Kleinlangheim, Svenja: Bislang habe ich weder Schäufele noch Leberkäs-Brötchen probiert – und das, obwohl ich seit vier Monaten in Unterfranken lebe. Immerhin die Altfränkische Bratwurst kann ich nun abhaken – als fantastisch! Norbert: Der Mann vor mir fragt: „Heißt die Wurst altfränkisch, weil sie vom letzten Jahr ist?“ Der Wirt lacht: „Nein, es liegt an der Würzmischung – die Altfränkische ist würziger als die übliche“. Ja, stimmt: gut!
Test 2: Glühwein & Kinderpunsch
Castell, Svenja: Der Früchtepunsch hat sich seinen Namen redlich verdient – Orange konnte ich rausschmecken und einen Hauch Maracuja, vielleicht sogar Cranberry? Eine gelungene Mischung, die mich richtig schön von Innen gewärmt hat. Norbert: Eins steht fest: Der Glühwein schmeckt nach mehr, ganz offensichtlich war die Grundlage ein guter Wein. Beim Gewürzeerkennen bin ich eher schlecht, aber Zimt dürfte drin gewesen sein.
Iphofen, Svenja: Mein Punsch war, nun ja, zum Zähneziehen. Wobei meine Beißerchen vermutlich lieber freiwillig die Flucht ergriffen hätten – viel zu süß! Da könnte ich auch zwei Löffel Zucker pur essen. Wenn das mein Zahnarzt wüsste! Norbert: Der Glühwein an der Bude unterhalb des Rathauses war mir zu süß. Also ein zweiter Versuch: Und siehe da, am Stand vor der Kirche wurde ich glücklich, der Glühwein war würziger und nicht so süß.
Kitzingen, Svenja: In Sachen Süße macht dem Iphöfer Kinderpunsch keiner etwas vor – aber der Kitzinger kommt schon verdächtig nah dran. Ein Löffelchen Zucker weniger hätte ihm für meinen Geschmack gut getan. Norbert: Der Stadtmarketingverein hat am Glühweinstand Schwerstarbeit verrichtet. Wer es gerne süß mag, ist mit dem Roten gut bedient, für alle anderen ist der weiße Glühwein eine sehr gute Alternative.
Kleinlangheim, Svenja: Der Punsch hat mich an Rotbäckchen-Saft erinnert, den es früher immer bei meiner Oma gab. Nach Kindheit hat er geschmeckt – und nach kalten Wintertagen. Ein wohlig-warmes Gefühl im Bauch. Norbert: Normalerweise habe ich es nicht so mit Glühwein, mit weißem schon gar nicht. Aber der in Kleinlangheim schmeckt nach mehr. So einen würde ich öfter mal trinken, ist mit zwei Euro zudem extrem günstig.
Test 3: Fundstücke & Geschenke
Castell, Svenja: Weihnachtskarten gehören für mich ebenso zum Fest wie der Christbaum und das Abendessen mit der Familie. In Castell habe ich eine besonders originelle entdeckt: mit Engelsflügelchen aus Zeitungspapier. Wie passend! Norbert: Wenn schon Kitsch, dann richtig: Es gab im Reitstall einen quietschbunt geschmückten Weihnachtsbaum zu kaufen – nicht für mich, aber meine beiden Enkelinnen wären sicher verzückt gewesen.
Iphofen, Svenja: Was mich da auf einmal schief von unten anguckte, brachte mich schon zum Schmunzeln. Eine Frau trug eine Osterhasenfigur aus Holz über den Weihnachtsmarkt, zog damit direkt meinen Blick auf sich. Na dann: Frohe Ostern – wenn auch zur falschen Jahreszeit. Norbert: Mein Hit waren Pulswärmer, bei denen die Fingerspitzen frei bleiben – man muss ja schließlich vernünftig auf dem Smartphone tippen können.
Kitzingen, Svenja: Hoppla, das Schild musste ich schon zwei Mal lesen: Hanfsamen?! Ziemlich unscheinbar lagen sie neben den gebrannten Mandeln – die mussten doch probiert werden! Geschmacklich ein wenig wie Müsli-Kekse, aber mal eine schöne Alternative zu dem „gewöhnlichen“ süßen Zeug. Norbert: Hoffentlich gibt's die irre Puppenkleider-Auswahl im Rathauskeller auch noch, wenn meine Enkelinnen dafür im richtigen Alter sind.
