Der Dekanats-Chor Kronach wurde 2003 durch seinen Leiter, Dekanatskantor Marius Popp, ins Leben gerufen. Viele große klassische Chorwerke wurden seitdem aufgeführt.

"Sei gegrüßet, lieber Jüdenkönig" - Der Chorleiter möchte mehr Schärfe, der Chor soll als spöttische Verhöhnung von Jesus Christus durch die Kriegsknechte musiziert werden. "Die Schärfe der Worte muss man verstehen", fordert Marius Popp. Bei der Probe im evangelischen Gemeindehaus wird schnell klar: Dem Dekanatskantor geht es bei der Einstudierung um mehr als "nur" schöne Musik oder das Einüben von Tönen. Es geht ihm um die Verdeutlichung und plastische Ausarbeitung des tiefen emotionalen Gehalts der Leidensgeschichte. Die herrliche Musik eines solch anspruchsvollen Werks in Ton und Wort nach Form und Inhalt zu erarbeiten, ist wahrlich kein leichtes Unterfangen.


Gefragt sind größte Aufmerksamkeit und Präsenz - sei es bei den - fast wie Peitschenhiebe aus allen Richtungen gesetzten - Schreien der aufgebrachten Menge "Kreuzige ihn" oder in der Forderung der Juden: "Wir haben ein Gesetz, und nach dem Gesetz soll er sterben", wenn klar wird, dass Jesus sterben muss. Gelingen kann die Aufführung nur in einer geschlossenen Gemeinschaft, die bereit ist, die Worte der Bibel durch sich selbst sprechen zu lassen.

Keine Profis, sondern Laien

"Bei dem Chor handelt es sich nicht um Profis, sondern um Laien. Sie gehen tagsüber ganz unterschiedlichen Berufen nach. Abends kommen sie einmal in der Woche zur Probe - mit dem Ehrgeiz und dem Willen, das Chorwerk möglichst gut zum Besten zu geben. Manchmal sind sie mit sich selbst nicht zufrieden oder ärgern sich, wenn nicht immer gleich das rauskommt, was sie von sich erwarten" - Wenn Dekanatskantor Marius Popp über den Chor spricht, dann stets mit großem Respekt und Anerkennung für die Bereitschaft der rund 35 Chormitglieder, sich in ihrer Freizeit dem Einstudieren anspruchsvoller Chorwerke zu widmen. Die Johannes-Passion wird zum zweiten Mal - nach 2008, damals im Kreiskulturraum - aufgeführt. Mittlerweile sind neue Chormitglieder dazu gestoßen, für die das Werk neu ist. "Das dasselbe Werk von uns zwei Mal aufgeführt wird, kommt nicht oft vor. "Die Sänger und Sängerinnen möchten lieber Neues einstudieren", erklärt Popp. Und in der Tat: Seit der Gründung hat der Chor ein umfangreiches Repertoire einstudiert, das sich von A-Cappella-Werken über Oratorien bis hin zur Chorsinfonik erstreckt.

Und nicht nur das: Zum 100. Todesjahr des in Hummendorf geborenen Komponisten und Organisten Johann Georg Herzog (1822-1909) nahm der Chor eine CD mit Werken des Komponisten auf. Einige der Chorwerke waren Einspielungen. 2011 erteilte der Chor dem spanischen zeitgenössischen Komponisten Javier Busto eine Auftragskomposition "Verleih uns Frieden gnädiglich". Die Uraufführung erfolgte in der Basilica S. Maria delle Steccata in Parma im Rahmen des Chorfestivals "Adolfo Tanzi". Die Komposition erschien beim Carus-Verlag.

Ein ökumenischer Chor

"Der Chor wurde von mir gegründet in der Absicht, dass Pfarrer und Pfarrerinnen darin singen sollten. Sie sollten nicht nur immer den Pfarreimitgliedern nahe legen, in einem Chor zu singen, sondern selbst mit gutem Beispiel vorangehen", erzählt Popp. Von Anfang an dabei sind die Pfarrer Reinhard Kube, Friedrich Seegenschmiedt und Walter Jung sowie Dekanin Dorothea Richter. Ganz wichtig sei es ihm bei der Gründung gewesen, dass die Sänger und Sängerinnen nicht ihre bisherigen Chöre verlassen, sondern ihnen erhalten bleiben. "Wir wollten niemandem die Mitglieder wegnehmen", betont er. So singen alle auch heute noch in anderen Chören mit.

Ein Dekanats-Chor sei bereits früher im Gespräch gewesen, aber nicht zu Stande gekommen. Von Anfang selbstverständlich sei es für ihn auch gewesen, dass auch katholische Mitchristen mitsingen durften. "Wir sind ein ökumenischer Chor", betont er. Einen solchen - sich über verschiedene Kirchengemeinden und Konfessionen erstreckenden - Chor, von evangelischer Seite aus initiiert, habe es vorher im Landkreis noch nicht gegeben. Zudem ist er landkreisübergreifend. Seine Mitglieder kommen aus Kronach, Lichtenfels und Coburg.

