Ein Leben zwischen Luxusautos, Champagner, Kokain und wilden Partynächten: Der Steuerberater Josef Müller beherrschte scheinbar die Kunst der Geldvermehrung. Bei seinen riskanten Finanzgeschäften ging es darum, nicht von der Steuerbehörde oder der Polizei erwischt zu werden. Am Ende wanderte er ins Gefängnis, wo sein Leben eine Wendung nahm. Mit seinem Buch „Ziemlich bester Schurke – wie ich immer reicher wurde“ kommt ein Geläuterter an diesem Freitag zur Lesung nach Kitzingen.

Frage: Schämen Sie sich für Ihr früheres Leben?

Josef Müller: Aus heutiger Sicht: Ja, natürlich! Ich dachte immer, dass Reichtum, Geld und Ehre das Wichtigste im Leben wären. Dass der Zweck alle Mittel heiligt. Erst als ich im Gefängnis landete und über mein Leben nachdachte, gingen mir die Augen auf, dass Zufriedenheit und eine Beziehung zu Gott das Wichtigste im Leben sind.

Wie sah dieses frühere Leben aus?

Müller: Ich war Steuerberater, Konsul und Botschafter, hatte eine Menge Geld und besaß über zehn Autos, Yachten, Häuser und mehr. Einen schwarzen Rolls Royce mit einem weißen Fahrer und einen weißen Rolls Royce mit einem schwarzen Fahrer. Ich lebte unter den Schönen und Reichen in Dubai, Los Angeles, Miami und Monte Carlo.

Woher kam Ihre Gier?

Müller: Es gibt den Spruch 'Gier frisst Hirn'. Wenn man etwas erreicht hat, ist man nicht zufrieden, sondern schaut auf Andere, die noch mehr haben – und das will man dann auch. Ich wollte immer mehr, mehr, mehr – und wurde straffällig.

Wie lange führten Sie dieses Leben?

Müller: Etwa 20 Jahre.

Was war das für eine Nummer mit dem Konsul?

Müller: Ich war oft in Panama mit Mandanten, habe dort Firmen und Banken gegründet und lernte den Botschafter in Deutschland kennen. Dieser ernannte mich zum Honorarkonsul von Panama für den Regierungsbezirk Bayern. Das verschaffte mir nun auch den Durchbruch, was das Ansehen und die Ehre betraf. Ich kam immer weiter hinauf und lernte Schauspieler, Prominente und Staatsmänner kennen – bis hin zu Prinz Charles, der mich jährlich auf sein Landgut Highgrove zwischen London und Bristol einlud.

Wie reich waren Sie zur besten Zeit?

Müller: Ich hatte 40 Millionen US-Dollar auf dem Girokonto einer Münchner Bank.

Wann flogen Sie auf?

Müller: Ich wurde verdächtigt, Gelder von Anlegern unterschlagen zu haben. Dies stimmte teilweise und so begab ich mich auf Flucht in die USA, um den Sachverhalt für die Ermittlungsbehörden aufzuklären. Um mich der deutschen Justiz zu stellen, flog ich dann zurück über Wien nach München. In Wien nahm man mich fest. Zehn Tage später saß ich in München-Stadelheim im Gefängnis. Fünf Jahre und vier Monate. Ich studierte Theologie, nachdem ich Jesus kennenlernte.

Die Zeit im Gefängnis war . . .

Müller: . . . am Anfang grauenvoll, da ich mich im Rollstuhl in einer kleinen Zelle kaum umdrehen konnte. Dann begegnete mir Jesus im Gefängnis, als ich das Neue Testament las. Ich erkannte, dass mich Jesus ohne Pomp und ohne Gloria liebt. Nur einfach weil ich Josef bin.

Würden Sie sich heute als anderen Menschen bezeichnen?

Müller: Nicht als anderen Mensch, aber ein neues Leben hat begonnen. Im Gefängnis fand ich durch Jesus meine innere Freiheit, die so viel wertvoller als die äußere Freiheit ist.

Wie kam es zu dem Buch?

Müller: So viele Menschen kamen zu mir und hörten meine Geschichte, drängten mich und empfahlen mir, sie aufzuschreiben. Irgendwann begann ich dies zu tun und plötzlich wurde ein Verlag auf mich aufmerksam. Insgesamt war ich in 2013/2014 in über 20 TV-Sendungen zu Gast.

Ihre Botschaft?

Müller: Dass eine Umkehr jeder-zeit möglich ist, egal in welches schwarze Loch man psychisch gefallen ist, wie Arbeitslosigkeit, Mobbing, Verlassensein, Enttäuschung, Krankheit und Tod eines Nahestehenden. Mit Gott habe ich nie gerechnet, bis er mich ansprach in Miami in meinem Penthouse am Atlantischen Ozean.

Wie sieht Ihr Leben heute aus?

Müller: Heute gebe ich Vorträge und Lesungen zum Wunder meiner Lebensänderung und ermutige Menschen, im Leben nie aufzugeben.

Was sagen Sie zu Uli Hoeneß?

Müller: Nicht viel, weil ich ihn flüchtig kenne. Nur soweit: Gier frisst Hirn – wie bei mir.

Bei meinem Vortrag in Kitzingen werde ich . . .

Müller: . . . auf Menschen treffen, die gespannt sind, meine Lebensgeschichte von mir persönlich zu hören. Ich werde Skeptiker, Christen, Atheisten treffen und es wird mir Spaß machen, für alle ein Ohr zu haben. Zuhören ist aller Anfang. Ich verkaufe und empfehle nichts – ich erzähle nur meine Geschichte.

Was war Glück früher für Sie – und was ist es heute?

Müller: Glück war für mich hauptsächlich das, sich alles mit Geld leisten zu können. Je mehr ich besaß, desto leerer wurde es in mir. Heute besitze ich kaum mehr etwas und bin zufrieden und glücklich.

Lesung und Vortrag: Josef Müller „Ziemlich bester Schurke – wie ich immer reicher wurde“, Freitag, 5. Dezember, um 19 Uhr in der Alten Synagoge Kitzingen. Karten zu fünf Euro gibt es an der Abendkasse.