Zwei Filialen der Bäckerei Jung gab es im Landkreis. Ausgerechnet seit Freitag den 13. November haben die Geschäft in der Herrnstraße in Kitzingen und der Hauptstraße in Volkach geschlossen. Die Corona-Krise mit dem zweiten Lockdown im November war zu viel für Inhaber Claudius Jung. Denn sein Betrieb bestand nicht nur aus den zwei Bäckereien, sondern auch aus einem Catering-Unternehmen, das zwischen 60 und 70 Prozent des Umsatzes erwirtschaftete.

"Die laufenden Kosten für Miete, Löhne und vieles mehr wurden zu hoch", erklärt Jung. Weil die Bank einer Umschuldung trotz mittlerweile wieder besserer Zahlen und Prognosen nicht zustimmte, musste der erst 21-jährige Geschäftsmann den Betrieb praktisch von heute auf morgen einstellen. Mit 18 hatte der gelernte Koch die Firma "relaxedeatandlive" mit den Geschäftszweigen Catering in Dettelbach und zwei Bäckerei-Filialen in Kitzingen und Volkach gegründet. Die ersten beiden Jahre ging es nur bergauf und Jung investierte weiter, beispielsweise in Maschinen. Er belieferte Restaurants und Großhändler, die Jungs Backwaren sogar ins europäische Ausland versandten. 

Bank gewährt keinen Aufschub

Doch dann kam die Corona-Pandemie, die den größeren seiner zwei Geschäftszweige komplett ruinierte. Anfang März war die Auftragslage noch gut, doch über den Sommer fanden nur drei der 25 gebuchten Hochzeiten statt. Auch für vier Weinfeste hätte Jungs Unternehmen das Catering geliefert, doch alle Feste fielen aus, genauso wie drei große Brauerei-Veranstaltungen.

Große Rücklagen hatte der junge Unternehmer noch nicht aufgebaut und Staatshilfen flossen nicht, weil die Bäckereien weiterhin öffnen durften. Diese sorgten in den vergangenen Wochen zwar für Gewinne, doch der Bank reichte das nicht. Deshalb meldete Jung Insolvenz an. Seine zwölf Mitarbeiter haben bereits neue Jobs gefunden, nur der 21-Jährige weiß noch nicht, was er jetzt machen wird. Interessenten für die zwei Bäckereien in Kitzingen und Volkach gibt es noch nicht.

"Wir sind von der Politik vergessen worden", findet auch Matthias Conrad vom gleichnamigen Partyservice, den der Kitzinger seit 2001 betreibt. Der erste Lockdown, das Herunterfahren der Betriebe und des öffentlichen Lebens, sei schon dramatisch gewesen, weil alle Veranstaltungen innerhalb von einer Woche abgesagt wurden. Auch danach lief das Geschäft nicht mehr wie gewohnt an. Bei einer einzigen Hochzeit gab es über 100 Gäste zu verköstigen. Bei anderen Veranstaltungen waren es jeweils "maximal 15 bis 20 Personen", berichtet Conrad. Einer seiner Kunden ist das Landratsamt. "Hier liefern wir für Sitzungen und Termine immer wieder Häppchen." Diese musste Conrad aufgrund der Hygienemaßnahmen in Tütchen packen und einzeln beschriften, ein Mehraufwand.

Caterer ist selbst sein bester Kunde

Der Caterer lebt aktuell noch von den Rücklagen und hofft, Ende November von den Staatshilfen profitieren zu können. Glücklicherweise war der als Referenzmonat geltende November im vergangenen Jahr ein starker Monat mit vielen Weihnachtsfeiern, denn in diesem Jahr lief es für das Unternehmen sehr schlecht. Etwa zehn Prozent des eigentlichen Umsatzes machte Conrad, der mittlerweile mit seiner Frau alleine arbeitet. Drei 450-Euro-Kräfte musste er entlassen. Aktuell sind er und seine drei Kinder die besten Kunden des eigenen Catering-Unternehmens. Seinen Beruf könne er nach 20 Jahren nun nicht mehr wie gewohnt ausüben.

"Wenn der Kühlschrank zuhause leer ist, haben wir immerhin noch etwas im Keller", sagt Conrad mit einem ironischen Lacher. Das ist auch nötig, denn für seine Altersvorsorge oder die Ernährung seiner Kinder bekommt er als Selbstständiger bisher nichts vom Staat.