Welch wertvoller Schatz ein Obstbaumbestand für Vielfalt und Artenreichtum in der Natur ist, zeigte sich beim Gang durch die Großlangheimer Streuobstwiese, den der Arbeitskreis Langa in Zusammenarbeit mit der Bayern Tour Natur organisiert hatte. Maria Schmitt, die sich im vergangenen Jahr zur Streuobstführerin hatte ausbilden lassen, freute sich über das große Interesse der rund 50 Teilnehmer.

Jonas Braun vom Landschaftspflegeverband (LPV) erinnerte daran, dass die Flurbereinigung große Bestände von Obstbäumen in der Flur verschwinden ließ und erklärte, dass jetzt eine Kartierung der Obstbaumbestände im Landkreis Kitzingen mittels Luftbildaufnahme angelegt worden sei. Dabei habe sich leider auch gezeigt, dass ein Großteil überaltert sei, weshalb der  LPV Leute unterstütze, die Obstbäume neu pflanzen oder eine Streuobstwiese anlegen wollen. Erfreut zeigte sich Braun darüber, dass das Landkreisobst in diesem Jahr gut verteilt werden konnte: "Alle Bäume sind vergeben."

Früher gab es jede Menge Obstbäume in der Flur

Maria Schmitt erzählte, dass sie etwa einen Hektar Obstanlage "angeheiratet" habe, da ihr Mann Herbert einen großen Teil der Anlage von seinem Vater Heinrich übernommen hat, der den Obstbestand im Zuge der Flurbereinigung begründete. Herbert Schmitt und Marias Bruder Oskar Saum, der den gemeindlichen Teil der Anlage gepachtet hat, sind bei der Pflege des Streuobstbestands im Einsatz und am Südrand des Geländes kümmert sich Karl-Heinz Böhm für den Obst- und Gartenbauverein um die Obstbäume.

Früher sei die Großlangheimer Flur noch voller Obstbäume gewesen, aber um die Landwirtschaft weiter führen zu können, sei die Flurbereinigung unumgänglich gewesen, wie Maria Schmitt sagte. "Die Familie Saum hatte zum Beispiel rund 100 Parzellen zu bebauen". Damals sei aus den vielen Äpfeln Apfelwein, genannt Öpflpumpes, gewonnen worden.

Ein amerikanischer Apfel und seltene Exemplare

Sie stellte verschiedene Apfelsorten vor, unter ihnen auch den in der Anlage häufiger vertretenen Apfel "Golden Delicious", der aus den USA stammt. Zu sehen waren auch seltenere Exemplare, so zum Beispiel "Champagner Renette", der sich zur Sektherstellung eigne.

Deutlich wurde auch, dass auch ältere Bäume oder Totholz zu einer Streuobstwiese gehören, da sie nicht nur Höhlenbrütern, sondern auch verschiedensten Insekten Unterschlupf bieten. Zum botanischen und tierischen Reichtum einer Streuobstwiese tragen auch verschiedene Pflegemaßnahmen bei, etwa Kräuter lange stehen zu lassen und keine Spritzmittel zu verwenden.

Ein einziges Mal musste gegen den Frostspanner gespritzt werden, da sonst ein Teil der Bäume eingegangen wäre, wie die Streuobstführerin erzählte. Im südlich benachbarten Weyersbach hat der Biber eine Heimstatt gefunden – und ihm schmecken Äpfel wohl auch, wie an seinen Gängen ins Umland zu erkennen sei.