Die Augen von Heidi Münz strahlen. "Wahnsinn, Wahnsinn, Wahnsinn", sagt sie immer wieder. In ihrem Wohnzimmer sitzen Cornelia Thron, Geschäftsführerin des Caritas-Kreisverbands Kronach, die Pflegefachkräfte Doris Karl und Ingrid Rauh sowie die Leiter der Sozialstationen Kronach und Steinwiesen, Klemens Kestel und Brigitte Wunder.

Cornelia Thron hat von Heidi Münz' Wünschen gelesen. In unserer Ausgabe vom 2. Februar berichteten wir, dass Heidi Münz' Mann Günther in Erlangen auf ein Spenderherz wartet. Sie erklärte, dass sie ihren Mann gerne einmal gemeinsam mit Tochter Katharina besuchen würde, endlich einmal wieder ein Wochenende als Familie verbringen möchte. Doch dazu braucht es jemanden, der die an Demenz und Parkinson erkrankte Oma betreut.

Am Freitag geht' s los

Am kommenden Wochenende ist es soweit.
Die Caritas übernimmt nämlich die Betreuung von Oma Marianne. "Caritas heißt Nächstenliebe. Eine außergewöhnliche Situation erfordert eine außergewöhnliche Hilfestellung", erklärt Cornelia Thron, dass sie sofort beim Lesen des Artikels überlegt habe, wie man der Familie helfen könne. Und ihre Mitarbeiter waren sofort dabei. "Wenn wir helfen können, machen wir das", sagt Klemens Kestel.

Und so funktioniert's: Die Pflegefachkräfte Doris Karl und Margit Hempfling teilen sich ab Freitagvormittag die Betreuung tagsüber und die Nachtschwester und ebenfalls ausgebildete Pflegefachkraft Ingrid Rauh passt nachts - von Freitag auf Samstag und von Samstag auf Sonntag - auf die 76-Jährige auf.

Um 9 Uhr können Heidi und Katharina Münz am Freitag also Richtung Erlangen fahren und dort ein Wochenende mit dem Vater verbringen. Sonntagabend kommen sie wieder zurück. "Es ist ein Geschenk des Loslassens an Euch beide", sagt Cornelia Thron am Dienstagnachmittag zu den beiden Frauen.

Was sie mit Günter Münz, der die Station nicht verlassen darf, unternehmen werden? "Er hat schon Hähnchen bestellt", berichtet Heidi Münz mit einem Lachen. Und dann wird Tochter Katharina Papa noch das Notebook erklären.

Laptop im Gepäck

Denn auch der zweite Wunsch von Heidi Münz - ein Laptop für Günther, damit man nicht nur telefonieren, sondern sich per Videotelefonie auch sehen kann - konnte die Caritas der Familie erfüllen. Cornelia Thron hat es gleich im Gepäck, sodass es Heidi und Katharina Münz schon mit nach Erlangen nehmen können und ab kommender Woche Papa Günther nicht mehr nur am Telefon hören, sondern am Computer auch sehen.

"Das hätte ich nie erwartet", sagt Heidi Münz, noch immer ganz überwältigt. Eine Riesen-Überraschung sei es für sie gewesen, als sie davon erfahren habe, dass die Caritas zwei der drei Wünsche erfüllt. Den dritten, ein Spenderherz für ihren Mann, kann auch die Caritas nicht erfüllen. "Aber, wenn es soweit ist, Sie den Anruf erhalten, dass er ein Herz bekommt, dann rufen Sie uns an - wir sind innerhalb von ein paar Minuten da", verspricht Cornelia Thron, auch dann die Betreuung für Oma Marianne sicherzustellen.

Heidi Münz strahlt über beide Ohren. Sie schüttelt den Kopf, kann es noch gar nicht wirklich fassen. Genauso Günther Münz, der anruft: "Wenn ich wieder nach Hause komme, dann feiern wir alle miteinander", sagt er voller Optimismus. Vor kurzem haben ihn erst seine beiden Enkelkinder Lukas und Ida überrascht - am Wochenende kommen Ehefrau Heidi und Tochter Katharina - und das mit einem Laptop im Gepäck.

Heidi Münz ist schon ganz aufgeregt und erklärt, welche Medikamente die Oma bekommt, wie deren Tagesablauf ist und und und. Telefonnummern werden getauscht und die Räumlichkeiten gezeigt. "Ich schreib' alles auf", verspricht sie den Fachkräften. Doch nicht nur das: "Ich kaufe ein, dann könnt Ihr Euch am Sonntag Schweinebraten mit Klößen kochen."