Pfarrgemeinderats-Vorsitzender Rudolf Hanna steht auf der Treppe einer schmucken Kapelle. Es ist die so genannte Stürmerskapelle in der Grünen Au in Friesen, die ein wunderschöner Blumenschmuck ziert. Ihre Tür ist ein Stück weit geöffnet. Innen wird das kleine Gebetshaus von brennenden Kerzen in ein sanftes Licht getaucht. "Die Kapelle wurde 1950 errichtet. Sie ist den 14 heiligen Nothelfern geweiht", erklärt Hanna den Wallfahrern, die sich an diesem sonnigen Nachmittag vor dem Kirchlein versammelt haben und aufmerksam seinen Ausführungen zuhören.

Welch großes Interesse an solchen Zeugnissen tiefer Frömmigkeit herrscht, zeigte die nunmehr dritte Kapellenwallfahrt der Pfarreiengemeinschaft Kronach. Nach Lahm und Zeyern in den Vorjahren führte sie dieses Mal nach Friesen. Ein Angebot, das von rund 100 Interessierten gerne angenommen wurde.

Die Stürmerskapelle war dabei nur eine von mehreren Stationen, die gemeinsam erkundet wurden. An den jeweiligen Haltepunkten wusste der Pfarrgemeinderat zu den verschiedenen Bauten viele geschichtliche Informationen zu vermitteln. Diese waren von Kreisheimatpfleger Roland Graf zusammengetragen und von Rudolf Hanna mit eigenen Erinnerungen ergänzt worden. Auch das gemeinsame Gebet stand im Mittelpunkt. Die sehr stimmigen, tief gehenden Texte waren von Matthias Simon ausgearbeitet worden.

Nächstes Jahr in Kronach

Der Weg führte vom Gotteshaus übers obere Dorf zunächst zur Stallgasse, wo früher eine kleine Kapelle aus Holz gestanden hat, und anschließend in die Grüne Au zur Stürmerskapelle. Von dort ging es Richtung Dennig zur Kindergarten-Kapelle und durchs Dorf zum Wegekreuz am Radweg nach Dörfles. Anschließend zog man zurück ins Dorf zum Bildstock am Anwesen "Zur Pfalz 20" und wieder in die Kirche. Da man an diesem Nachmittag nicht zu allen christlichen Denkmälern in Friesen und Umgebung wallfahren konnte, wurden die Kapellen in Roßlach, auf dem Weinberg und auf dem Flurberg abschließend in der Pfarrkirche St. Georg in Wort und Bild vorgestellt.

Im Gotteshaus hatte die Kapellenwallfahrt mit dem zusammen angestimmten St.-Georgs-Lied begonnen. Und dort endete sie auch mit dem gemeinsam gesungenen Roßlacher Kapellenlied. Hanna bedankte sich bei allen, die bei der Vorbereitung und Durchführung der Wallfahrt mitgeholfen hatten.

Die Orte besser kennen lernen

Regionaldekan Thomas Teuchgräber schloss sich dem an. Oft wisse man nicht viel über die christlichen Denkmäler am Wegesrand. Man fahre an ihnen vorbei, ohne Notiz von ihnen zu nehmen, oder man wisse nicht, warum sie aufgestellt wurden. "Die Kapellenwallfahrt hilft uns, unsere fränkischen Wohnorte besser kennen zu lernen", lobte er das Konzept. Außerdem komme man beim gemeinsamen Erkunden ins Gespräch, und so lerne man sich auch untereinander besser kennen. Die Kapellenwallfahrt soll im kommenden Jahr in Kronach stattfinden. Dann werden insbesondere die Madonnen eine große Rolle spielen.

Nach dem offiziellen Teil waren die Teilnehmer zum gemütlichen Beisammensein auf dem Kirchplatz eingeladen. Der Erlös aus dem Kaffee- und Kuchenverkauf kommt der Generalsanierung des örtlichen Kindergartens zugute.