Fronleichnam in Wallenfels ist eine Reise in die Vergangenheit. Um kurz nach 5 Uhr ertönen Böllerschüsse vom Leutenberg. Dann werden die Honoratioren abgeholt. Bürgermeister Peter Hänel (FW) hat seine Amtskette umgelegt.

Schon morgens um acht Uhr tummelten sich auf dem Platz vor dem Rathaus mehr als 100 Uniformträger: Marinesoldaten in edlen weiß-blauen Uniformen, stolze Tambourjungs mit weiß-blauen Trommeln. Aber auch die Uniformen der Infanteristen und die Uniformen der Pioniere können sich sehen lassen mit ihren weißen, schnittigen Hosen und den attraktiven blauen oder schwarzen Jacken. Dazu kommen noch drei Ulane, die grüne Uniformjacken anhaben und gleich hinter den Anführern der Truppen - den stolzen Husaren - hermarschieren. "Ich bin schon seit vielen Jahrzehnten der Husar", sagt Hans Köstner lachend und freut sich schon auf das Spektakel. Und jedes Mal, wenn er seine Uniform überzieht, ist es ein "erhebendes Gefühl" für ihn. "Das ist eine Ehre. Ich bin gefragt worden, und seitdem mache ich es", erzählt der Husar und setzt ein ernstes Gesicht auf. Wie alle anderen auch.

Erhebende Zeremonie

Denn Christopher Zeuß, der Chef aller Truppen, lässt bereits sein Kommando erschallen: "Präsentiert die Gewehre!" Schon das nächste Kommando: "Augen nach links!", niemand wagt es, nicht zu gehorchen. Denn schließlich beginnt Fronleichnam mit einer erhebenden Zeremonie. Fähnrich Andreas Buckreus holt die Schwedenfahne aus dem Rathaus und begrüßt nach jahrhundertealtem Brauch alle anderen Fahnenträger. Die Fahnen berühren sich. Das Zeremoniell geht auf eine jahrhundertealte Legende zurück. So soll ein Fahnenträger aus Wallenfels während des Dreißigjährigen Kriegs die Schwedenfahne versteckt haben. Der Mann fiel im Krieg, doch seine Frau hatte die Fahne vorsorglich versteckt - der Legende nach unter der Schwedenbrücke. Und in Erinnerung an den tapferen Soldaten, der sein Leben ließ und an die unerschrockene Gattin, wird alljährlich zu Fronleichnam die Prozession mit der Schwedenfahne gestaltet. "Die Uniformen sind natürlich nicht original. Die sind nachgeschneidert. Denn früher waren die Leute ja kleiner und dünner", erklärt Hans Köstner.

Schon setzt sich der Zug Richtung Kirche in Bewegung. Vor dem Gotteshaus wartet Pater Jan Poja. "Das ist auch für mich eine neue Erfahrung, aber es ist für mich die höchste Ehre, Jesus Christus in der Gestalt des Brotes bei der Prozession durch die Straßen zu tragen", zollte der neue Wallenfelser Pfarrer der alten Tradition Respekt und wunderte sich auch nicht, dass er von so vielen Uniformierten begrüßt und zur Prozession abgeholt wurde.
Sechs junge Mädchen aus Wallenfels hatten sich strahlend weiße Kleider angezogen und trugen die Marienstatue durch die Straßen. Die Kommunionkinder zeigten Flagge und waren natürlich auch mit von der Partie.

Gestaltung der Altäre

Viel Mühe haben sich die Wallenfelser bei der Gestaltung der Altäre gegeben. Denn überall im Ort waren Altäre aufgebaut und liebevoll mit Blumenteppichen geschmückt worden. An den Altären gaben der Kirchenchor und die Kindergartenkinder Lieder zum Besten.

Der Höhepunkt der Prozession fand natürlich - wie in jedem Jahr- wieder auf der so genannten Schwedenbrücke statt. Denn dort sollte das jüngste Mitglied im Stadtrat - also Andreas Buckreus - die Schwedenfahne so schwingen, dass sie sich nicht verheddert. Denn das würde eine Gefahr für den Frieden bedeuten, besagt die Legende. Angeblich hat sich die Fahne bereits in den Jahren 1914 und 1939 verheddert.

Andreas Buckreus waltete seines Amtes und ließ sich von Hunderten Schaulustigen, die dem Zeremoniell beiwohnen wollten, nicht aus der Ruhe bringen. Er schwenkte die Fahne. Und alles ging glatt. So wurde das Vermächtnis auch in diesem Jahr wieder erfüllt: Keine Gefahr für den Frieden. Pater Jan Poja wurde dann von Christopher -Zeuß mit der Monstranz auf die Schwedenbrücke geleitet und präsentierte den Leib Christi - in alle vier Himmelsrichtungen. Die Wallenfelser krönten das Zeremoniell mit dem Wallenfelser Heimatlied, das 1949 von Johannes Baptist Eichhorn verfasst worden ist.

Nachwuchs-Soldaten

Die Straßen in Wallenfels waren von Gläubigen und Schaulustigen gesäumt - und so mancher Nachwuchs-Soldat hatte schon Gewehre dabei oder hatte sich eine Nachwuchs-Matrosenmütze aufgesetzt, um auch stilecht zu wirken.

Vor der Zeremonie zeichnete Christopher Zeuß langjährige Aktive aus: Günther Müller ist seit 50 Jahren mit von der Partie, Werner Beetz seit 40 Jahren, Martin Stumpf seit 30 Jahren, Markus Weiß und Mario Buckreus seit 25 Jahren und Ralf Stöcker schon seit 20 Jahren, freute sich Zeuß über die Traditionsverbundenheit, die die Wallenfelser beweisen.

Nicht nur die Fronleichnamsprozession ist in Wallenfels sehr lebendig, am Sonntag gibt es in Wallenfels auch noch den traditionellen Flurumgang, wo die Monstranz durch die Flure getragen wird.