Für Spaziergänger auf dem Kronacher Landesgartenschaugelände sind sie ein alltäglicher Anblick geworden: Baumstümpfe. Teils liegen die gefällten Bäume noch vollständig daneben, teils scheinen sie spurlos verschwunden. Nur wenige Frühaufsteher haben schon gesehen, wer hier zugange ist, nämlich Biber. Biber sind bis zu 1,35 m große und 43 kg schwere Nagetiere. Anders als die verwandten Eichhörnchen sind Biber aber reine Vegetarier. Ihre Nahrung besteht im Sommer aus Sträuchern und krautigen Pflanzen am Gewässerrand (auch Neophyten, wie das Indische Springkraut oder der Sachalin-Knöterich werden nicht verschmäht), im Winter fressen sie Rinde, Bast und die jungen Äste von Bäumen. Besonders bevorzugt werden dann Weiden und Pappeln, die oft an Gewässern zu finden sind.
Gerade diese beiden Baumarten werden hier bei Hochwasser oft durch mitgeschwemmte Steine und Holzstücke beschädigt und haben sich mit einem ausgezeichneten Selbstheilungsvermögen daran angepasst, den Appetit einer Biberfamilie können sie also ohne Weiteres ausgleichen.Die Biber leben monogam in Familienverbänden. Ein Weibchen wirft pro Jahr zwei bis drei Junge, die acht Wochen gesäugt werden. Nach dem ersten Jahr bleiben die Halbwüchsigen oft noch ein weiteres Jahr bei der Familie und helfen bei der Aufzucht der Neugeborenen, bevor sie auf der Suche nach einem eigenen Revier auf die Wanderschaft gehen.
Die Familie lebt in einer "Biberburg", ein ausgeklügelter Bau mit bis zu 12 Metern Durchmesser und 3 Metern Höhe aus Ästen und Lehm, dessen Eingang unter der Wasseroberfläche liegt. Biber verbringen nahezu 50 Prozent Zeit ihres Lebens im Wasser.


Ausgleichszahlungen

Schon seit einigen Jahrzehnten sind Biber wieder ein fester Teil im Naturbild Oberfrankens. Das war nicht immer so: Ein Jahrhundert lang galt der größte Nager Europas als ausgerottet und erst gezielte Wiederansiedelung durch den Menschen in den 60er Jahren bis in die 70er Jahre brachten ihn wieder an seine angestammten Plätze zurück.
Und sollte doch einmal ein Biber Obstbäume annagen, sich in einem Maisfeld sattfressen, oder ein Biberdamm einen Teich gefährden, gibt es einige Möglichkeiten, ihm Einhalt zu gebieten. Zum Beispiel können neben anderen Vergrämungsmaßnamen störende Biberdämme verrohrt werden und Bäume mit einer Drahthose umwickelt werden. Für Land- und Forstwirtschaftliche Betriebe, inklusive der Teichwirtschaft können diese vorbeugenden Maßnahmen gefördert werden. Ist der Schaden schon geschehen, kann ein Teil der Summe als Ausgleichszahlung erstattet werden (in den letzten Jahren lag die Auszahlungsquote bei circa 50 Prozent; der Entschädigungsfonds ist auf 450 000 Euro gedeckelt). Natürlich können sich aber auch Privatleute an das Landratsamt wenden. Hier stehen zwei Biberbeauftragte, Karl-Heinz Selk und Christine Zeit, jederzeit mit Rat und Tat zur Verfügung. Im Juni laden sie interessierte Bürgerinnen und Bürger auch herzlich zu Biberführungen auf dem Kronacher Landesgartenschaugelände und im Lamitztal ein.


Führungstermine


24. Juni um 18 Uhr, Treffpunkt: Gastankstelle am Real-Markt,
Kronach

25. Juni um 17.45 Uhr, Treffpunkt: Wallenfels-Schnappenhammer an der Floßanlegestelle. Teilnehmern wird festes Schuhwerk empfohlen. red