Es ist schon nach 22 Uhr, als es im Stadtgraben spannend wird. Die Gäste werden Zeuge eines feierlichen Akts. Kronach bekommt eine neue Regentin. Kronachs Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein (FW) weiß, wer von den drei Kandidatinnen die neue Kronacher Weinkönigin wird.

Rund 450 Wahlzettel waren abgegeben worden. Am Ende war die Entscheidung hauchdünn. Mit nur drei Stimmen Unterschied machte schließlich Daniela Krüger das Rennen. Die Pressigerin wird ab sofort für majestätischen Glanz bei verschiedenen Anlässen in Kronach aber auch Kronachs Wein-Partnerstadt Rhodt unter Rietburg sorgen. Die 23-Jährige selber kann ihr Glück kaum fassen. Sie strahlt über das ganze Gesicht, als der feierliche Krönungsakt vollzogen wird.

Dass die gebürtige Kulmbacherin an diesem Abend zu königlichen Würden kommen würde, hatte sie wenige Stunden vorher noch nicht einmal geahnt.
"Ich bin heute zum ersten Mal überhaupt beim Weinfest. Ich bin hier mit Bekannten, die mir davon erzählt haben. Sie meinten auch zu mir, dass ich mich als Kandidatin aufstellen lassen solle, weil mir ein solches Amt liege", erzählt die Bankangestellte der Sparkasse Kulmbach-Kronach.

Spontan habe sie sich aufstellen lassen, ohne sich jedoch allzu große Hoffnungen zu machen. "Da ich ja keine gebürtige Kronacherin bin, dachte ich, dass mich die Leute nicht so kennen. Von daher bin ich vom Ergebnis schon überrascht", verrät sie. Weinkönigin zu sein, sei eine sehr ehrenvolle Aufgabe. Schließlich präsentiere man Kronach bei den verschiedensten Terminen in der Öffentlichkeit. Was genau auf sie zukomme, wisse sie noch nicht. "Ich muss mich erst einmal erkundigen. Aber ich werde mir viel Mühe geben und ich freue mich auf das Jahr", meint sie selbstbewusst. Der Rest werde sich wie auch bei ihren Vorgängerinnen finden.

Dass ihr das Amt viel Freude machen wird, davon ist sie überzeugt. "Ich engagiere mich gerne für eine Sache. Und ich habe gerne mit Menschen zu tun - gerade ja auch in meinem Beruf. Ich kann auch auf Menschen zugehen. Ich werde das Jahr bestimmt richtig genießen", ist sie sich sicher. Obwohl es ja für das Amt keine bestimmte Kleidervorschrift gibt, will sie bei ihren Auftritten Dirndl tragen und natürlich das Diadem, das ja Pflicht ist. Die neue Majestät, die in ihrer Freizeit gerne Sport macht, ist selber durchaus einem edlen Tropfen Rebensaft nicht abgeneigt. Sie bevorzugt Weißwein.

Zwei weitere Bewerberinnen

Neben Daniela Krüger hatten sich noch Jana Schmidt sowie die amtierende Weinkönigin Sonja Schmiedel zur Wahl gestellt. Sie stellten sich zunächst dem Publikum auf der Bühne vor und gingen schließlich von Tisch zu Tisch, um den Besuchern Auskunft über ihre Ambitionen auf den Titel zu geben. Sonja Schmiedel, die ein Jahr lang die "Majestätswürden" inne hatte, erzählte dabei, dass es ihr viel Freude bereitet habe, die Stadt Kronach zu vertreten.

Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein dankte der scheidenden Weinkönigin für ihren Einsatz während ihrer Regentschaft und gab das Ergebnis der diesjährigen Wahl bekannt: Daniela Krüger erhielt 185 Stimmen. Mit 80 beziehungsweise 182 Stimmen wurden Sonja Schmiedel und Jana Schmidt zu Prinzessinnen. Die Übergabe von Weinkrone und Pokalübergabe für die neue Regentin nahmen Sonja Schmiedel sowie Rhodts Weinprinzessin Katharina I. (Krieger) vor.

Willkommen geheißen wurden die Gäste des Weinfests von Günter Soja, Vorsitzender des Jugendorchesters Kronach, Kronachs Stadtoberhaupt Wolfgang Beiergrößlein sowie - seitens der Wein-Partnerstadt Rhodt unter Rietburg - von Bürgermeisterin Irmgard Gromöller und der amtierenden Weinprinzessin, Katharina I. Diese stellten die langjährige "Patenvereinsfreundschaft" und die Förderung des Europäischen Gedankens heraus. Während des Abends sorgte das bekannte Duo "Hearts of Gold" - Hans-Joachim Schäfer und Gerhard Müller - mit wunderschönen "Oldies und Goodies" unplugged für die stimmige Umrahmung.

Weinfest 2013

Die Wahl der Weinkönigin und ihrer Prinzessinnen bildete den Mittelpunkt der Freiluftveranstaltung, die seit 60 Jahren durchgeführt wird. Gastgeber waren zum 14. Mal die Kronacher Musikanten und das Jugendorchester Kronach mit ihrem Vorsitzenden Günter Soja. Sie durften sich heuer über die bislang größte Anzahl an Gästen, seitdem sie das Weinfest durchführen, freuen.

