Weihnachten im Hochsommer

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Baufreigabe: Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt mit Staatssekretärin Dorothee Bär (links) und der Wahlkreisabgeordneten Anja Weisgerber.
Foto: Bundesministerium
GEIS: Geiselwind kämpft
Nicht mehr zum Aushalten: Im März 2006 machen Politik und Vertreter der IG Lärm an der Autobahn deutlich, dass der Lärmschutz für Geiselwind möglichst schnell kommen muss.
GEIS: Geiselwind kämpft
Archiv-Foto: Cabolet
Sichtbarer Protest: Mitstreiter der IG Lärm stellten an den Ortseingängen von Geiselwind eigene Schilder und Transparente auf.
Archiv-Foto: Cabolet

Die gute Nachricht für die Geiselwinder: Der Ausbau der A 3 bei Geiselwind samt Lärmschutz beginnt noch dieses Jahr.

Die gute Nachricht für die vom Lärm geplagten Geiselwinder kam am Montag aus dem Bundesverkehrsministerium: Der Ausbau der A 3 bei Geiselwind samt Lärmschutz beginnt noch dieses Jahr. Und zwar als Vorwegmaßnahme vor dem Gesamtausbau zwischen den Autobahnkreuzen Biebelried und Fürth-Erlangen.

Sechs Streifen plus Lärmschutz – für Geiselwind ist das wie eine Erlösung. Der Zeitplan sieht so aus: 2015 geht's los, die Hauptmaßnahmen werden 2016 und 2017 abgewickelt. Im Süden der bestehenden Fahrbahnen wird eine neue Richtungsfahrbahn gebaut. Der rund fünf Kilometer lange Streckenabschnitt zwischen Fuchsberg bei Gräfenneuses und der Anschlussstelle Geiselwind soll im November 2017 fertig sein.

Geiselwinds Bürgermeister Ernst Nickel kämpft auf der politischen Seite seit 2004 im Rahmen der Interessengemeinschaft für Lärmschutz und Sicherheit (IG Lärm) für mehr Lebensqualität und Sicherheit. Ebenso wie IG-Lärm-Sprecher Peter Petschl, der allerdings im Oktober 2014 verstarb und den Erfolg seiner jahrelangen Bemühungen nicht mehr erleben darf.

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Begonnen hatte alles im September 2004. Damals rückten nach einem schrecklichen Unfall auf der Autobahn am 30. August die Bürger in Geiselwind zusammen. Erklärtes Ziel war, dass Mensch und Mobilität einen gemeinsamen Nenner finden.

Die erste Informationsveranstaltung der IG Lärm mit Sprecher Peter Petschl an der Spitze fand am 19. Oktober 2004 im Hotel Stern statt. In der Folge wurden Petitionen eingereicht und Treffen mit Politikern vor Ort organisiert. Eine Podiumsdiskussion mit Politikern und Behördenvertretern lockte am 21. Januar 2005 Hunderte von Besuchern aus der Drei-Franken-Stein-Allianz-Region nach Geiselwind. Damals zeigte der Leiter der Autobahndirektion Nordbayern Karl Wiebel Verständnis für die Forderungen der Anwohner und blieb wichtiger Ansprechpartner der IG Lärm, auch als er Ministerialdirigent in der Obersten Baubehörde in München wurde.

Im April 2005 holte sich eine Delegation mit Landrätin Tamara Bischof und mehreren Bürgermeistern an der Spitze im Bayerischen Landtag von Innenminister Günter Beckstein die Zusicherung der Planung des Ausbaus. Damit rückte das Ausbauvorhaben in den vordringlichen Bedarfsplan des Bundesverkehrsministeriums. 2005 folgte der Planungsbeginn. Die IG Lärm demonstrierte vor der Residenz in Würzburg und am Drei-Franken-Stein. Zudem säumten zahlreiche Plakataktionen den langen Weg.

Kampf ums Geld

Im Mai 2009 wurde im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens in der Steigerwaldhalle Wiesentheid das Bauvorhaben erörtert. Am 15. Dezember 2009 wurde von der Regierung Unterfranken für den Bauabschnitt Fuchsberg-Geiselwind Freigabe erteilt.

Seither kämpfte die IG Lärm um das Geld für den Ausbau. Von 2009 bis 2014 keimte öfter Hoffnung auf, eine Finanzierungszusage gab es jedoch nicht. Schließlich rückte die Privatfinanzierung des Ausbaus der Gesamtstrecke zwischen Biebelried und Erlangen-Fürth in den Fokus.

Dass nun der Ausbau bei Geiselwind mit Lärmschutz als Vorwegmaßnahme für den Gesamtausbau mit Geld aus Bundesmitteln finanziert wird, ist für viele Autobahnanwohner jetzt wie ein Weihnachtsgeschenk mitten im Hochsommer.