Zuversicht und Hoffnung, Helligkeit und Leichtigkeit - ungewöhnliche Klänge für eine Passion: Gottfried August Homilius leuchtet die Leidensgeschichte Jesu ganz anders aus als andere Komponisten. Das Spenden von Trost besitzt in seiner teilweise fast schon beschwingten Version besonderes Gewicht. Er schuf sie nach der Schilderung des Johannes, der als letzter der Evangelisten die Geschichte der Kreuzigung niederschrieb.

Glanzvoller Höhepunkt

Es war ein glanzvoller Höhepunkt kirchlicher Musik, den der Dekanats-Chor Kronach unter fein nuanciertem Dirigat von Dekanatskantor Marius Popp am Karfreitag in der Markgrafenkirche Seibelsdorf bot. Ein bewegendes Konzert mit Solisten und Orchester, das erleben ließ, wie eindrücklich, lebendig und berührend das geschriebene Wort durch die Kraft der Musik werden kann.

Die Johannespassion im Übergang vom Barock zur Klassik schildert in Chorälen, Chören, erzählenden Rezitativen und Arien auf packende Art die Leidensgeschichte Jesu bis zu seinem Tod und setzt sie spannend in Musik um. Die Kompositionen des zu Lebzeiten angesehenen Musikdirektors der drei Dresdner Hauptkirchen waren sehr beliebt und außerordentlich verbreitet, stehen heute aber in Bachs Schatten.

Mild statt monumental

Homelius' Klangsprache ist dabei milder als die monumentale Wucht der Bach-Passionen, wodurch seine Musik auch nicht so erschütternd wirkt. Vielmehr strahlt sie selbst im Angesicht des Todes Hoffnung aus.

Schlichte Melodien rühren das Gefühl an; die Rezitative erscheinen als einfühlsame, anteilnehmende Erzählung. Herrliche Choräle kommentieren das Geschehen. Die Rollenaufteilung kennt man von Bach. Im Zentrum steht der Tenor-Evangelist als Erzähler, der das Solisten-Ensemble anführt. Textverständlich und akzentuiert führt der großartige Johannes Puchleitner durch das Geschehen.

Mit Kraft und Hingabe

Bassist Rainer Grämer als Jesus fesselte einmal mehr mit Kraft und Hingabe - man könnte es auch "Seele" nennen. Mit Brillanz gestaltete Bariton Tobias Germershausen seinen Part.

Als ausgezeichnete Wahl erwiesen sich auch die mit großer Präsens in Erscheinung tretenden Katrin Küsswetter (Sopran) und Katarina Andersson (Mezzosopran). Mit ihren glockenreinen Stimmen sorgten sie für Emotionen: schön, stilvoll und mit strahlenden, facettenreichen Tönen.

Der bestens vorbereitete, sauber und textverständlich agierende Dekanats-Chor Kronach mit Tenor-Solist Alexander Fröba widmete sich hier überwiegend den oftmals schlichten, aber ausdrucksvollen Chorälen und emotionalen Volkschören. Das heuchlerisch unterwürfige "Wir dürfen niemand töten" stand im schroffen Kontrast zum fordernden "Nicht diesen, sondern Barrabam". Mit "Sei gegrüßt, lieber Jüdenkönig" zeigte sich der Chor süffisant spöttisch.

Hervorragende Akustik

Die Rufe "Kreuzige" und "Weg mit dem, kreuzige ihn" vibrierten von Aufruhr. Die hervorragende Akustik rundete den Chorklang schön ab; die Töne schienen mit dem Gebäude eins zu werden.

Mit wohl dosierten Tempovorgaben führte der Dekanatskantor das durch edle Tonqualität bestechende Popp-Consortium in immer neue Spannungsbögen. Gemeinsam verhalfen alle Mitwirkenden dieser musikalischen Kostbarkeit zu neuem Leben, die zweifellos mehr als würdig ist, wieder mehr Beachtung in der heutigen Konzertwelt zu erlangen.

Auffallend ist die besondere Rolle der Hörner, obwohl Blechblasinstrumente damals nicht in eine Passionsmusik gehörten. Doch Homilius sieht den Tod Christi als Teil von Gottes Heilsplan und Notwendigkeit zur Erlösung der Menschheit.

Darum überlagert die freudige Hoffnung auch in der Musik häufig die Trauer - so auch im feierlichen Schlusschor "O Gottes Lamm" in der Hoffnung auf ein "Danach", ein helles, strahlendes Osterfest!