Noch cooler, als er vorher schon war - im "rekordverdächtigen" Zeitraum von gut zwei Monaten erfuhr der Jugend- und Kulturtreff "Struwwelpeter" in der Rodacher Straße eine Sanierung. Der große Saal, die Toiletten, Fenster, der Eingang zum Café und viele weitere kleinere und größere Dinge wurden mit viel Liebe zum Detail modernisiert, ohne dass das besondere "Struwwel"-Flair verloren ging. Nachdem die Baumaßnahmen bis auf Kleinigkeiten abgeschlossen sind, wurde nun das gute Gelingen gefeiert.

Am Vormittag kamen die Träger des Hauses - Stadt und Landkreis Kronach sowie das Jugendamt der Erzdiözese Bamberg - mit dem pädagogischen Team zur kleinen internen Feier zusammen. "Im Haus ist viel passiert", freute sich "Struwwel"-Leiter Samuel Rauch, der allen an der Umsetzung Beteiligten dankte und die nun schon 22-jährige hervorragende Zusammenarbeit der drei Träger hervorhob. Das außergewöhnlich gute Miteinander habe sich auch bei der Sanierung gezeigt - ein wichtiger Schritt in die Zukunft.

Jugendliche packten mit an

Der Architektin Dorothea Dietrich vom Büro 3 D in Kronach dankte er ebenso wie Uwe Koch von der Stadt Kronach für die große Unterstützung. Sie seien mit viel Herzblut dabei gewesen - wie auch das Team, das voll angepackt und beispielsweise gemeinsam mit den Jugendlichen die umfangreichen Malerarbeiten gestemmt habe. Ein Dank galt auch dem Struwwelpeter-Trägerverein für das große Schild an der Haus-Außenwand, das noch - für ein nächtliches Beleuchten - mit einer Lichtleiste versehen wird.

"Das sieht so toll aus", zeigte sich die stellvertretende Leiterin des Jugendamts der Erzdiözese Bamberg, Susanne Krogull, begeistert vom "kaum noch wiederzuerkennenden" großen Saal. Die Kooperation mit Stadt und Landkreis Kronach sei in dieser Form einmalig. Normalerweise müsste sich die Stadt selbst um ihr städtisches Gebäude kümmern und auch die Sanierung tragen. "Wenn aber eine Kooperation tragfest sein soll, dann kann man sich dem nicht verschließen", verdeutlichte sie, dass der übernommene Kostenanteil zugleich auch eine Wertschätzung für die im "Struwwel" geleistete hervorragende Arbeit sei. "Das Team leistet Unfassbares - gerade auch für solche, die es zu Hause nicht so einfach haben", stellte sie heraus.

Besonders positiv sei es, Menschen in der Einrichtung zu einer Arbeitserlaubnis - beispielsweise an der Theke - verhelfen zu können. Das Team gebe gerade auch jungen geflüchteten Menschen eine Heimat. Wenngleich das Äußere neu sei, bleibe doch der Kern des Hauses das Herz - und das stimme! Ein großes Anliegen war ihr der Dank an den ehemaligen Mitarbeiter der Stadt Kronach, Hubert Zapf, der - als treibende Kraft im Hintergrund - die Entwicklung des Jugendzentrums mit großem Engagement begleitet habe.

Lernen für das ganze Leben

"Der Struwwelpeter war von Anfang an eine Erfolgsgeschichte", würdigte Kronachs Bürgermeisterin Angela Hofmann die hier seit über zwei Jahrzehnten durchgängig geleistete Jugendarbeit auf hohem pädagogischen Niveau. "Die passende Hardware ist die Voraussetzung, damit die Software laufen kann", zeigte sie sich überzeugt. Längst sei der "Struwwel" Anlaufpunkt für Jugendliche aus dem ganzen Landkreis. Diese lernten hier soziale Kompetenzen für das ganze Leben. Lobenswert sei ihre Einbindung in die Planung sowie Ausführung der Baumaßnahmen, wodurch diese sich ernst genommen fühlten und zugleich eine engere Bindung zum Gebäude aufbauten.

Kosten: 240 000 Euro

Erfreulicherweise blieben die Baumaßnahmen in Höhe von 240 000 Euro voll im Kostenrahmen. Neben dem Anteil der Stadt von 100 000 Euro leisteten der Landkreis Kronach und die Erzdiözese Bamberg einen Beitrag von je 50 000 Euro. 40 000 Euro steuerte die Oberfrankenstiftung bei. Wenngleich die Sanierung - Beginn war am 3. August - schnell vonstattengegangen sei, habe sich die Vorplanung doch länger hingezogen. Erste Diskussionen gab es bereits im Juni 2016.

"Von den 50 000 Euro des Landkreises ist jeder Cent gut angelegt", schloss sich ihr stellvertretender Landrat Gerhard Wunder an. Der Landkreis sei für seine Bürger da. Wenn es die Möglichkeit gebe, Einrichtungen finanziell zu unterstützen, ergreife man diese gerade auch hier, um jungen Leuten etwas zu bieten.

Fördervereins-Vorsitzender Christian Kreuzer bedachte das Team mit einem Mandarinenbäumchen mit Symbolcharakter. Zum einen sei es klein und solle - auf stabilem Fundament - noch wachsen. Zum anderen helfe der "Struwwel" jungen Leuten dabei, Wurzeln zu schlagen - gerade auch solchen, die entwurzelt ankämen. Drittens durchliefen die Jugendlichen hier einen Reifeprozess. Nicht zuletzt gehe es auch um die Nachhaltigkeit; könne doch die hauswirtschaftliche Mitarbeiterin Natascha Christmann sicherlich etwas Leckeres daraus zaubern. Ein Geschenk dabei hatte auch die Architektin Dorothea Dietrich - einen Gutschein eines Baumarkts, besteht doch noch Bedarf an Bauartikeln. "Der Auftrag hat Spaß gemacht, weil alle Beteiligten so toll mitgezogen haben", würdigte sie.

Am Nachmittag waren Interessierte aller Altersgruppen eingeladen, sich von den Mitarbeitern durch das Haus führen zu lassen. Dabei beantwortete das Team auch Fragen zur Einrichtung und seinen Angeboten.