Rund 23 000 Euro bleibt eine Brauerei der Schützengesellschaft Kronach für das Kronacher Freischießen 2019 schuldig. Trotz eines Gerichtsurteils zahlt das Unternehmen nicht. Immerhin konnten durch einen Gerichtsvollzieher bis zur Jahresversammlung am vergangenen Donnerstag 65 Euro eingezogen werden. Schon zu Beginn des Freischießens 2019 waren Gerüchte hinsichtlich der Zahlungsfähigkeit der Brauerei zu hören, hieß es im Bericht von Schützenmeister Jörg Schnitzler, der aufgrund eines Todesfalls im engsten Familienkreis nicht kommen konnte. Zweiter Schützenmeister Matthias Kümmet verlas den Bericht.

Demnach fanden Gespräche mit dem Geschäftsinhaber statt mit der Folge, dass die Schützengesellschaft noch während des Festes Teilabschlagszahlungen einforderte. Diese Zahlungen wurden erbracht. Die Abrechnung des Freischießens wurde trotz mehrmaliger Aufforderungen und vertraglich vereinbarter Fristen nicht vollzogen.

Mahnungen ohne Erfolg

Der Vorstand entschied sich dazu, die Kanzlei Guggemos mit der Vertretung der Interessen zu beauftragen. In den Räumen der Kanzlei wurde laut Bericht einvernehmlich vereinbart, den ausstehenden Betrag von rund 20 000 Euro in vier Teilzahlungen zu leisten. Trotz mehrfacher Mahnungen ging kein Geld ein. Weitere vertragliche Probleme kamen hinzu. Der Pacht- und Getränkelieferungsvertrag mit zwei Brauereien wurde in diesem Zuge gekündigt.

Vor Gericht obsiegten die Schützen. Es folgte ein Säumnisurteil über 20 800 Euro sowie Kosten von 2400 Euro. Diese Beträge wurden nicht erbracht. So wird versucht, aus Getränkelieferungen zu pfänden. Eine Bank hat dem widersprochen. Ein weiteres Problem ist, dass sich die Grundstücke nicht im Eigentum des Schuldners befinden. "Es besteht aus meiner Sicht nur eine geringe Chance, die ausstehenden Beträge noch zu erlangen", erklärte Jörg Schnitzler. "Als wir nach dem Freischießen auf die Brauerei zugingen, sind wir gegen die Wand gelaufen", erklärte Schatzmeister Matthias Steller. "Es hat sich nichts getan."

Trotz allem erfolgreich

Diese 23 000 Euro fehlen nun im Ergebnis des Freischießens. Um genau diesen Betrag liegt das Ergebnis niedriger als 2018. Vom Gesamtergebnis her dürfe nicht gejammert werden. "Wir hatten 2019 wieder ein wunderbares, wirtschaftlich erfolgreiches Jahr", betonte Steller.

Das Freischießen 2019 erbrachte Einnahmen von insgesamt 467 104 Euro bei Ausgaben von 393 587 Euro. Mit 73 516 Euro bleibt ein schöner Gewinn, wenige Jahre vorher war er deutlich geringer.

Das Jahr 2020 ist bereits jetzt gelaufen - ohne Freischießen -, zeigte der Schatzmeister auf. Pachtverluste gab es wegen der zeitweisen Schließung. Für heuer erwartet er ein kleines Minus, was aber nicht weh tun wird. Entscheidend wird das kommende Jahr, das schwer vorherzusagen ist.

"Unser Verein steht und fällt wirtschaftlich mit dem Freischießen", machte Steller deutlich. Die Bewerbungen der Schausteller für kommendes Jahr sind zurückgegangen. Es haben Schausteller aufgeben. Stammbeschicker haben sich von Geschäft getrennt. So schreibt Matthias Steller ein dickes Fragezeichen dahinter, wie es 2021 wirtschaftlich weitergeht. "Wer hätte je geglaubt dass ein Virus unser Freischießen außer Kraft setzen wird", hatte Schützenmeister Jörg Schnitzler mitgeteilt. Leider sei es so gekommen. Es sei nicht nur eine finanzielle Belastung für die Kronacher Schützen, sondern für die ganze Gesellschaft in der Region. "Hoffen und kämpfen wir alle gemeinsam, dass unser geliebtes Freischießen im Jahr 2021 in gewohntem Umfang ohne restriktive Auflagen stattfinden kann."

Ein harmonisches Fest

Das Freischießen 2019 war ein ruhiges und harmonisches Fest, dass auch alle Beteiligten wirtschaftlich zufrieden stellte. Getrübt wurde es durch eine Einbruchserie von zwei Jugendlichen gleich zu Beginn des Festes. Einer der beiden war über 14 Jahre alt, der andere jünger. Beide Täter wurden gefasst, und es wurden dauerhafte Platzverbote erteilt.

Leider kam es noch schlimmer durch einen tragischen, tödlichen Unfall auf den Bahngleisen. "Unser Mitgefühl gilt der Familie und den Freunden des Opfers", schrieb Schnitzler. In der Folge wurden Maßnahmen diskutiert, die eine Wiederholung dieser Tragödie vermeiden sollen.

Die Behindertenparkplätze am Nordeingang wurden gut genutzt, es gab keine Beschwerden mehr. Ausdrücklich dankte der Erste Schützenmeister dem Platzmeister Charly Wittig, ohne dessen Professionalität dieses Fest nicht durchführbar wäre.

Schützengesellschaft Kronach in Kürze

Vertrag Mit der Gampert-Bräu wurde ein Vertrag über die Übernahme von Schützenhaus und Schützenstadl abgeschlossen.

Erfolg Das Grundwassermonitoring im Zusammenhang mit der Sanierung der Säureharzdeponie zeigt wesentliche Verbesserungen.

Ziel Unbedingt wollen die Kronacher Schützen den Pistolenstand verbessern.

Marke Das Bemühen, sich die Marke "Kronacher Freischießen" schützen zu lassen, ist nun vor dem Bundespatentgericht anhängig. Nach einem zum Oktoberfest München ergangenen Urteil stehen die Chancen gut.

Sport Zweiter Schützenmeister Matthias Kümmet berichtete trotz Corona-Ausfällen von guten Erfolgen der heimischen Schützen.

Mitglieder Zu Jahresbeginn 2019 hatten die Schützen 693 Mitglieder, aktuell sind es 705.

Gerichtskosten Den Schützen entstanden für die juristische Auseinandersetzung mit einer Brauerei Kosten von 4500 Euro. Für einen Rechtsstreit mit einem Nachbarn entstanden Kosten von 22 000 Euro. Am 25. September teilte das Verwaltungsgericht Bayreuth mit, dass das Verfahren mit dem klagenden Nachbarn eingestellt wurde.