Die Auto- und Lasterfahrer können aufatmen. Schon bald gehören die vielen Kurven auf der Bundesstraße 303 zwischen Seibelsdorf und Rugendorf der Vergangenheit an. Seit Monaten wird an der drei Kilometer langen neuen Trasse eifrig gebaut. "Ende des Jahres wollen wir das Projekt abgeschlossen haben", informierte Bauoberrat Siegfried Beck vom Staatlichen Bauamt Bayreuth, das die Arbeiten federführend betreut, auch wenn einige Hundert Meter auf Seibelsdorfer Flur und damit im Zuständigkeitsbereich des Bauamts Bamberg liegen.



Damit die Autos aber auf der neuen und geraden Straße nicht mit hohem Tempo in den Marktrodacher Ortsteil Seibelsdorf rasen, wird am Ortseingang eine Verkehrsinsel als Überquerungshilfe gebaut. Die dient zur "Entschleunigung". Darüber freut sich Bürgermeister Norbert Gräbner (SPD): "Bisher haben die Autofahrer, die aus Richtung Rugendorf kamen, nach den engen Kurven noch mal richtig Gas gegeben - und dann war schon das Ortsschild von Seibelsdorf da." Künftig sehe man die Verkehrsinsel schon von weitem und könne die Geschwindigkeit vermindern.

Ortsumgehung dauert noch
Denn bis zu einer Ortsumgehung von Seibelsdorf werden wohl noch zehn bis 15 Jahre ins Land ziehen. Die Gemeinde hoffe zwar auf einen baldigen Baubeginn, aber selbst wenn - wie beantragt - die Umgehung Seibelsdorf in den vordringlichen Bedarf aufgenommen werde, sei in den nächsten Jahren nicht mit Bauarbeiten zu rechnen. Die Umgehung von Seibelsdorf werde nicht hangseitig geplant, wie früher einmal angedacht, sondern talseitig.

30.000 Euro für den Gehweg
Bei den Kosten für die Bauarbeiten der B 303 neu ist die Gemeinde mit 30.000 Euro "dabei", denn der Gehweg am Ortseingang von Seibelsdorf wird neu angelegt. Und dessen Kosten muss die Gemeinde tragen. Die zahlt Norbert Gräbner gern, denn damit erreicht man einen beliebten Wander- und Spazierweg von Seibelsdorf Richtung Rugendorf künftig gefahrloser.

Die Dörfer wachsen zusammen
Die Auto- und Lasterfahrer dürfen übrigens einen Großteil der neuen Trasse schon in wenigen Wochen benutzen. Spätestens Anfang Juli werden sie auf dem neuen Asphalt zwischen Rugendorf und der Landkreisgrenze - dort, wo die S-Kurve ist - rollen können. Über eine behelfsmäßige Rampe geht's dann auf die alte Straße bis Seibelsdorf.

Dann kann die Firma Rädlinger den Rest der Strecke fertig bauen, denn die neue Trasse liegt mehrere Meter höher als die alte. Zwei Bypässe bei Rugendorf und Seibelsdorf am Anfang und Ende der Ausbaustrecke wurden - wegen der Dauer der Bauarbeiten - asphaltiert und werden später wieder zurückgebaut. Die alte Bundesstraße soll als landwirtschaftlicher Weg weiter benutzt werden können. Dabei verzichtet das Bauamt - auf Wunsch der Gemeinde Marktrodach - auf den Rückbau auf drei Meter Breite.

Ein weiteres "Zuckerl" für den Bürgermeister ist der neue Radweg zwischen Seibelsdorf und Rugendorf. "Die beiden Dörfer werden weiter zusammenwachsen", ist sich Norbert Gräbner sicher. Auch an den Lärmschutz wurde gedacht. Berechnungen des Bauamts haben ergeben, dass für fünf Seibelsdorfer Häuser Lärmschutzmaßnahmen, vor allem entsprechende Fenster, nötig sind.

Zwei Regenüberlaufbecken
Das Regenwasser - da ist vor allem an Gewittergüsse gedacht - der neuen Bundesstraße wird übrigens in zwei großen Regenüberlaufbecken am Kaulbach bei Rugendorf und der Losnitz bei Seibelsdorf aufgefangen und den Flüsschen, nachdem sich Sedimente abgesetzt haben, wieder zugeleitet. Die Losnitz ist ein seltsames Gewässer: Im Sommer sieht man sie nicht, weil sie ausgetrocknet ist, aber nach einem Gewitterregen schwillt das unscheinbare Flüsschen zu einem reißenden Wildwasser an.

Siegfried Beck, der für den Kreis Kulmbach zuständige Abteilungsleiter des Bauamts Bayreuth, ging auf einige Zahlen rund um die Baumaßnahme ein: Der drei Kilometer lange Streckenabschnitt zwischen Rugendorf und Seibelsdorf wird etwa fünf Millionen Euro kosten. Die reinen Straßenbaumaßnahmen schlagen mit rund 3,7 Millionen Euro zu Buche.

Im April 2012 wurde mit dem Brückenbauwerk (12,4 Meter Stützweite) bei Losau begonnen. Unter der Brücke wird die Gemeindeverbindungsstraße nach Losau durchgeführt und die Losnitz plätschert dahin. Im September 2012 wurde mit dem Streckenbau begonnen, der sehr zügig vorankam.

Die bisherige Bundesstraße ist sechs Meter breit und hat laut Beck "eine unterste Linienführung mit fehlenden Haltesichtweiten". Besonders im Bereich der Landkreisgrenze Kulmbach/Kronach sei sie durch eine "ausgeprägte Unstetigkeit in der Linienführung" geprägt. Die neue Bundesstraße erhalte eine Fahrbahnbreite von siebeneinhalb Metern sowie eine "stetige Linienführung mit Kurvenabflachungen und Kuppenausrundungen". Der landwirtschaftliche Verkehr werde auf die alte Bundesstraße bzw. auf neu zu bauende parallele Wege verlagert.
Den Ausbau der Bundesstraße begründete Beck mit der großen Verkehrsbelastung. Pro Tag wird sie von durchschnittlich 3708 Fahrzeugen benutzt, davon 443 Lastern (7,2 Prozent).