Früher hatten Jungs zwei Traumberufe: Feuerwehrmann und Lokführer. Da kommt man dauernd mit Technik in Berührung. Der 57-jährige Andreas Leute aus Berlin hat einen modernen Traumjob: Er sitzt am Steuerknüppel des leistungsstärksten Teleskop-Autokrans der Welt und kann bis zu 1200 Tonnen heben. Zurzeit steht Leute mit seinem Gefährt auf dem Rainberg bei Küps und hebt bis zu 62 Tonnen schwere Betonringe in luftige Höhen. Für seinen Liebherr sind das Spielzeuge.

Alles ist gigantisch an diesem 1200-Tonnen-Autokran: Der ist so groß und schwer, dass er nur in Teilen auf der Straße transportiert werden kann. Der Konvoi besteht aus sechs bis acht schweren Fahrzeugen. Und immer ist die Polizei Leutes Begleiter, denn der Neunachser des Grundgeräts ist drei Meter breit, 19,95 Meter lang und wiegt 108 Tonnen. Da ist der wuchtige Kranausleger aber noch nicht mitgerechnet.
Der wird auf einem Spezialtransporter mitgebracht. Dieses Gespann ist 26 Meter lang und wiegt 128 Tonnen. An der Baustelle bockt sich der Kranausleger auf, der Tieflader fährt weg, das Grundgerät des Krans drunter und dann kann die eintägige Montage beginnen. Denn auch die Y-Abspannung und die Ballastgewichte müssen dran, das Seil aufgezogen werden. Auf dem Rainberg wurden "nur" 120 Tonnen Ballast montiert, mehr ist nicht nötig. Insgesamt können auf dem Teleskop-Autokran bis zu 202 Tonnen Ballast aufgelegt werden.

Andreas Leute fährt mit Kranausleger, aber ohne Ballast, von Windrad zu Windrad auf dem Rainberg. Da wiegt sein Gefährt stolze 220 Tonnen. Damit dürfte er auf keiner Straße fahren, denn die zulässige Achslast wäre zu hoch.

Die Anfahrt zum Rainberg war kurz. Von Litzendorf aus. Davor war der Kran im Raum Koblenz im Einsatz. Wegen der Tragfähigkeit von Brücken mussten Leute und seine Kollegen mit dem Konvoi einen Umweg von 180 Kilometern in Kauf nehmen. Auch zum nächsten Einsatzort, den zu errichtenden Windrädern bei Schimmendorf, ist es nicht weit.


Starke Motoren

Andreas Leute ist seit zehn Jahren Kranführer. Bevor er vor drei Jahren zur Firma Max Bögl und zum leistungsstärksten Teleskop-Autokran der Welt kam, fuhr er Kräne bis zu 220 Tonnen Hubkraft. Damit sein 1200-Tonnen-Kran bewegt werden und Teile bewegen kann, braucht es bärenstarke Motoren. Im Unterwagen arbeitet ein von Liebherr entwickelter und gebauter Achtzylinder-Dieselmotor mit 680 PS und einem Drehmoment von maximal 3000 Newtonmetern.

Im Oberwagen, dem Kranaufbau, kommt ein Sechszylinder von Liebherr mit 367 PS und einem maximalen Drehmoment von 1720 Newtonmetern zum Einsatz. Der achtteilige Teleskopausleger lässt sich so weit ausfahren, dass eine Hakenhöhe von 100 Metern erreicht wird. Laut Angaben des Herstellers kann der Kran 106 Tonnen Last auf 80 Meter Höhe bei einer Ausladung von zwölf Metern heben.