Es wäre nur um drei Wochen gegangen, bis zumindest ein Teil der verstorbenen Senioren hätte gerettet werden können. Lange blieb die Einrichtung von einem Corona-Ausbruch verschont. Doch eine Woche nach der ersten Impfung hat das Gesundheitsamt die ersten Fälle bestätigt: 20 Bewohner und vier Mitarbeiter hatten sich bis zum 4. Januar im Küpser Altenpflegeheim Sonnen-Blick mit Covid-19 infiziert . Auch aus der zweiten Einrichtung, dem Altenpflegeheim Haßlach-Blick in Stockheim, gab die Einrichtungsleiterin Silvia Meusel erste Fälle bekannt.

Wie ein Lauffeuer

Die Fälle stiegen an. In Küps lag der Höchststand bei 36 positiv getesteten Bewohnern (von insgesamt 42). In Stockheim haben sich 19 der 30 Bewohner infiziert . Doch das Schlimmste für Leiterin Meusel und ihre Kollegen ist die Sterberate . In Küps sind zehn Bewohner an den Folgen der Erkrankung gestorben. In Stockheim drei. Die beiden Einrichtungen, die von Silvia Meusel und ihrer Mutter Andrea Backer geleitet werden, haben in kürzester Zeit 13 Menschen ihr Leben verloren. Vor allem in Küps zeigt sich eine Situation, mit der viele Mitarbeiter noch zu kämpfen haben, sagt die Leiterin: "Wir wissen ja, dass die Leute bei uns sterben. Aber das ist eine Situation, die wir derzeit nicht begreifen können."

Erste Impfung im Landkreis

Dabei war die Einrichtung bereits kurz vorm Ziel. Mit einem Tag Verspätung hat das Sonnen-Blick als erste Einrichtung im Landkreis Kronach am 28. Dezember das Impfteam empfangen. Damals wurden insgsamt 80 Bewohner und Mitarbeiter geimpft . Am Mittwoch, 27. Januar, erhalten die Gesunden die zweite Impfung . Bis der volle Impfschutz aufgebaut ist, dauert es wahrscheinlich noch sieben bis zehn Tage nach der zweiten Impfung .

Derzeit sind noch drei Bewohner und ein Mitarbeiter in Küps positiv getestet sowie drei Mitarbeiter und vier Bewohner in Stockheim. Auch Silvia Meusel und ihre Mutter zählten zu den Covid-19-Fällen, berichtet sie am Telefon. Das kam in den vergangenen Wochen erschwerend hinzu. Während viele ihrer Mitarbeiterinnen Überstanden gemacht haben und den Tagesablauf unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen organisieren mussten, konnten Leiterin und Geschäftsführerin nur telefonisch unterstützen. Seit 18. Januar ist Silvia Meusel wieder zurück und erlebt, wie sich die Situation langsam entspannt.

Nicht nach Schuldigen suchen

Sie will nicht nach Schuldigen suchen, sagt sie. Auch wenn zwei Tage nach dem Ausbruch die Frage im Raum stand, wie sich das Virus an die Kontrollen und Sicherheitsvorkehrungen vorbei in der Einrichtung ausbreiten konnte. "Es ist egal. Fakt ist, das Virus ist da. Es ist falsch etwas in die Welt zu setzen und dem Impf-Team die Schuld zu geben", sagt Silvia Meusel und spielt damit auf den Konflikt in Lichtenfels an, als kurz nach dem Ausbruch ein Einrichtungsleiter Schuldzuweisungen Richtung Gesundheitsamt und Impf-Team ausgesprochen hat. Auch nach der Impfung , betont die Leiterin, seien alle Tests gemacht und Sicherheitsmaßnahmen eingehalten worden.

"Wir arbeiten darauf hin, dass die Normalität zurückkehrt", sagt sie und blickt zurück auf eine Zeit, in der die Einrichtungen auch viele Unterstützer gefunden hat. Bundeswehr und THW , die die Schleuse eingerichtet haben, andere Hilfseinrichtungen und die Anrufe und Nachrichten aus der Bevölkerung : Viele Menschen haben den Mitarbeitern Durchhalteparolen geschickt und sogar Essen ausgegeben. Bald beginnt die Aufarbeitung der schrecklichen Wochen.