Kleinlangheim, Svenja: Wer sich an Weihnachten richtig unbeliebt machen will, der sollte unbedingt das Buch „Fettfall 40 – Warum Diäten ab 40 ins Leere laufen“ verschenken. Gefunden in einer der Scheunen auf einem Wühltisch in Kleinlangheim. Norbert: Mit all den bunten Geschenken kann ich wenig anfangen. Aber einen Weihnachtsmann aus Gips, ganz in Grau und mit silberner Weihnachtsmütze, das hat was. Ziert jetzt unseren Adventskranz.
Test 4: Die Atmosphäre
Castell, Svenja: Ein kleines Lagerfeuer, ein als Weihnachtsmann verkleideter Drehorgelspieler und Stände, die in einer Reithalle untergebracht sind. Irgendwie ist das schon romantisch, oder? Norbert: Der Casteller Schlosspark ist eine Traumkulisse: Beim Weinfest, bei den Landhaustagen, bei vielen Festen – aber vor allem für den Weihnachtsmarkt. Da kann selbst einer wie ich immer wieder mal glänzende Augen bekommen.
Iphofen, Svenja: Atmosphärisch nicht ganz mein Fall. Die Stände waren mir zu weit verteilt, was ein wenig Gemütlichkeit genommen hat. Die Feuertonnen zwischen den Buden konnten allerdings punkten – nur musste man sich sein Plätzchen da schon erkämpfen. Norbert: Mir haben die vielen mit Zweigen und Kerzen bestückten Plätze zwischen den Buden gefallen, an denen man Glühwein oder Essen abstellen, einen netten Plausch führen konnte.
Kitzingen, Svenja: Der Kitzinger Weihnachtsmarkt hat für mich die ideale Größe – nicht zu klein, nicht zu unübersichtlich. Dazu die vielen Lichter, die meine Augen zum Leuchten gebracht haben. Einfach schön! Norbert: Die große Weihnachtskerze, der Mond, der Lichterglanz – nach Jahren des Suchens und Ausprobierens ist das Gesamtkunstwerk jetzt stimmig. Der Volltreffer war, die Autos zu verbannen: jetzt flaniert es sich ungestört.
Kleinlangheim, Svenja: Hunderte Teelichter in den Gassen haben uns den Weg zur Kirchenburg geleuchtet; die wohltuende Wärme in den Scheunen lud zum ausgiebigen Stöbern ein (für mich als Frierhippe ideal). Kurzum – eine gemütliche und heimelige Atmosphäre. Norbert: Alles, was mich am Nürnberger Christkindlesmarkt nervt, ist hier anders: Klein und fein, tolle Keller, entspannte Besucher, kein Geschiebe. Und dazu echt preiswert!
Test 5: Das Fazit
Castell, Svenja: Der Weihnachtsmarkt lebt vom Ambiente im festlich geschmückten Schlosspark. Wunderbar ist aber auch, dass ganz viele Bürger mit anpacken, angefangen bei Bürgermeister Jochen Kramer und dem Chef des Castell'schen Archivs, Jesko Graf von Dohna, die beide Glühwein und Punsch ausgeschenkt haben. Norbert: Dann noch Lagerfeuer und der Christbaumverkauf, mehr Weihnachtsstimmung geht kaum.
Iphofen, Svenja: Zugegeben, Kleinlangheim hat mich so begeistert, dass es Iphofen ein wenig schwer hatte. Aber: Wer auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken war, ist dort bestimmt fündig geworden – Schmuck, Deko, Naschereien, edlen Tropfen gab es reichlich. Norbert: Frisch gebrannte Mandeln gibt's überall. Doch meine unbändige Lust auf Süßes mit einer selbst zusammengestellten Mischung zu stillen, ist mein Iphofen-Hit gewesen: So liebe ich Advent.
Kitzingen, Svenja: Tausende Lichter funkeln an Bäumen und Buden, der rot angestrahlte Marktturm als größte Adventskerze Bayerns und dann noch der leuchtende Mond – das war romantisch. Norbert: Mir gefiel die Video-Installation in der evangelischen Stadtkirche mit dem fröhlichen Spiel der weißen Flöckchen auf der blau beleuchteten Wand über dem Altar. nett. Echter Schneefall wäre kaum spektakulärer gewesen.
Kleinlangheim, Svenja: Der Weihnachtsmarkt in der Kirchenburg hat einfach mit einem ganz eigenen Ambiente überzeugt, mit Gemütlichkeit und hübschen Ideen: Eine lebende Krippe mit Esel und Schafen, selbst gemachte Leckereien und ein Zaubertrank, der sich als weißer Glühwein mit Aperol getarnt hat. Norbert: Das Motto lautet offenbar: Man kennt sich, man trifft sich, jeder hat Zeit für ein kurzes Gespräch. Besinnlich und familiär.
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