfalls in Fahrgemeinschaften.

Am Freitagabend berät der Gemeinderat in einer Sondersitzung darüber, ob in dieser Marschrichtung vorgegangen werden kann. Der Elternbeirat hat die Familien der Kinder in einem Brief zur Teilnahme an der Sitzung aufgefordert, sodass man wieder mit einem "vollen Haus" im Sitzungssaal des Rathauses in Steinberg rechnen kann.


Bei den Eltern rumort es

So ganz einverstanden damit, auf ihren Rechtsanspruch zu verzichten, waren anscheinend nicht alle Eltern, obwohl 51 die geforderte Unterschrift leisteten, sich dabei zum Teil unter Druck gesetzt fühlten. Ein Elternteil, das die Unterschrift verweigerte und auf dem Rechtsanspruch der Beförderung beharrte, wurde von Rektor Ulrich Weiß angeschrieben. Für den Fall, dass auch weiterhin kein Verzicht erklärt werde, drohte der Schulleiter damit, den Sohn nicht in die Offene Ganztagsschule aufzunehmen.

Damit rief er den CSU-Kreisvorsitzenden und Landtagsabgeordneten Jürgen Baumgärtner auf den Plan. Bei dem hatte sich rund ein halbes Dutzend Eltern beschwert, dass es den Verzicht auf die Schülerbeförderung nur unter Druck unterschrieben habe. Das gehe gar nicht, empörte sich Baumgärtner, dass man den Eltern ein verbrieftes Recht verwehre: "Das ist in höchstem Maße grenzwertig!" Ein Kind könne man nur aus pädagogischen Gründen ausschließen. In diesem Falle sah er diese nicht gegeben. Auch das ganze Verfahren mit dem Verzicht auf die Schülerbeförderung ist für ihn rechtlich in höchstem Maße fragwürdig. Er verteidigte die Kostenfreiheit des Schulweges und hatte die Gemeindeverwaltung gebeten, die zusätzlichen Kosten für das Heimbringen der Kinder per Bus nachzurechnen. Sie verringerten sich von 84 500 auf 17 500 Euro pro Jahr.


Brief des Elternbeirats

Im Brief des Elternbeirats an die Eltern, in dem diese zur Teilnahme an der heutigen Sitzung aufgefordert wurden, wurde Baumgärtner massiv attackiert. Ihm wurde vorgeworfen, dass er sich in Sachen einmische, die ihn nichts angingen, dass Beziehungen eine Rolle gespielt hätten und er über das Schulamt und die CSU-Fraktion seine Fäden ziehe. Dem widersprach Baumgärtner. Mit der Offenen Ganztagsschule sei Manches nicht optimal gelaufen. Es sei keine gute Vorgehensweise, die Eltern aufzufordern, auf ihren Rechtsanspruch zu verzichten. Die Offene Ganztagsschule habe im Gegensatz zur Mittagsbetreuung schulischen Charakter - "und das ist mit Schülerbeförderung verbunden". Man müsse die Eltern, wenn sie ihre Kinder abholen, auch über versicherungsrechtliche Fragen aufklären. Nicht alle Eltern seien zeitlich und finanziell in der Lage, ihre Kinder abzuholen.

Schulleiter Weiß schätze er als sehr engagierten Pädagogen, den Elternbeirat als engagiertes Gremium. Baumgärtner ging auf ein Telefonat mit dem Rektor ein, das dieser als Drohung verstanden hatte. Weiß habe zu verstehen gegeben, dass er - bei einem positiven Beschluss des Gemeinderats zur Schulwegkostenfreiheit - eventuell die Offene Ganztagsschule nicht umsetzen werde. Daraufhin habe er, Baumgärtner, gesagt, dass es die Offene Ganztagsschule Wilhelmsthal geben werde, ob mit oder ohne diesen Rektor. Ein einzelnen Schulleiter entscheide nicht in alleiniger Herrlichkeit.


Vorgehen ist abgestimmt

Rektor Ulrich Weiß blickte zurück, von Anfang an sei allen Beteiligten bewusst gewesen, dass eine Offene Ganztagsschule nur unter der Voraussetzung der fehlenden Busbeförderung zu machen sei. Das sei auch nur unter dieser Bedingung umsetzbar. Alle beteiligten Personengruppen wie Elternbeirat, Elternschaft Gemeinde und Schule seien von Anfang an informiert gewesen. "So ist es vom ersten Tag an weitergegeben worden." Antragstellerin sei die Gemeinde, die mit der Schule Hand in Hand gehe. Das gesamte Vorgehen sei mit Kultusministerium und Regierung von Oberfranken abgestimmt.

Für die Eltern ergibt sich mit der Offenen Ganztagsschule eigentlich kein Nachteil gegenüber dem jetzigen Status der Mittagsbetreuung durch die Caritas. Für die Mittagsbetreuung müssen sie zahlen, abholen müssen sie ihre Kinder auch. Für die Offene Ganztagsschule müssen sie nichts zahlen.


Keine Stellungnahmen

Weder Elternbeiräte noch Bürgermeisterin Susanne Grebner (SPD) wollten vor der Sondersitzung des Gemeinderats zur Offenen Ganztagsschule Stellung nehmen, Schulamtsdirektor Uwe Dörfer war wegen vieler Termine außer Haus am Mittwoch und Donnerstag nicht zu erreichen.

Im Landkreis Kronach gibt es laut Schulamt zurzeit acht Ganztagsschulen an Grundschulen und vier an Mittelschulen. In drei Orten überschneidet sich das, weil es dort Grund- und Mittelschule mit Ganztagsbetreuung gibt. Die Schulwegkostenfreiheit ist gewährleistet.