Die Ausstellung ist ein Novum. Es wurden keine Mühen gescheut. Europaweite und umfangreiche Recherchen um die Biographie des Michel Fingesten sind nach langer Wartezeit fertiggestellt. Sechs Räume des Fürstenbaus der Festung Rosenberg umfassen Leben und Werk eines der vielseitigsten Künstler des 20. Jahrhunderts.
Über 250 Exponate wurden chronologisch und thematisch erfasst, geben Einblicke in Leben und Intention des Michel Fingesten. Er ist als Grafiker, Maler und Illustrator besonders für seine extravagante Exlibriskunst bekannt. Kreatives Ausnahmetalent, Humanist, Phantast, Avantgardist sind wohl Begriffe, die ihn am besten beschreiben.
In Museumskreisen galt der Künstler lange Zeit weitgehend als vergessen und als Randerscheinung zwischen den Weltkriegen verloren gegangen: "Wir betreten neues Terrain und hoffen, dass wir damit einen wichtigen und nachhaltigen Beitrag für die Wiederentdeckung des Werkes und des Künstlers Michel Fingesten leisten", eröffnet Alexander Süß, Museologe der Stadt Kronach, der zusammen mit Tobias Zwingmann und dem Leihgeber der Ausstellung, Georg Meußgeier, die Ausstellung konzipierte und damit einen Beitrag zur Wiederentdeckung Michel Fingestens lieferten. Das Trio verfasste außerdem ein Buch zur Ausstellung mit neuen biographischen Fakten und 900 Abbildungen. "Ich wundere mich sehr ... Leben und Werk des Michel Fingesten" ist der Titel der herausragenden Ausstellungsidee, der am Sonntagnachmittag auf der Festung Rosenberg Leben eingehaucht wurde. "Ein Paukenschlag", so Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein, gelinge mit den gezeigten Arbeiten von Ausnahmetalent Michel Fingesten. Der Künstler gehöre ohne Übertreibung zu den wichtigsten Grafikern des 20. Jahrhunderts: "Durch sein vielfältiges Schaffen im Bereich der Grafik ist Fingesten ein absoluter Ausnahmekünstler. Er ist der sogenannten verschollenen Generation zuzuordnen", erklärt Beiergrößlein und fügt hinzu, dass die Ausstellung dazu beitragen solle, Leben und Werk Fingestens wiederzuentdecken.


"Ein Urgestein der Stadt Kronach"

Besonderer Dank galt bei der Eröffnung dem Leihgeber Georg Meußgeier, der bereits 2013 mit seiner Sammlung eine Ausstellung mit Exlibris-Exponaten ermöglichte. "Ein Urgestein der Stadt Kronach", lobte Beiergrößlein den Kunstsammler mit Schwerpunkt Exlibris. "Er stellt eine der bedeutendsten deutschen Exlibris-Sammlungen zur Verfügung und macht sie der Öffentlichkeit zugänglich."
Die Biographie des Künstlers Fingesten gleiche einer Vorlage für einen spannenden Kinofilm oder Abenteuerroman, erläuterte Tobias Zwingmann den Mythos um dessen Biographie. "Für viele von Ihnen ist Fingesten längst ein Begriff. Sie wissen um den Nimbus des Abenteurers, der den Künstler umgibt und um sein Schicksal in einer sehr bewegten Zeit. Und natürlich um seine grandiose Kunst, seinen besonderen Ausdrucksstil, der jedes Werk unverkennbar und einzigartig macht." Fingesten sei ein klassischer Vertreter jener verschollenen Generation deutscher Künstler der Weimarer Republik, die mit ihrer Kunst, Haltung oder Herkunft der NS-Ideologie widersprachen und dafür als entartet abqualifiziert, verfolgt und künstlerisch mundtot gemacht wurden.
Die Werke Fingestens lassen die Besucher der Ausstellung staunen. Die Vielfältigkeit und Ausdrucksstärke der einzelnen Exlibris, Grafiken und Malereien sind einzigartig. Die Auswahl der verschiedenen Originalexponate ermöglicht einen faszinierenden Einblick in das umfangreiche Gesamtschaffen. Die Bildsprache ist abenteuerlich und hangelt sich mit Witz, Protest und Hintergedanken an den Strömungen der Zeit entlang. "Die Ausstellung ist für jeden spannend, der sich für Kunst der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts interessiert", fasst Kerstin Löw, Tourismuschefin der Stadt Kronach, begeistert zusammen und schwärmt von der berührenden Handschrift des Künstlers: "Wie er Humor und Schicksaal vereint und im kleinen Format so viel erzählt", sei einzigartig und sehenswert.


Zur Ausstellung

"Ich wundere mich sehr ... Leben und Werk des Michel Fingesten"
Ausstellung vom 7. März bis 25. Juni 2017, Öffnungszeiten Dienstag bis Sonntag, 9.30 bis 17.30 Uhr, Fürstenbau, Festung Rosenberg Kronach madö