Rund um den Tennisplatz entlang des Flussufers, am Krankenhausparkplatz und an der Rodacher Straße: An vielen Orten im Landkreis hat man derzeit ungewöhnlich freie Sicht. Vor dem Stichtag 1. März, nach dem aus Gründen des Vogelschutzes keine Bäume mehr gefällt werden dürfen, wurde im Landkreis nochmal kräftig abgeholzt.

Kritisch sehen das manche Anwohner und Bürger. "Wir hoffen, dass die Kommunen erkennen, wie wichtig uns Bürgern die Bepflanzung in den Städten und auch außerhalb ist. Stutzungen und Fällungen müssen sensibel geschehen im Einklang mit Mensch, Natur und wirtschaftlichen Interessen", sagt Christiane Wegner.
Die Coburgerin, die in Weidhausen arbeitet, verbringt viel Zeit auf den Straßen. Dabei sind ihr auch die vielen Abholzungen aufgefallen, worüber sie sich sehr geärgert und daraufhin die Redaktion kontaktiert hat.
"Ein Baum produziert Sauerstoff, reguliert das Klima, senkt den Feinstaub, reduziert den Schall und bietet Tieren Schutz." Für die Kommunen sei das sicherlich kein leichtes Unterfangen, allen gerecht zu werden. Das ist Christiane Wegner bewusst.


Die konkreten Fälle

Wir haben uns bei den zuständigen Behörden zu den einzelnen Baumfällaktionen umgehört.
Tennisplatz: "Die Erlen dort hatten Wurzelfäulnis und haben angefangen zu brechen", erklärt Hans-Michael Richter vom Wasserwirtschaftsamt Kronach. Da dort ein Fußgänger- und Radweg entlang führt, mussten die Bäume aus sicherheitstechnischen Gründen gefällt werden. Andere Bäume mussten laut Richter zurückgeschnitten werden, so dass sie im Frühjahr wieder austreiben können. "Gern machen wir die Bäume nicht um. Nur wenn es nötig ist", sagt Richter. Er verstehe, wenn sich die Anwohner darüber beschweren. "Wir dürfen nur bis zum 1. März fällen und da muss es teilweise sehr schnell gehen."

Rodacher Straße: Die Bäume an der Fußgängerbrücke an der Rodacher Straße mussten laut Stefan Wicklein, Hauptamtsleiter der Stadt Kronach, wegen des künftigen Feuerwehrkomplexes gefällt werden. Neun Bäume waren es dort insgesamt. Bereits in einem Interview mitte Februar betonte Stefan Wicklein, dass das nicht einfach so geschehen ist, sondern das den Arbeiten eine lange Überlegungsphase vorangegangen sei. Denn für die Stadt gelten bei solchen Vorhaben in Sachen Grünordnung die gleichen Vorgaben wie für Privatleute. "Wir haben es geschafft, den Baukörper so zu drehen, dass einzelne Großbäume stehen bleiben können", erklärte er im damaligen Interview. Auch das Grün zur B 173 hin soll erhalten bleiben.

Doch nicht nur der Erhalt von möglichst vielen Bäumen, sondern auch Ersatzpflanzungen sind der Stadt in diesem Zusammenhang besonders wichtig. "Es sind 13 Ersatzpflanzungen zu den neun entfernten Laubbäumen vorgesehen. Acht entlang der Rodacher Straße", erklärte der Hauptamtsleiter.

Klinikparkplatz: Die Rodungen rund um den Klinikparkplatz sind laut Pressesprecher der Helios-Klinik in Kronach, Stephan Zeidler, nichts Aktuelles. Die Bäume seien bereits im letzten Jahr auf Verantwortung des Wasserwirtschaftsamtes Hof gefällt worden. Die Klinik habe damit nichts zu tun gehabt.

"Die Bäume standen direkt an der Kronach. Manche Stämme waren schon total verfault", sagt Zeidler. Da diese Bäume früher oder später umzustürzen drohten und dabei entweder auf dem Parkplatz oder im Fluss gelandet wären, mussten sie entfernt werden. "Für uns ist das natürlich sehr schade, da es momentan kahl aussieht. Aber es war eine notwendige Entscheidung", meint Zeidler. Wenn es nicht notwendig gewesen wäre, hätte keiner die Bäume angefasst.