Eine Eule soll es werden! Rainer Vormbrock hat einen entsprechenden Prototyp dabei. Er tastet und schaut. Dann greift er beherzt zu Meißel und Hammer, um damit einen Sandstein auf seinem stabilen Arbeitspodest zu bearbeiten. "Man darf nicht so kräftig schlagen. Man braucht Feingefühl", erzählt der 70-Jährige aus der Marktgemeinde Küps, der ausgestattet mit einer blauen Latzhose, weißem T-Shirt, einem roten Halstuch und einer Schildmütze, aber auch auf Grund seiner lockeren Art wesentlich jünger wirkt.

Er und weitere - zum Teil von weither angereiste - Frauen und Männer, nehmen bei der Sommerakademie an der ersten Kursstaffel des Jahres auf der Festung Rosenberg teil. Gemeinsam machen sie sich daran, den Sandstein - das wie kein zweites Material das Bild der Lucas-Cranach-Stadt prägende Ausgangsmaterial - in ein kleines Kunstobjekt zu verwandeln. Im Falle von Rainer Vormbrock in eine Eule.


Kreative Köpfe sind am Werk

Insgesamt 19 kreative Köpfe werden heuer bis zum 19. Juli an drei Kursen teilnehmen. Vor der unvergleichlichen Kulisse und unter professioneller Anleitung durch den akademischen Bildhauer und Leiter der Sandstein-Werkstatt, Heinrich Schreiber, schaffen sie Reliefs, Ornamente oder Figürliches.

Rainer Vormbrock ist ein Novize der Bildhauerei. "Ich bin zwar kreativ und arbeite gerne manuell, aber eigentlich eher mit Holz. Das letzte Mal, dass ich Stein bearbeitet habe, war vor weit über 50 Jahren beim Kunstunterricht in der Schule. Das war aber ein viel weicheres Material, nämlich Ytong-Beton. Den konnte man sogar mit einer Nagelfeile bearbeiten", erzählt Vormbrock.

In den Kreis Kronach gezogen

Erst seit zwei Jahren lebt er fest im Landkreis. Er ist ein echter Schlossherr, wohnt er doch zusammen mit seiner Frau im Jagdschloss Nagel. "Meine Frau ist eine geborene von Künsberg, die ja lange Zeit in der Umgebung von Küps zusammen mit den von Redwitz das Sagen hatten", erklärt er. Seine Ehefrau habe das Schloss von ihren Eltern geerbt. Seit rund 25 Jahre saniere man es, wofür man auch die Bayerische Denkmalschutzmedaille erhalten habe.

In dieser Zeit sei man ständig zwischen seiner Heimat Nordrhein-Westfalen und Nagel gependelt. Nach dem Tod seiner Schwiegermutter habe man schließlich den Wohnsitz fest hierher verlegt. Dennoch sei er noch viel im Rheinland unterwegs - insbesondere in ehrenamtlichen Funktionen. So engagiere sich der ehemalige Leiter einer Sonderschule in Düsseldorf beispielsweise noch immer sehr im Bereich der Behindertenarbeit.

Kurs wird unterbrochen

Leider sei jetzt auch noch ein Sterbefall in seinem engen Bekanntenkreis eingetreten. "Ich werde daher zunächst nur diesen Montag und Dienstag an meinem Stein arbeiten. Dann werde ich für eine Woche ins Rheinland fahren. Aber spätestens am Dienstag nächster Woche werde ich meine Arbeit hier wieder aufnehmen", erklärt er und lobt, dass ihm dies von Heinrich Schreiber ermöglicht werde.

Angesichts dieser Umstände habe er sich auch für einen eher kleinen Stein entschieden. Einen bestimmten Platz für seine Eule hat er noch nicht auserkoren. "Unsere Parkanlage ist groß genug. Da gibt es einige Ecken, wo sich der Stein gut machen würde. Vielleicht stelle ich ihn auch in den Garten meiner Frau", verrät er schmunzelnd.
Als anstrengend empfindet er die Arbeit - wohl auch bedingt durch die Größe seines Steines - nicht. Seine Teilnahme an der Werkstatt ist übrigens ein Weihnachtsgeschenk seiner Ehefrau.

Obwohl er ja noch "neu" auf dem Gebiet sei, gefällt ihm der Kurs sehr. "Ich mag die Art und Weise, wie das hier abläuft. Die Teilnehmer sind alle sehr nett. Es geht sehr freundlich zu. Und wie der gute Heinrich auf die Leute zugeht, gefällt mir. Die Sonne scheint auch. Außerdem freut es mich, dass der Bürgermeister persönlich zur Eröffnung kommt. Das ist alles sehr positiv", resümiert er.

Weite Anreise in Kauf genommen

Und in der Tat ließ es sich Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein (FW) wie schon in den Vorjahren nicht nehmen, der Bildhauer-Werkstatt bei der Eröffnung einen Besuch abzustatten. "Ich freue mich, dass heuer wieder drei Kurse unter Leitung unseres Ehrenbürgers, dem Schreibers Heiner, zu Stande kommen", so das Stadtoberhaupt. Beeindruckend sei, dass viele Gäste wieder einen langen Anfahrtsweg auf sich genommen hätten, um dabei zu sein - so beispielsweise aus Köln, Garmisch-Partenkirchen, Berlin oder Leverkusen.

Und was sagt nun Heinrich Schreiber, der sich eigentlich mehr als Freund der Teilnehmer denn als Leiter der Sandstein-Werkstatt sieht, zur neuen Kursstaffel? Zunächst freut er sich, dass alle Teilnehmer noch sehr jung und frisch aussähen. In einer Woche, wenn sie der Stein vielleicht in die Knie gezwungen habe und ihre Hände eingebunden seien, könne das ganz anders aussehen, meinte er augenzwinkernd.

"Das Entscheidende ist, wie die Leute ihren Hammer halten und dass sie sich anständig aufführen - nicht, dass noch die Festung angegriffen wird", ergänzte er in seiner unnachahmlichen Art. Wenn man lange genug auf dem Stein herumklopfe, gebe es eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder es entsteht eine Form, die man angucken kann und die einigermaßen wie geplant aussieht - oder der Stein zerfällt zu Sand. Na, dann!