Laden...
Weißenbrunn
Abschied

Egon Herrmann hängt die Amtskette in den Schrank

Für Egon Herrmann endet nicht nur eine Ära als Bürgermeister. Er hört auch als Kreis- und Bezirksvorsitzender des Gemeindetags auf.
Artikel drucken Artikel einbetten
Langsam räumt Egon Herrmann sein Büro für seinen Nachfolger. 18 Jahre hatte er den Chefsessel im Rathaus inne. Die Amtskette trug er bei feierlichen Anlässen.  Foto: Veronika Schadeck
Langsam räumt Egon Herrmann sein Büro für seinen Nachfolger. 18 Jahre hatte er den Chefsessel im Rathaus inne. Die Amtskette trug er bei feierlichen Anlässen. Foto: Veronika Schadeck

Wenn er über die vergangenen 18 Jahre spricht, ist zum einen ein bisschen Wehmut seiner Stimme zu entnehmen, aber auch die Einsicht, dass alles einmal ein Ende hat. Der Weißenbrunner Bürgermeister Egon Herrmann (SPD), der bis zu den Wahlen auch den Kreis- und Bezirksvorsitz des Bayerischen Gemeindetag inne hat, blickt auf eine Zeit zurück, die er nicht missen möchte.

"Es waren 18 Jahre, die sehr viele schöne Erinnerungen mit sich bringen, aber auch einige unschöne Erscheinungen mit sich ziehen", fasst der 64-Jährige zusammen. Egon Herrmann weiß vieles aus seiner politischen Arbeit zu berichten. Unter anderem erwähnt er den Abbruch der einstigen Traditionsbrauerei Schultheiß. Weiterhin spricht er die Weiterentwicklung der Grundschule Weißenbrunn an, die im Jahr 2015 als erste Schule im Landkreis am Pilotprojekt "Offene Ganztagsschulen in der Grundschule" teilnahm. Mittlerweile, so erklärt er, nehmen 90 Prozent der Grundschüler die Mittagsbetreuung in Anspruch. Investiert wurde auch, in Zusammenarbeit und Absprache mit den Kirchen, in Kindergärten und -krippen. Hervorzuheben ist weiter das Gemeindeentwicklungskonzept für die Gemeinde Weißenbrunn, das erste dieser Art im Landkreis Kronach.

Egon Herrmann wurde im Jahre 2011 zum Vorsitzenden des Kreisverbands Kronach und drei Jahre später an die Spitze des Bezirksverbands Oberfranken des Bayerischen Gemeindetags gewählt. In dieser Funktion, so erklärt er, sei er auch Mitglied im Landesausschuss des Bayerischen Gemeindetags gewesen. Er erinnert an Zusammenkünfte mit seinen Landkreisbürgermeistern, an die Teilnahme von Präsidiumssitzungen in München und von Landesversammlungen. Es ging ihm dabei immer um das Beste für die Gemeinde und darum, dass Bürgermeister auch über den Tellerrand hinaus blicken müssen. Das sei oftmals nicht einfach gewesen, erklärt Herrmann, denn die südbayerischen Kommunen seien anders aufgestellt als die fränkischen. Dort gebe es kaum Gemeinden, die Probleme haben, einen eigenen Haushalt auf den Weg zu bringen. In den vergangenen Jahren sei es allerdings gelungen, einen gewissen Ausgleich zu schaffen. Die Förderoffensive Nordostbayern mit der Möglichkeit, bei Maßnahmen eine 90-prozentige Förderung zu erhalten, bezeichnet Herrmann als einen Segen. Allerdings gebe es hier einen Haken, denn - und dazu zähle auch Weißenbrunn - viele Gemeinden hätten Schwierigkeiten mit der Finanzierung des zehnprozentigen Anteils.

Sanierungen verschoben

Als eine gute Sache bezeichnet Herrmann weiterhin die Stabilisierungshilfen, die die Gemeinden mittlerweile nicht nur für die Schuldentilgungen, sondern auch für Investitionen verwenden dürfen. Allerdings: Die Kommunen müssen ihre Verschuldungen im Auge behalten, um diese Unterstützungen zu bekommen. Das bedeute, dass notwendige Baumaßnahmen, beispielsweise die Sanierung von Kanälen und Gemeindestraßen immer wieder verschoben werden. Mittlerweile befürchte er auch, dass diese Förderungen für finanzschwache Kommunen wegen Corona und den damit verbundenen Steuereinbrüchen nicht mehr lange gewährt werden.

Egon Herrmann wird nun in den nächsten Tagen seinen Chefsessel im Rathaus für seinen Nachfolger Jörg Neubauer räumen. Seine Funktionen habe er gerne ausgeübt, sagt er. Als Kommunalpolitiker könne man schon einiges bewegen, aber nicht alles. Er habe trotz der Ämter immer versucht, der gleiche Mensch wie vor seiner Bürgermeisterwahl zu bleiben. Er wisse aber auch, dass man es in so einer Funktion nicht allen recht machen könne und manchmal auch Entscheidungen getroffen werden müssten, die nicht für jeden konform sind.

Aber auch als Bürgermeister sei man nicht immer mit politischen Entscheidungen einverstanden. In diesem Zusammenhang spricht er die beabsichtigte Gründung eines Zweckverbandes für Schwimmbäder im Landkreis durch den CSU-Landtagsabgeordneten Jürgen Baumgärtner an. Dabei verweist er auf die Situation in Weißenbrunn. Die Kommune habe die Defizite und notwendige Investitionen für ihr Schwimmbad, das in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts gebaut wurde, nicht mehr schultern können. Deshalb sei im Jahre 2012 der Schwimmbadverein neu aufgestellt worden, der bald darauf die Freizeiteinrichtung für einen Euro erwarb. Mittlerweile zähle der Verein 850 Mitglieder. Es wurden Reparaturen durchgeführt, vor zwei Jahren wurde das Betriebsgebäude für 140 000 Euro erneuert. Davon konnten Fördermittel in Höhe von 80 000 Euro vom Programm "Land(Auf)Schwung" generiert werden. "Das Schwimmbad ist auf guten Weg, warum sollte nun Weißenbrunn im Rahmen eines Zweckverbandes und auch über die Kreisumlage die Schwimmbäder anderer Gemeinden mit finanzieren", fragt er. Die Bürger würden das nicht nachvollziehen können.

Mit dieser Frage und weiteren Aufgaben wie Infrastrukturen, Abwasser wird sich nun der neue Bürgermeister und das neue Gremium befassen müssen. Die Interessen der Landkreisgemeinden wird nun ebenfalls sein Nachfolger vertreten müssen.

Hermann will hiermit auch die Gelegenheit nutzen, sich bei allen Weggefährten zu bedanken. Dazu zählen die Landkreisbürgermeister, die Landräte Oswald Marr und Klaus Löffler sowie die Regierungspräsidenten Wilhelm Wenning, Hans Angerer und Heidrun Piwernetz sowie der Vizepräsident Thomas Engel. Für ihn galt immer der Grundsatz: "Mein Handeln ist immer zum Wohle der Bürger ausgerichtet!"