Irgendwie scheint die Erde sich langsamer zu drehen in diesen Tagen. Vieles steht still, manches kommt zur Ruhe. Allerdings kann diese Stille trügerisch sein, denn sie nimmt etwas mit, was Menschen dringend brauchen: Lebensmut. Die Corona-Krise betrifft momentan jeden und alle. "Durchhalten", so macht man sich gegenseitig Mut. Der Staat verspricht finanzielle Hilfen und viele Menschen helfen sich einfach gegenseitig. Aber reicht das aus? Die Künstler in Nordhalben bangen momentan ebenfalls um ihre Existenz - und gehen ganz unterschiedlich mit der Krise um.

Volker Ullenboom, den man augenblicklich mit Holz in Verbindung bringt, sieht es pragmatisch und möchte das Beste aus dieser Situation machen. Er gibt denjenigen Tipps, die jetzt gerade viel zu Hause sind: "Malt doch mal wieder, oder fotografiert." Diese Dinge bringt er als Kunstlehrer einer Gemeinschaftsschule in Triptis auch seinen Schülern näher. Und genau das hilft ihm gerade auch finanziell etwas aus der Krise.

"Zeit, in sich zu gehen"

"Es ist nicht viel", meint er, "aber immerhin etwas. Außerdem bin ich im Berufsverband bildender Künstler (BBK) und die helfen, wo sie können." Er glaubt, dass die Krise nicht in kurzer Zeit überwunden werden kann. "Jetzt hat man Zeit, in sich zu gehen." Er, der sich künstlerisch immer auch mit den Themen Vergänglichkeit, Leben und Sterben auseinandersetze, mache es jetzt nicht anders. "Man kommt nur einigermaßen unbeschadet aus dieser Krise, wenn man eine stabile Lebenseinstellung behält."

Hart hat es auch Diana und Kai Deckelmann getroffen. "Es kommt kein Geld, weder musikalisch, noch künstlerisch." Diana Deckelmann, die stundenweise in einem Hotel aushilft, bereitet sich künstlerisch auf die Designertage in Coburg vor. Die sollen im Mai stattfinden, was allerdings bis jetzt noch in den Sternen stehe. Trotzdem setzt sie die eine oder andere Idee schon mal um, in der Hoffnung, dass das "normale Leben" bald wieder weitergehen kann.

Ein neues Repertoire entsteht

Getroffen von der momentanen Situation ist auch ihr Mann Kai, dessen künstlerische Ausrichtung eher zur Musik tendiert. Zwar ist er bekannt für seine "Stencil-Art"-Projekte, aber er sitzt auch viel am Klavier und er singt. "Gerade studiere ich ein neues Repertoire ein." Richtung Jazz und Bar-Piano soll es gehen, beschreibt er. Vorstellen kann er es ich in Hotels, Bars, Spielbanken, für Cocktail- und Lounge-Abende oder für Familienfeiern. "Doch das alles werden wir sehen, wenn wir die Krise überstanden haben." Der Künstler, Sänger und Pianist weiß auch nicht, wie viel er und seine Frau jetzt "vorproduzieren" sollen und in welche Richtung überhaupt. Kai Deckelmann denkt an den Entwurf neuer Leinwände, die er besprayen möchte und er denkt an seine Band "Rusty Robber Legs", die er 2013 mitgegründet hat. "Wir sind in ein Loch gefallen. Wir können uns momentan auch bei keinen Ausschreibungen bewerben, der Kunst-Konsum ist ausgefallen... aber irgendwie geht es ja immer weiter." Hände in den Schoß legen kommt für ihn aber nicht infrage. Er bietet aktuell zusammen mit Kollegen den Nordhalbener Bürgern einen Lieferdienst an. "Die Aktion ist für diejenigen gedacht, die ihre Einkäufe gerade selbst nicht mehr erledigen können."

Jeannette Fiedler, die Lost-Place-Fotografin ist aktuell ebenfalls zu Hause. Verlassene Orte zu besuchen, kommt momentan für sie nicht infrage. Sie hatte sich vor kurzem noch tierisch gefreut, auch in diesem Jahr wieder bei der "urbEXPO" angenommen worden zu sein. Das ist die in Deutschland renommierteste und bekannteste Fotografieausstellung verlassener Orte. Sie findet alljährlich in Bochum statt, doch keiner weiß, ob das auch in diesem Jahr der Fall sein wird - und wenn ja, wann. Eine weitere Ausstellung befindet sich ebenfalls in der Schwebe. "Vor kurzem hatte ich eine zweitägige Tour nach Sachsen-Anhalt mit einem Kollegen geplant. Das Hotel hatten wir schon gebucht. Leider ist das alles ins Wasser gefallen."

Arbeit an "Festplattenleichen"

Momentan sitzt die Fotografin vor dem Laptop und bearbeitet ihre "Festplattenleichen". So bezeichnet sie die unzähligen Bilder, die sie schon geschossen, aber noch nicht final bearbeitet hat. Fast jeden Tag veröffentlicht sie eines der Bilder auf den sozialen Netzwerken und bekommt dafür großen Zuspruch. "Die Situation bedrückt mich sehr - und zwar in jeder Hinsicht", bekennt die Künstlerin. "Die Welt wird nach Corona nicht mehr die gleiche sein. Es gibt so viele private Tragödien, aber vielleicht ist das auch eine Chance, sein Leben anders zu strukturieren. Und vielleicht lernt man jetzt, Dinge wieder zu schätzen und zu achten."

Kaum Auswirkungen habe die Corona-Krise momentan noch auf Judith Franke. Sie arbeitet in ihrem Atelier alleine vor sich hin und könne sich aktuell über fehlende Aufträge nicht beklagen "Aber ich kann nicht mehr an Ausstellungen und Symposien teilnehmen. Das könnte letzten Endes meine Selbstständigkeit schon gefährden, denn ich lebe ja von der Präsentation in der Öffentlichkeit." Und darum bangt auch Elke Harras, die sich gerade von "Kronach leuchtet" sehr viel versprochen hatte. "Mir bricht das Künstlerhonorar weg."

Hilfe soll jetzt vom Freistaat kommen. In einer Pressemitteilung wendet sich Kunstminister Bernd Sibler an Kunst- und Kulturschaffende in Bayern. Er kündigt darin "faire und pragmatische Lösungen" an, die der Erhaltung der Existenz dienen sollen. So soll u.a. auf die Rückforderung zweckgebundener Fördermittel verzichtet werden, wenn der Zuwendungszweck aufgrund der Corona-Pandemie nicht erreicht werden konnte. Die Staatsregierung fördert aber auch zur Abwendung einer Existenzgefährdung mit der Soforthilfe Corona kleine Unternehmer und Freiberufler sowie Kulturveranstalter mit Beträgen zwischen 5000 und 30 000 Euro. Dieses Programm stehe auch freiberuflichen Künstlern sowie Kulturvermittlern offen. Näheres unter: www.stmwi.bayern.de/soforthilfe-corona.