Auszeichnungen für sein künstlerisches Schaffen erhielt Heinrich Schreiber zu Lebzeiten zuhauf. Auch vier Jahre nach seinem Tod begleiten seine Skulpturen, Stelen, Bronzereliefs und Brunnen das tägliche Geschehen in Kronach auf vielfältige Art und Weise. Weit gespannt waren seine Betätigungsfelder, seine Interessen, sein Einsatz für seine Heimatstadt und seine Mitbürger.

Ein Anliegen war ihm auch der Erhalt der Kronacher Synagoge. Hier ist derzeit auch die Ausstellung "In memoriam Heinrich Schreiber" zu sehen - als Ausdruck der Achtung und Wertschätzung für den Künstler und Menschen.

Mit praktischer Funktion

"Die Werke von Heinrich Schreiber zeugen von einer großen Verbundenheit zu Kronach", freute sich Bürgermeisterin Angela Hofmann bei der Eröffnung am Freitagabend. Die Liebe zu seiner Heimat spiegele sich in den mit viel Freude und Leidenschaft geschaffenen Arbeiten wider. Von einer tiefen Gläubigkeit geprägt, habe sein Hauptaugenmerk zeitlebens den von religiösen Inhalten bestimmten Darstellungen gegolten. Viele seiner Kunstwerke hätten zudem eine praktische Funktion - wie die Kronacher Brunnen.

Gerne erinnere sie sich an eine vom Stadtrat unternommene Brunnenführung, bei der Schreiber in seiner ganz eigenen, sehr sympathischen und humorvollen Art viele Geschichten "dahinter" erzählt habe, so Hofmann. Ihr Dank galt dem Arbeitsteam, bestehend aus Familienangehörigen und Freunden Schreibers, für die Konzipierung der Ausstellung. Ferner dankte sie dem Dreier-Gespann Matthias Simon, Johannes Schreiber und Eckhard Schneider für die Ausarbeitung der begleitend angebotenen geführten Stadtspaziergänge zu Schreiber-Kunstwerken in Kronach.

Ein Geburtstagsgeschenk

"Die Ausstellung und die Stadtspaziergänge sind ein Geburtstagsgeschenk", bekundete Matthias Simon. Schon zehn Jahre sei es her, dass 17 Schüler am Frankenwaldgymnasium ein über 800 Seiten starkes Werkverzeichnis mit allen seinen Kunstwerken erstellt hätten. Mit verschmitztem Lächeln und manchem Augenzwinkern habe er, sonst eher schweigsam, seinen interessierten Zuhörern viele kleine Geschichten zu seinen Kunstwerken erzählt.

Mit den Stadtspaziergängen möchte man quasi zur Stimme der Kunst und des Künstlers werden; bedürften manche seiner Werke dennoch einer Erklärung beziehungsweise des Hinweises "Schau doch mal hin!" Dem Tourismusbetrieb der Stadt Kronach dankte Simon für die Übernahme der Logistik für die Ausstellung und die Stadtspaziergänge.

Musikalischer Gruß

"Wohlauf, die Luft geht frisch und rein ..." - Heinrich Schreibers Kinder Eva, Tobias und Johannes begrüßten die Besucher in farbig gefassten Tiermasken aus dem Nachlass ihres Vaters. Anstatt einer langen Ansprache stimmten sie von der Empore herab - gemeinsam mit allen Besuchern - das Frankenlied an. Die inoffizielle fränkische Nationalhymne hatte Schreiber als sein letztes Werk in Bronze verewigt. Unverkennbar die Handschrift ihres Erschaffers tragend, zieren die sechs Reliefs entsprechend der sechs Strophen des Liedes seit 2016 die Außenfassade der Amtsgerichtsstraße 12.

Die sehr sehenswerte Ausstellung - ein Muss für alle, die sich für Schreibers umfangreiches Werk interessieren - zeigt beispielsweise die Schriftplatte für das Denkmal in Knellendorf, einen schwarz gefassten Stifterstift, das farbig gefasste Jesuskind der Pfarrei Breitenloh sowie das Gipskreuz für die katholische Kirche Büchenbach und das Pfarrzentrum Kronach.

Langohren in allen Größen und Formen

Zu sehen sind ferner "Fei ka Gewaaf"-Holzschnitte nach Texten von Ingo Cesaro, Silikonmodelle nach Figuren von Matthias Güthlein sowie farbig gefasste Holzköpfe für Handspielpuppen. Von seiner überaus vielfältigen Schaffenspalette zeugen zudem verschiedene Balkenträger sowie Zeichnungen, Fotografien, Holzschnitte, Modelle und Keramikteller der Kronacher Brunnen. Natürlich sind auch die "Kroniche Hounskuh" und Langohren in allen Größen und Formen vertreten.

Eine ganz besondere Gelegenheit, sich intensiv mit den Werken des "Knüpfelheiners" in seiner Heimatstadt auseinanderzusetzen, bieten die geführten Stadtspaziergänge. Aufgrund des großen Zuspruchs wurde bereits ein Zusatztermin angesetzt, der schon wieder voll belegt ist.

Weitere Rundgänge geplant

Wer sich für einen solchen Rundgang interessiert, kann sich aber dennoch bei der Tourist-Information Kronach melden. Bei genügend Interesse werden eventuell noch weitere Termine im November anberaumt. Im kommenden Jahr sollen die Spaziergänge dann regulär in das Führungsprogramm der Stadt aufgenommen werden.