Konzertreisen

Zunächst probte man alle vier Wochen, später alle zwei Wochen und jetzt jede Woche. Hinzu kommen Sonderproben vor den Aufführungen. "Wir haben gemerkt, dass, wenn der Zeitraum zwischen den Proben so lang ist, vieles verloren geht", so Popp. Wichtig sind ihm auch der Kontakt und das gemeinsame Musizieren mit anderen Chören sowie das Einbeziehen der Jugend - wie zum Beispiel vom Teenie-Chor "Bellets" CVJM Marktrodach unter Leitung von Christiane Grießbach.

Seit 2006 unternimmt der Dekanats-Chor Kronach internationale Konzertreisen mit dem Konzertchor Coburg Sängerkranz. Das gemeinsame Musizieren führte die Chöre durch viele Kirchen Europas. "Wir wurden überall herzlich empfangen und unsere Musik kam immer sehr gut an. Es hat noch in keiner Kirche geheißen, wir dürften nicht wiederkommen", erzählt Popp. Viele Momente seien ihm in besonderer Erinnerung geblieben - so beispielsweise der Auftritt im Salzburger Dom, als man mit zehnminütigen "Standing Ovations" vom Publikum bedacht wurde, oder in der Cathedrale di Cremona mit einer Life-TV-Übertragung. Popp würdigt den Zusammenhalt und das freundschaftliche Verhältnis im Chor. "Wir sind wie eine Familie, die Stimmung ist gut. Es macht allen Spaß, aber es soll natürlich auch etwas Gutes dabei herauskommen", betont Popp.

Dass bei den Proben für die Johannes-Passion etwas "Gutes" herausgekommen ist, davon können sich alle Musikfreunde am Karfreitag ab 19 Uhr in der Markgrafenkirche in Seibelsdorf überzeugen.

Die Johannes-Passion

In seiner Johannes-Passion von 1724 schildert Bach die Dramatik der letzten Tage im Leben Christi. Das Werk zählt zu den eindrucksvollsten Vertonungen der Leidensgeschichte Jesu.

Wie viele seiner Kompositionen hat Bach die Johannes-Passion mehrfach bearbeitet. Die Bearbeitungen betreffen sowohl die Instrumentation als auch die Umstellungen in der Satzfolge und nicht zuletzt das Hinzufügen beziehungsweise das Ergänzen neuer Partien. Eine endgültige Fassung von Bachs Hand liegt nicht vor. Die Uraufführung war am 7. April 1724. Die Textgrundlage bildet der biblische Bericht des Evangelisten Johannes (Joh. 18 und 19) zusammen mit den Einschüben aus dem Matthäusevangelium (Matth. 26,75 und 27,51-52). Die Kirchenlieder entstammen dem gängigen Repertoire der Bachzeit und weichen nur in wenigen Fällen von der jeweiligen originalen Gestalt ab. Ob Bach die Zusammenstellung des Textes alleine besorgte oder mit Hilfe eines (unbekannt gebliebenen) Dichters, lässt sich heute nicht mehr feststellen. (Nach Peter Lüttig).

Solisten: Johannes Puchleitner (Tenor) - Evangelist, Daniel Blumenschein (Bass) - Christus, Andrea Wurzer (Sopran), Stefanie Schmitt (Alt), Rainer Grämer (Bariton), Hisachi Fujiyama (Bariton), Leitung: Marius Popp

Vorverkauf: Eintrittskarten gibt es bei allen evangelischen Pfarrämtern im Dekanat Kronach-Ludwigsstadt zu den üblichen Bürozeiten sowie Restkarten an der Abendkasse. Der Eintritt beträgt 15 Euro für Erwachsene sowie acht Euro für Schüler und Studenten.

Proben des Dekanats-Chors finden mittwochs 19.30 Uhr bis 21.30 Uhr im Gemeindehaus an der Kronachallee statt.

Der Kronacher Dekanatskantor Marius Popp ist seit 2003 Gründer und Leiter des Dekanats-Chors Kronach sowie Gründer des Internationalen Orgelzyklus Kronach (2003). Er leitet seit 2006 den Konzertchor Coburg Sängerkranz und unternimmt seit 2007 regelmäßige Konzertreisen ins Ausland mit dem Sängerkranz und dem Dekanats-Chor Kronach. Seit 2007 ist er Leiter des Lehrerchores im BLLV Kronach, seit 2011 arbeitet er mit dem Deutschen Ärztechor zusammen. Seit 2012 ist er Gründer und Leiter des Süddeutschen Ärztechors und Ärzteorchesters. 2012 gründete er den Internationalen Kirchenchor-Wettbewerb Kronach. Mehrere Komponisten vertrauten ihm die Uraufführung ihrer Werke an. Es erfolgten CD- und Rundfunkaufnahmen und eine rege Konzerttätigkeit im In- und Ausland. Seit 2007 besteht die fruchtbare Zusammenarbeit mit der Vogtland Philharmonie.