Der Elternbeirat der Grundschule Wilhelmsthal hat sich erneut in einem Rundschreiben an die Eltern gewandt und Rektor Ulrich Weiß in Schutz genommen. Hintergrund ist die Diskussion um die Einführung der Offenen Ganztagsschule, nach der der Schulleiter ein bisschen wie der Sündenbock dasteht. Und das soll er nach dem Willen des Elternbeirats natürlich nicht, weil der überaus eifrige und beliebte Schulmann nur das Beste für die Kinder will.

Bisher gibt es eine Mittagsbetreuung für die Grundschüler durch die Caritas. Dafür müssen die Eltern zahlen und ihre Kinder hinterher von der Schule abholen. Rektor Weiß warb nun für die Offene Ganztagsschule, aber nur unter der Prämisse, dass die Eltern ihre Kinder wie bisher am Nachmittag von der Schule abholen. Fast alle stimmten zu, nur eine Mutter wollte den Verzicht auf den Rechtsanspruch der Schülerbeförderung nicht unterzeichnen.
Der Rektor schloss deren Sohn daraufhin von der Offenen Ganztagsschule aus. Das brachte den Stein ins Rollen und rief MdL Jürgen Baumgärtner auf den Plan. Denn weitere Eltern, die unterschrieben hatten, wandten sich an ihn und beteuerten, dass sie sich zur Unterschrift genötigt gesehen hätten.


Beschluss revidiert

Der Gemeinderat Wilhelmsthal hat inzwischen seinen ursprünglichen Beschluss revidiert und die Übernahme der Beförderungskosten für die Offene Ganztagsschule durch die Gemeinde garantiert. Die Kosten waren in der ursprünglichen Berechnung mit 84 000 Euro angegeben worden, sind inzwischen - nach der Berücksichtigung von Zuschüssen - auf 17 400 Euro gesunken. Auch darauf ging der Elternbeirat in seinem neuesten Schreiben ein und hoffte, dass diese Kosten wie berechnet auch tatsächlich so niedrig seien. Und das alles nicht zu Lasten der Kinder und deren Sicherheit gehe, womit sie die Sitzplatzgarantie und die Fahrplangestaltung ansprachen.

Elternbeiratsvorsitzender Christine Hempfling und ihrem Gremium war es ein Anliegen, den Eltern für ihre Präsenz bei der Sitzung des Gemeinderats zu danken. Sie hätte nie erwartet, dass ihr erstes Schreiben einen solchen Wirbel verursachen würde. Sie rekapitulierte, Rektor Weiß habe in allen Informationsgesprächen darauf hingewiesen, dass es zwei Optionen gebe: kostenfreie Offene Ganztagsschule ohne Beförderungsanspruch oder kostenpflichtige Mittagsbetreuung wie bisher und Abholen der Kinder durch die Eltern.


Kein Exempel statuieren

Dem widersprach Schulamtsdirektor Uwe Dörfer vom Staatlichen Schulamt in Kronach. Es sei gesetzlich geregelt, dass die Kostenfreiheit des Schulwegs gewährleistet werden müsse. Der Verzicht auf den Rechtsanspruch der kostenlosen Beförderung der Schüler werde nirgendwo in Bayern praktiziert. "Wilhelmsthal wäre die einzige Schule im Freistaat, wo es so etwas geben würde. Damit würde ein Exempel statuiert." Und da könnten die anderen Kommunen im Kreis Kronach mit Ganztagsschulen wie Küps, Windheim, Pressig, Steinwiesen, Stockheim Teuschnitz und die Montessori-Schule auf Ideen zur Entlastung der Gemeindekasse kommen. Wenn Schule und Kommune eine Offene Ganztagsschule wollten, dann müssten sie einen entsprechenden Antrag stellen. Darin müsse sich die Gemeinde bereit erklären, die Kostenfreiheit des Schulwegs zu gewährleisten. "Wenn eine Kommune das nicht will, dann gibt es keine Offene Ganztagsschule!" Eine Mischform zu begründen, sei nicht zulässig. Die Wilhelmsthaler Eltern hätten mit dem jüngsten Beschluss des Gemeinderats zur Kostenübernahme nicht nur ein halbes Geschenk erhalten, sondern ein ganzes - und dieses Recht stehe ihnen auch zu.


Nachfrage der Regierung

Bürgermeisterin Susanne Grebner erinnerte daran, dass sich Schule und Sachaufwandsträger einig gewesen seien, sich für eine Offene Ganztagsschule zu bewerben. Wegen des Vermerks, dass die Eltern auf die Schülerbeförderung verzichten, habe es eine Nachfrage der Regierung aus Bayreuth gegeben. Dass sich so viele Eltern bereit erklärt hätten, ihre Kinder am Nachmittag abzuholen, mache sie stolz. Denn das zeige, dass sie die Gemeinde unterstützen wollten. Es sei sogar ganz gut, wenn die Eltern ihre Kinder abholten, weil sie dann mit der Lehrerschaft über die Lernfortschritte ihres Kindes reden könnten. Auch Grebner nahm den Schulleiter in Schutz: "Der engagiert sich über alle Maßen!"

MdL Jürgen Baumgärtner meinte, dass der Elternbeirat schon in seinem ersten Rundschreiben das Wesentliche nicht erkannt habe: dass ein Kind ausgegrenzt worden sei. Deshalb sei er eingeschaltet worden. Er freute sich, dass Wilhelmsthal eine Offene Ganztagsschule kriege. Das sei für eine Wohngemeinde wichtig. Er freue sich, dass kein Kind auf der Strecke bleibe, egal aus welcher sozialen Schicht. Zum Schulleiter sei nichts hinzuzufügen, weil dies Regierung, Schulamt und Kultusministerium getan hätten.


Sondermodell entwickelt

Pressesprecher Ludwig Unger vom Kultusministerium stellte klar: "Bei Schulen mit gebundenem oder offenem Ganztagsangebot umfasst die Beförderungspflicht auch das schulische Nachmittagsangebot. Die Beförderung ist durch den Träger des Schulaufwands sicherzustellen. Dies ergibt sich aus der Verordnung über die Schülerbeförderung." Für die Gemeinde bedeute das: Sie müsse für die betroffenen Schüler mit Beförderungsanspruch die Beförderung organisieren/finanzieren und erhalte dafür staatliche Zuschüsse.

Thomas Wich von der Pressestelle der Regierung von Oberfranken bestätigte, dass, um der Gemeinde Kosten zu sparen, ein Sondermodell entwickelt wurde, bei dem die Eltern durch eine Zustimmungserklärung auf die Schülerbeförderungskosten durch die Gemeinde verzichten. Dieses durch den Gemeinderat zunächst beschlossene Sondermodell wäre, wenn alle Eltern zugestimmt hätten, denkbar gewesen. Dieses Sondermodell sei zum ersten Mal vorgeschlagen worden, habe sich aber erübrigt.