Bereits am Freitagabend hatten die Original Heidelbergler zünftig aufgespielt, während am Samstagabend das Duo "Hearts of Gold" begeisterte. Am Sonntagnachmittag hatte das Kidsorchester seinen großen Auftritt, bevor zunächst das Jugendorchester Kronach und schließlich die Kronacher Musikanten das Fest beschlossen. Für das leibliche Wohl war bestens gesorgt - unter anderem mit Pfälzer Spezialitäten.

Majestäten

Weinköniginnen seit der Jahrtausendwende waren bisher Viktoria Schneider (2000 bis 2003), Tina Porzelt (2003 bis 2006), Maike Müller (2006 und 2008), Christina Thierauf (2007), Katrin Barnickel (2009 und 2010), Jasmin Lang (2011), Sonja Schmiedel (2012), Daniela Krüger (2013).

Es ist schon ein stimmungsvolles Bild: Der mit vielen bunten Lichtern beleuchtete Stadtgraben mit seiner schön dekorierten kleinen Bühne. Seit 14 Jahren findet die beliebte Freiluft-Veranstaltung nun schon im Stadtgraben statt. Das Fest an sich gibt es aber schon viel länger, nämlich seit 60 Jahren. Günter Soja gibt einen kleinen Einblick in die Geschichte der Traditions-Veranstaltung.

Rückblick auf 60 Jahre

"Die Initiative ging damals von der Firma Wein-Graf aus. Sie hatte die Idee und führte das Fest in Zusammenarbeit mit der Rhodter Winzergenossenschaft in Kronach ein. Zunächst wurde das Fest in der Jahns-Allee abgehalten", blickt Soja zurück. Nachdem Wein-Graf das Fest nicht mehr ausrichtete und auch das Vereinshaus geschlossen wurde, habe es mehrere Versuche verschiedener Art gegeben, das Fest am Leben zu erhalten. So sei das Fest unter anderem beim Turnerheim veranstaltet worden beziehungsweise auf dem Kronacher Marktplatz, wofür die Interessengemeinschaft Obere Stadt verantwortlich zeichnete.

"Beim Weinfest bleibt nicht viel übrig. Den Arbeitsaufwand darf man schon gar nicht sehen. Für "professionelle" Ausrichter - wie Gaststätten oder Weinfirmen - trägt sich ein solches Fest nicht", ist er sich sicher. Man brauche viele ehrenamtliche Helfer. Auch die Musik komme, wenn man sie an den drei Tagen bezahlen müsste, viel zu teuer. "Wir wurden damals gefragt, ob wir das ausrichten, weil wir ja gute Kontakte nach Rhodt haben. Mittlerweile spielen wir dort schon seit 40 Jahren. Zunächst sind wird dort jährlich aufgetreten, seit etwa 1990 im Zwei-Jahres-Rhythmus", erzählt Soja.

Mit einer Winzergenossenschaft habe man nicht zusammenarbeiten wollen. Vielmehr habe man verschiedene Winzer gefragt, ob sie beliefern würden. Damals sei sogar eine Abordnung des Kronacher Stadtrats und der Bürgermeister mit nach Rhodt gefahren. "Das Weinfest ist eine Angelegenheit der Stadt Kronach. Es ist ein Weinpatenfest. Wir sind lediglich Ausrichter und Ausgestalter", betont Soja. Am Anfang sei man von drei Winzern beliefert worden, mittlerweile sind es noch zwei. Beim Weinfest sind immer Weine von beiden Winzern dabei.

Der Aufwand ist groß

Der Aufwand für die Ausrichtung ist enorm. "Eine Woche Aufbau, drei Tage Abbau - das ist viel Arbeit. Aber wir sind halt Idealisten. Leider hatten wir sehr oft Pech mit dem Wetter. Das ist schon frustrierend, wenn man sich die ganze Arbeit gemacht hat und dann kommt niemand wegen des schlechten Wetters", räumt Soja ein. Es gab auch schon Überlegungen seitens der Musiker, das Fest nicht mehr auszurichten, insbesondere wegen des hohen Aufwands und der hohen Anzahl an benötigten Helfern. Man sei aber auch auf die Einnahmen des Festes angewiesen.

So kommen die Erlöse Jahr für Jahr der Jugendarbeit zugute, die alleine mit den Beiträgen nicht zu finanzieren sei. Soja resümiert: "Trotz aller Arbeit macht uns das Weinfest auch Spaß. Wir freuen uns sehr, dass heuer so viele Gäste zu uns wie noch nie zuvor kamen. Wenn ihnen die Veranstaltung gefällt, sie ihre Freude daran haben und die Stimmung so gut wie diesmal sei, dann sei das die schönste Entschädigung für die ganzen Mühen im Vorfeld. Dann sind auch wir glücklich und zufrieden."