Wer derzeit am idyllisch gelegenen Bahnhof Dürrenwaid vorbeifährt, stellt fest, dass hier fleißig gewerkelt wird. Grund ist die dringend erforderliche Sanierung der Dachverkleidung einschließlich Austausch schadhafter Sparren im Bereich der Überdachung der Güterrampe, welche die Eisenbahnfreunde Rodachtalbahn in Auftrag gegeben haben. Ende 2004 erwarb der Verein im Paket mit der Eisenbahnstrecke Steinwiesen- Nordhalben den ehemaligen Bahnhof von der Deutschen Bahn AG. Dieser war als einziger der noch bestehenden Gebäude der ehemaligen Nebenbahn Kronach-Nordhalben nicht veräußert worden, da die Immobilie bis Mitte der 1990er-Jahre als Wochenendhaus durch die Deutsche Bundesbahn vermietet war. Da die Bahn sich jedoch von allen Liegenschaften im Rahmen der Verkaufsverhandlungen trennen wollte, ging das Gebäude einschließlich aller dazugehörigen Bahnanlagen an den Verein über.
Äußerlich in einem noch relativ ansehnlichen Zustand, stellte sich jedoch schnell heraus, dass der Bahnhof sanierungsbedürftig ist. Die Holzverkleidung war stark verwittert, der Holzfußboden im Originaltrakt des unterkellerten Güterschuppens war so morsch, dass ein Betreten ohne Gefahr nicht mehr möglich war. Da auch der frühere Bahnsteig nicht den Anforderungen des Bahnbetriebs entsprach, konnte die Station im ersten Jahr der Eröffnung der Museumsbahn nicht angefahren werden. Erst nachdem die Vereinsmitglieder im milden Februar 2008 einen neuen Bahnsteig angelegt hatten, gab die Bahnaufsicht grünes Licht für einen fahrplanmäßigen Halt am Vereinsbahnhof. In den Folgejahren wurde das unter Denkmalschutz stehende Gebäude mit Eigenmitteln bis auf das Dach grundlegend saniert. Nachdem mittlerweile jedoch auch hier Feuchtigkeit eintrat, war dringender Handlungsbedarf gegeben.


Sonderfahrten an Ostern

Dank finanzieller Unterstützung verschiedener Einrichtungen können die Arbeiten, die ursprünglich bereits für Herbst letzten Jahres geplant waren, nun ausgeführt werden und sollen bis zu den Sonderfahrten an Ostern abgeschlossen sein.


Blick in die Historie



Neuenmühle-Dürrenwaid Die Station wurde in der für fränkische Nebenbahnen typischen Einheitsbauart in Holzbauweise im Jahr 1900 fertiggestellt und sollte zunächst die Bezeichnung "Neuenmühle" erhalten. Auf Antrag der damals selbstständigen und zum Bezirksamt Teuschnitz gehörigen Gemeinde Dürrenwaid sollte der Bahnhof die Bezeichnung
"Neuenmühle-Dürrenwaid" erhalten, um auf den etwa 3 km entfernten Ort hinzuweisen.

Dürrenwaid Letztendlich entschied sich die Generaldirektion der königlich bayerischen Staatseisenbahnen für "Dürrenwaid". Die Station erhielt zusätzlich eine Güterhalle für Stückgut sowie einen Verladeplatz für Wagenladungsgüter, da die Haltestelle auch von der Bleistiftfabrik A. W. Faber in Geroldsgrün mitgenutzt werden sollte.

Fahrkartenverkauf Der Fahrkartenverkauf sowie die Abwicklung des Güterverkehrs wurden von einem Bahnagenten übernommen. Sehr schnell stellte sich jedoch heraus, dass die Lagerhalle als zu knapp bemessen wurde, so dass der ausrangierte Wagenkasten eines Güterwagens als zusätzliche Verlademöglichkeit bereitgestellt wurde.

Kapazitätsgrenze Nachdem die aus der ehemaligen
Riemenscheibenfabrik hervorgegangene Schulmöbelfabrik Albert Menger nach dem
Zweiten Weltkrieg für einen erheblichen Güterumsatz im Stückgut- und Wagenladungsverkehr sorgte, war die Station an ihre Kapazitätsgrenzen angelangt. Die Deutsche Bundesbahn entschloss sich daher
Mitte der 1950er-Jahre zur Erweiterung der Güterhalle durch einen Anbau. Allein im Jahr 1965 stellte die Station Dürrenwaid annähernd 10 000 Frachtbriefe aus, was einen Gesamtumsatz von stolzen 437 389 Mark bedeutete. Dies war auch die Blütezeit des Güterverkehrs.

Einstellung Der Reisendenverkehr hatte jedoch bereits durch die Einrichtung von Busverbindungen sowie den aufkommenden Individualverkehr merklich abgenommen, so dass die Bundesbahndirektion Nürnberg zum 1. Juni 1970 die Abfertigungsbefugnisse und den Fahrkartenverkauf im Rahmen von Rationalisierungsmaßnahmen einstellte. Reisezüge hielten jedoch weiterhin bis zur Einstellung des Personenverkehrs am 30. Mai 1976. Mit dem Rückbau aller Gleisanlagen am 29. April 1985 verlor der Bahnhof seine letzte Funktion als Abstellbahnhof für Güterwagen. Nach Einstellung des Güterverkehrs nach Nordhalben Ende 1994 eroberte sich die Natur nach und nach das Bahnhofsareal zurück, so dass kaum noch etwas an die einstige Betriebsamkeit erinnerte. Erst mit der Errichtung der Museumsbahn kam wieder neues Leben in den einsam gelegenen Haltepunkt zurück. Heute dient das Gebäude als Betriebsmittelpunkt der Nostalgiebahn. Während der Fahrtage wird hier ein etwas längerer Zwischenhalt eingelegt, da neben einer Gartenbahn für die Kinder auch eine Fotodokumentation über die Nostalgiebahn zu bewundern ist. In unregelmäßigen Abständen finden auch Sonderveranstaltungen wie Modellbahn-, Oldtimer- und Teddybärenausstellungen statt. red