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KITZINGEN

Zweimal täglich Bier für das Gusswerk

Die Ausstellung Hopfen & Malz – Kitzinger Brautradition in der Rathaushalle ist zu Ende. Rund 8000 Besucher haben sie sich angeschaut und gestaunt.
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Auf dieser Postkarte ist die gesamte Brauereianlage der Henningbräu einschließlich der Gaststätte in unmittelbarer Nähe des Kitzinger Bahnhofs zu sehen. Die komplette Brauerei ist beim Bombenangriff am 23. Februar 1945 zerstört worden. Die Gaststätte in der heutigen Friedrich-Ebert-Straße gibt es noch. Foto: Archiv-Fotos: Stadtarchiv Kitzingen
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Die Ausstellung Hopfen & Malz – Kitzinger Brautradition in der Rathaushalle ist am Sonntag zu Ende gegangen. Rund 8000 Besucher haben sie sich angeschaut und gestaunt, wie viele Brauereien die Weinhandelsstadt einst ausmachten.

Parallel zur Ausstellung haben wir in einer kleinen Serie bisher die großen Brauerein wie Bürgerbräu, Kleinschroth oder Scheuernstuhl vorgestellt. Wie aus dem von den Ausstellungsmachern Renate Haass und Klaus Christof erstellten Katalog (250 Seiten) hervorgeht, haben aber auch kleinere Brauereien zur Kitzinger Brautradition beigetragen.

Die Brauerei Carl Lang zum Beispiel. Die Gründung einer Braustätte in der Herrngasse 124 durch Christian Lösch war 1814 der Ausgangspunkt für die spätere Brauerei Carl Lang. Eine zugehörige Brauereischenke wird erstmals 1829 erwähnt. 1835 verkaufte Christian Lösch sein Brauhaus an Christoph Ackermann aus Repperndorf, dessen Sohn Bernhard den Betrieb 1884 an Leonhard Thauer veräußerte.

Der Brauer Carl Lang

Von dessen Sohn Wolfgang Thauer erwarb schließlich Carl Lang, der aus Dinkelsbühl stammte, im Jahr 1904 die Brauerei und führte sie mit großem Erfolg bis 1937. Sohn Karl trat in die Fußstapfen seines Vaters und übernahm das Erbe. Bei der Bombardierung Kitzingens am 23. Februar 1945 musste er mit ansehen, wie die gesamte Brauerei ausbrannte.

Trotz dieses Schicksalsschlags baute er diese wieder auf und konnte in den neuen Gebäuden 1954 das 50-jährige Betriebsjubiläum feiern. Die Zeitung berichtete damals, dass die Brauerei Lang wieder Bier in beachtlichem Umfang produzierte. Karl Langs bester Kunde war zu jener Zeit das Gusswerk von Fichtel & Sachs, dessen 1000 Arbeiter er zweimal täglich mit Bier beliefern musste, um den Durst der staubigen Kehlen rund um die Hochöfen zu löschen.

Obwohl Lang noch im Jahr 1959 ein neues Wohnhaus mit einer Brauschänke fertiggestellt hatte, legte er bereits 1960 den Braubetrieb still und verpachtete die Gaststätte. Nach der Überplanung des Brauereiareals für die Errichtung des Sparkassenneubaus gingen die Betriebsgebäude in die Hände des Geldinstitutes über. In den 1980er Jahren fielen sie in die Abbruchmaßnahme, ebenso wie die Kelleranlagen.

Das Brauhaus Kitzingen

Der Brauer Adam Groß, Betreiber einer kleinen Bierproduktion in der Schweizergasse, ergriff 1865 die Chance sich außerhalb der Altstadt in unmittelbarer Nähe des gerade eröffneten Bahnhofs anzusiedeln. Die Gastgerechtigkeit übte er im neuen Gasthaus „Zur Stadt Würzburg” in der Bahnhofstraße aus. Seine Brauerei entstand hinter der Gaststätte.

Nach dem Verkauf 1874 an einen J.F . Wagner gelangte das Unternehmen 1877 in die Hände des Unternehmerduos Bernhard & Heinlein, die die Braueinrichtung erweiterten und ergänzten. Es entstanden eine Bierhalle und Kegelbahn, ein neues Sudhaus, eine Darre und Eis- und Lagerkeller. 1887 trat der Brauer Georg Sammeth als neuer Besitzer auf den Plan und ließ zwei weitere Eiskeller erbauen, um die Kapazitäten zu erweitern, die nun unter dem Namen Brauhaus Kitzingen firmierte.

Die Ära Jean Henning begann 1902 mit dem Bau eines neuen Kesselhauses und der Investition in moderne Kunsteismaschinen, die die Eiskeller überflüssig machten. Bis zu seinem Tod im Jahr 1911 leitete Henning das Brauhaus Kitzingen–Henning Bräu überaus erfolgreich.

An seine Stelle trat Dr. Leo Kraft, der die Brauerei solide weiterführte. In den 1920er Jahren stieg er zusätzlich in das Mälzereigeschäft ein, doch die einsetzende Rezession machte ihm sehr zu schaffen und ließ ihn 1931 mit der Würzburger Hofbräu fusionieren, die den Braubetrieb in Kitzingen als „Würzburger Hofbräu AG“ fortführte.

Das Aus im Bombenhagel

Der Bombenangriff am 23. Februar 1945 und die komplette Zerstörung der Betriebsgebäude und Keller beendete die Geschichte der Brauerei. An einen Wiederaufbau war nicht zu denken. Nur die Gaststätte wurde umgebaut und renoviert und blieb in der Folgezeit, vor allem durch ihren Kastaniengarten, eine beliebte Anlaufstelle.