Der Schrecken saß schon mehrfach tief. Etwa im Januar 2003. Vielen Dettelbachern bot sich damals ein unschönes Bild: In Teilen der Stadt hieß es "Land unter". Besonders betroffen war seinerzeit der Bereich entlang der Dettel. Schon damals schwor man sich: Das soll möglichst nicht mehr passieren.

Im Grunde hat es Dettelbach gut: Als Schutz gegen Hochwasser gibt es den Damm der ehemaligen Bundesstraße 22. Wobei sich schon damals zeigte: Wasserdurchlässe unter der Straße können zum Problem werden. Und: Der Überlauf von Regenrückhaltebecken kann das Wasser auf die andere Seite der Straße laufen lassen. Kritisch ist ebenfalls der Rückstau der Dettel: Dann dringt Wasser aus dem Fluss in die Kanalisation ein und überflutet viele Bereiche.

Ein unschönes Schauspiel, das sich im Sommer 2008 wiederholen sollte: Bei zwei Starkregen Ende Juli und Anfang September verwandelten sich Fußwege in Schlammlawinen, wurden Grundstücke verwüstet und liefen Keller mit dreckiger, brauner Brühe voll. 

Startschuss im Jahr 2015

Richtig angegangen wurde der Schutz vor Hochwasser dennoch erst im Jahr 2015. Damals entschied der Stadtrat, einen Schutz gegen Hochwasser für Dettelbach und Mainsondheim zu gewährleisten, das im statistischen Mittel einmal in fünf bis zwanzig Jahren (HQ 20) vorkommt. Ein Ingenieurbüro erarbeitete zunächst ein Gesamtkonzept, ein erster Teilabschnitt des Hochwasserschutzkonzeptes wurde dann 2017 umgesetzt.

Im Sommer 2018 sollte es dann mit den nächsten Maßnahmen weitergehen. Auf unerklärliche Weise blieb das Projekt jedoch hängen: Der Ingenieurvertrag wurde nie rechtsverbindlich unterschrieben und die weiteren Baumaßnahmen entsprechend nicht ausgeführt. Unabhängig von der Frage, warum das Projekt seinerzeit aus den Augen verloren wurde, steht aber fest:  Der Hochwasserschutz ist nur wirksam, wenn das 2015 erarbeitete Gesamtmaßnahmenpaket erledigt ist.

Schutz geht ins Geld

Dem neuen Stadtrat fiel nun unter der Rubrik "unerledigt" das Thema Hochwasserschutz wieder in die Hände. Dabei war man sich bei der Stadtratssitzung am Montagabend rasch einig: Das damalige Konzept wird so schnell es geht zu Ende gebracht. Und, auch keine Frage: Man ist bereit, sich den Schutz etwas kosten zu lassen. Um den damaligen Plan zu Ende zu führen und für die Stadt Dettelbach einen vollständigen Schutz im HQ 20-Bereich zu bekommen, werden laut Ingenieurbüro mindestens noch einmal 350.000 Euro fällig.

Klar ist aber auch: Die Kostenschätzung ist sehr vorsichtig. Alles in allem, so wurde bei der Diskussion deutlich, dürften die Maßnahmen zum Hochwasserschutz laut Bürgermeister Matthias Bielek sogar in den siebenstelligen Bereich gehen. Wobei es in Mainsondheim besonders schwierig wird: Dort gibt es keinen Damm, und letztlich liegt man sogar zum Teil in einer Überschwemmungszone.

Mobiler Hochwasserschutz

Im Moment ist deshalb auch an eine mobile Hochwasserschutz-Anlage gedacht, die etwa 450 Meter lang ist und den Bereich zwischen den Schlossmauern abdecken soll. Wobei sich Stadträtin Monika Günzel, die aus Mainsondheim stammt, beim Anblick der Pläne ernüchtert zeigte, "wie flach wir doch liegen".

Manfred Berger (SPD) mahnte dabei die Dringlichkeit an: Es sei erstaunlich, "wie wenig wir seit 2009 gemacht haben". Deshalb würden jetzt "kleine Trippelschritte" nichts mehr bringen – die finale Lösung müsse her. "Nicht mehr auf die lange Bank schieben", gab denn auch das Stadtoberhaupt als Marschrichtung für die kommenden Monate an . Das Drama im Ahrtal, so Bielek, habe doch bei vielen für ein Umdenken gesorgt. Was sich dann auch bei der Abstimmung zeigte: Einstimmig mit 17:0 sprach sich das Gremium dafür aus, keine Zeit mehr zu verlieren und beim Hochwasserschutz jetzt Nägel mit Köpfen zu machen.