"Panis Angelicus" (Das Engelsbrot) von César Franck: Das so freudvolle Werk klingt wie in Töne gesetzte Gefühle. Glück und Frieden. Engelhell und samtweich - filigran begleitet von Marius Popp an der Orgel - lässt Ana Cvetkovic-Stojnic ihren warmen, klaren Sopran von der Empore aus quer durch die Christuskirche erklingen. Was für eine Klangoffenbarung. Ein musikalisches Feuerwerk.

Losgelöst, weltentrückt, berührt: Man fühlt sich Gott ganz nah, wenn solch wunderbare Musik in einer Kirche erklingt. "Panis Angelicus" ist mehr als Musik: in Worte gefasste Poesie - so schön, so wahr und so ergreifend, dass einem wohltuende Schauer über den Rücken laufen. Diese Musik ist ein Erlebnis. Der wohlgewählte atemberaubende Beginn war dabei nur eine Station einer herrlich spannenden Reise durch die Musikgeschichte, die Dekanatskantor Marius Popp an der Orgel und die serbische Sopranistin mit ihrem überaus zahlreichem Publikum in der Christuskirche unternahmen. Die Beiden hatten ein zauberhaftes Programm mit einem spannungsvollen Wechsel quer durch die Epochen zusammengestellt.


Schwungvoll und fröhlich

Ob Werke aus dem Barock und der Klassik, Opern, Operetten oder Musicals: Mit immenser musikalischer Variationsbreite beherrschen sie mühelos den Spagat zwischen den Musikrichtungen und fühlen sich dabei in allen Genres zuhause.

Schwungvoll und fröhlich, lobend oder jubelnd meisterte die Sängerin, die seit der Spielzeit 2014/15 festes Mitglied des Musiktheaterensembles am Landestheater Coburg ist, dabei selbst anspruchsvollste Partien. Auch höchste Töne sicher und kraftvoll intonierend, gestaltete sie ihre Partien stets voller Hingabe, Feingefühl und innerer Anteilnahme. "Jerusalem, die du tötest die Propheten" aus dem Paulus-Oratorium sowie "Rejoice greatly, o daughter of Zion" aus dem "Messias-Oratorium" ließ die Zuhörer geradezu in die Herrlichkeit Gottes eintauchen.

Im zweiten Teil wechselte der Melodienreigen in die Welt der Oper, Operette und des Musicals, wobei sich feine Töne mit wuchtigen Ausbrüchen abwechselten. Ein musikalisches Glanzlicht war die sehr gefühlvoll dargebotene Arie "Ombra mai fu" aus Händels berühmter Oper "Xerxes". Lebendig und temperamentvoll, frisch und witzig gab die Sopranistin die Csárdásfürstin aus der gleichnamigen Operette mit "Heia, in den Bergen ist mein Heimatland", die Maria mit "I feel pretty" sowie die Eliza mit "I could have danced all night" ("Ich hätt´ getanzt heut´ Nacht") aus den Musicals "West Side Story" beziehungsweise "My Fair Lady". Für ihre kokett-freche Interpretation von "Meine Lippen, sie küssen so heiß" aus der Operette "Giuditta" gab es sogleich spontanen Szenenapplaus.

Wunderbar mit ihrer glockenreinen Stimme verschmolz das virtuose, ihre Liedbeiträge einfühlsam veredelnde, Orgelspiel von Marius Popp. Was für Erlebnismöglichkeiten es doch gibt, wenn sich das Zusammenspiel von Gesang und Instrument zu schönster Zweisamkeit verbindet?

Über welch gewaltiges Potenzial die romantische Steinmeyer-Orgel verfügt, wurde gerade bei den Solostücken deutlich - wie "Trumpet Voluntary" (John Stanley), "Fatto per la Notte di Natale" (Arcangelo Corelli), Festlicher Marsch (Nicolas Jacques Lemmens) sowie dem musikalischen Ratespiel wie auch dem Arabischen und dem Russischen Tanz aus Tschaikowskis Nussknacker-Suite.


Zugabe erklatscht

Jeder Zuhörer dürfte sich bei diesem an Höhepunkten reichen Abend als Beschenkter gefühlt haben. Die Besucher hielt bei ihrem stürmischen Schlussapplaus nichts mehr auf den Sitzen. Vehement erklatschten sie sich eine Zugabe, die ihnen nochmals mit Musik aus "My Fair Lady" gewährt wurde - zugleich der beschwingte Abschluss eines Jahres voll wunderbarer Kirchenmusik in der Christuskirche.