Die Stadt macht Nägel mit Köpfen. In der Stadtratssitzung vom Montagabend beschloss man die Beantragung von Fördermitteln für die Einstellung eines Projektkoordinators und das Schaffen eines Kräutergartens. Falls die Mittel fließen, wird Teuschnitz zur Arnika- und Kräuterstadt.

Klein, aber oho: Arnika - Die kleine Gelbe mit der großen Wirkung ist eine der am meisten verwendeten Heilpflanzen. Arnika-Anwendungen lindern Schmerzen und wirken Entzündungen entgegen. Angewandt werden die gelb blühenden Blumen in Form von Umschlägen, Salben oder als Balsam. Dass sie zum Balsam für die wirtschaftliche Entwicklung von Teuschnitz wird und die Stadt sprichwörtlich zum Aufblühen bringt, wünscht sich der Stadtrat, der am Montag - bei Gegenstimme von Franz Werth (SPD) - große Hoffnungen in die kleine Gelbe, aber auch in andere Kräuter und Heilpflanzen aus der Region setzte.


Bürgermeisterin Gabi Weber (CSU) freute sich über ein sehr erfolgreich verlaufendes Arnikafest. Maßgeblich verantwortlich hierfür seien die vielen freiwilligen Helfer - insbesondere des Arnikakreises, der unter Federführung von Hans-Peter Müller selbstständig funktioniere. "Es waren viele auswärtige Gäste da. Sie fragten, wo man die Produkte bei uns kaufen kann", so die Bürgermeisterin. Dieser Zuspruch - aber auch an Führungen, Seminaren oder anderen Projekten - belege, dass der für Teuschnitz eingeschlagene Weg richtig sei.

Die Neuausrichtung

Für die Neuausrichtung in Richtung Arnikastadt bedürfe es Grundlagen. Eine davon war - als Bedingung für eine mögliche Förderung über das Städtebauförderungsprogramm - eine "Vorbereitende Untersuchung". Die Ergebnisse hatte man bei einer Stadtratssitzung im April vorgestellt.

"Wir sollten mit einem Kräutergarten anfangen", appellierte die Bürgermeisterin. Man verfüge über ein hierfür passendes Gelände neben der Schule mit einer Größe von 4000 Quadratmetern. Dieses könne als grünes Klassenzimmer beziehungsweise Anschauungsobjekt für botanische Fachgruppen dienen. Bereits bei der Vorstellung der "Vorbereitenden Untersuchung" war sich das Gremium einig, dass es zur Umsetzung des Vorhabens eines Projektmanagers bedürfe. So verfüge man weder über das erforderliche Fachwissen, noch über die zeitlichen Kapazitäten.

"Wir sind im Programm der Leader-Aktionsgruppe Landkreis Kronach. Hier stehen uns von 2008 bis 2013 Mittel zur Verfügung. Falls wir jetzt keine Förderung für den Kräutergarten und für einen Projektmanager beantragen, müssen wir bis 2015 warten. Deshalb sollten wir jetzt in Vorleistung gehen", plädierte Weber. Wie sie vorrechnete, sei mit Investitionskosten von gesamt etwa 341 000 Euro zu rechnen. Diese setzten sich zusammen aus 213 000 Euro für die Herstellung eines Kräutergartens, 44 000 Euro für eine in der Stadt arbeitende Halbtagskraft für zwei Jahre, 24 000 Euro für die fachliche Begleitung seitens der ökologischen Bildungsstätte Mitwitz sowie 60 000 Euro für externe Beratungskosten. Zuschüsse seien zu erwarten 50 Prozent aus dem Leader-Programm in Höhe von 150 000 Euro sowie 25 Prozent seitens der Oberfranken-Stiftung von etwa 88 000 Euro. Eventuell würde die Oberfranken-Stiftung noch einen weiteren zehnprozentigen Zuschuss gewähren. Ein Antrag sei bereits gestellt.

Da es auch einen Sponsor gebe, der das Projekt mit etwa 50 000 Euro finanziell unterstützen würde, bliebe der Stadt ein Eigenanteil von etwa 55 000 bis 60 000 Euro für die nächsten drei Jahre - bei höherem Zuschuss seitens der Oberfranken-Stiftung entsprechend weniger. Da man keinen genehmigten Haushalt habe, habe sie bereits im Landratsamt vorgesprochen. Der Landrat stehe voll hinter dem Projekt. "Wenn der Garten angelegt ist und das Projekt zum Tragen kommen sollte, sollten wir auch die Schule mit nutzen dürfen", erklärte Weber weiter. Dies sei aber zu regeln.

Aufs Tempo gedrückt

Um entsprechende Förderungsmittel zu erhalten, müsse der Entschluss jetzt gefasst werden, drückte Weber aufs Tempo. Dem schloss sich Regionalmanager Willi Fehn an. "Wir sind aufgrund des Umbruchs von der alten zur neuen Förderperiode unter Zugzwang. Wir müssen den Antrag sehr schnell einbringen, weil wir wahrscheinlich nur noch bis etwa September feste Mittel zur Verfügung haben", erklärte er.

Franz Werth (SPD) bemängelte, dass das Projekt in seinen Augen keine - in Teuschnitz so dringend benötigten - Arbeitsplätze schaffe. "Ich habe bei allen Firmen wegen der Ansiedlung von Arbeitsplätzen nachgefragt", entgegnete die Bürgermeisterin. Sie sah durchaus Chancen für durch das Projekt neu entstehende Arbeitsplätze. Mit dem Förderbescheid rechnet man bis Mitte August. Abschließend machte die Bürgermeisterin klar: "Wenn die Fördermittel nicht fließen, können wir es vergessen."