Markus Albrecht setzt den Rückprallhammer an. Der Diplom-Ingenieur drückt dessen Schlagbolzen senkrecht auf den Beton der Brücke. Dadurch spannt sich die Feder. Der Betonprüfhammer ist mit einem Sensor ausgerüstet, der den Rückprallwert des Prüfschlages misst. "Der Rückprallhammer ist ein Instrument, um die Druckfestigkeit von Beton zu prüfen", erklärt der IVS-Geschäftsführer, während er den Wert für die große Flutbrücke über die Rodach feststellt.

Druckfestigkeit des Betons geprüft

Eine derartige Rückprallhärte-Prüfung wurde nicht nur bei der Rodachbrücke und der Mühlbachbrücke - beide in der Alten Poststraße in Oberlangenstadt - durchgeführt, sondern bei allen Brücken der Marktgemeinde, um dadurch Rückschlüsse auf die Beton-Druckfestigkeit zu erhalten.

Das
Ingenieurbüro für Bauwesen IVS war mit der Bestandsaufnahme, der Zustandsbewertung und dem Erstellen der Brücken- und Bauwerksbücher für alle in den Zuständigkeitsbereich des Marktes Küps fallenden Brückenbauwerke beauftragt worden. Vor Ort machte sich am Mittwoch der Bauausschuss beispielhaft in Oberlangenstadt ein Bild von den Mängeln und notwendigen Instandsetzungsmaßnahmen.

Bewertet wurde die Rodachbrücke mit der Note 2,8 sowie die Mühlbachbrücke mit 2,9. Bis zu einem Wert von 2,9 ist das Ergebnis für eine bestehende Verkehrssicherheit noch ausreichend. Allerdings besteht bei einem solchen Wert Handlungsbedarf. "Erklärtes Ziel ist es, mit möglichst wenig Aufwand die vorhandene Bausubstanz zu erhalten", so Albrecht.

Übergangskonstruktion total beschädigt

Bei der 1983 sanierten und instand gesetzten Brücke über die Rodach ist die Übergangskonstruktion total beschädigt. Diese hat zur Aufgabe, die - beispielsweise auf Grund von Verkehrsbelastung entstehenden - Verformungen und Bewegungen des Brückenüberbaus gegenüber den Brückenenden auszugleichen. "Es ist höchste Zeit, die Konstruktion zu ersetzen", so Albrecht.

Gerade noch bestanden hat die Mühlbachbrücke - eine Sandstein-Bogenbrücke, die einst schmaler gebaut und später verbreitert wurde. "Sie konnte nur mit 2,9 bewertet werden, weil ich sie als Zwölf-Tonnen-Brücke einstufen konnte. Sonst wäre sie durchgefallen", verdeutlichte Albrecht die schwierige Situation in diesem Fall. Er zog aber das Resümee, dass die Lage im Markt Küps generell nicht allzu schlecht sei.

"Sie sollten eine Strategie entwickeln, um die Substanz zu erhalten", appellierte er an das Gremium. Gleichzeitig betonte er, dass die Prüfung keine hoheitsrechtliche Geschichte sei. Die Umsetzung liege in der Hand der Kommunalpolitik. Auf Basis der Brücken-Hauptprüfungen sei mit Kosten von etwa 100.000 Euro für die Unterhaltung und Instandsetzung der Brückenbauwerke zum Substanzerhalt und zur Gewährleistung der Sicherheit zu rechnen. Mit rund 500.000 Euro sei für die grundsätzliche Erneuerung oder konstruktive Instandsetzung von insgesamt vier betroffenen Brückenbauwerken zu kalkulieren.

"Mit Schlimmerem gerechnet"

"Ich habe mit noch Schlimmerem gerechnet", räumte Bürgermeister Herbert Schneider (parteilos) ein. Glücklicherweise sei keine Gefahr im Verzug, ein Handlungsbedarf sei aber gegeben.

So sah es auch das Gremium, dem Albrecht im Rathaus den Sachstand anhand von Plänen und Übersichten erläuterte. Die detaillierte Aufnahme und Ausarbeitung sei schwierig und zeitintensiv gewesen, da nur bei sehr wenigen Bauwerken Unterlagen vorhanden und diese nur unvollständig gewesen seien. Mit den Bauwerksbüchern besitze Küps erstmals eine Gesamtübersicht seiner Brückenbauwerke mit dem aktuellen Zustand.

Als Ergebnis wurde festgehalten, dass laufende Unterhaltungs- mit entsprechenden Instandsetzungsmaßnahmen bei allen Bauwerken durchzuführen seien. Kurzfristige Instandsetzungen seien auf Grund der Verkehrsbedeutung bei der Sandstein-Bogenbrücke und der großen Flutbrücke über die Rodach erforderlich (beide in der Alten Poststraße). Umgehende Instandsetzungen beziehungsweise Erneuerungen seien auf Grund kritischer Bauwerkszustände bei den Brücken über den Krebsbach (Höhe Kanzleistraße 34/Allee und am Wirtschaftweg/B173) notwendig.

Geld wird in Planung eingestellt

Das Gremium stellte 100.000 Euro in den Haushalt 2013 für Maßnahmen zur Sicherstellung der Verkehrssicherheit ein. Die Verwaltung wird mit dem Bauhofleiter und IVS die durch den Bauhof des Marktes Küps durchzuführenden und die zu vergebenden Arbeiten festlegen. Die Ausschreibung, Überwachung und Abnahme der Arbeiten erfolgt durch IVS. Ab 2014 wird jährlich ein jeweils neu zu ermittelnder Betrag zur Sicherstellung der Verkehrssicherheit eingestellt sowie ab 2015 im Drei-Jahres-Zyklus ein jeweils notwendiger Betrag für die Brücken-Prüfungen. 500.000 Euro werden in die mittelfristige Finanzplanung eingestellt. Der Beschluss erfolgte einstimmig.