Wann flogen Sie auf?
Müller: Ich wurde verdächtigt, Gelder von Anlegern unterschlagen zu haben. Dies stimmte teilweise und so begab ich mich auf Flucht in die USA, um den Sachverhalt für die Ermittlungsbehörden aufzuklären. Um mich der deutschen Justiz zu stellen, flog ich dann zurück über Wien nach München. In Wien nahm man mich fest. Zehn Tage später saß ich in München-Stadelheim im Gefängnis. Fünf Jahre und vier Monate. Ich studierte Theologie, nachdem ich Jesus kennenlernte.
Die Zeit im Gefängnis war . . .
Müller: . . . am Anfang grauenvoll, da ich mich im Rollstuhl in einer kleinen Zelle kaum umdrehen konnte. Dann begegnete mir Jesus im Gefängnis, als ich das Neue Testament las. Ich erkannte, dass mich Jesus ohne Pomp und ohne Gloria liebt. Nur einfach weil ich Josef bin.
Würden Sie sich heute als anderen Menschen bezeichnen?
Müller: Nicht als anderen Mensch, aber ein neues Leben hat begonnen. Im Gefängnis fand ich durch Jesus meine innere Freiheit, die so viel wertvoller als die äußere Freiheit ist.
Wie kam es zu dem Buch?
Müller: So viele Menschen kamen zu mir und hörten meine Geschichte, drängten mich und empfahlen mir, sie aufzuschreiben. Irgendwann begann ich dies zu tun und plötzlich wurde ein Verlag auf mich aufmerksam. Insgesamt war ich in 2013/2014 in über 20 TV-Sendungen zu Gast.
Ihre Botschaft?
Müller: Dass eine Umkehr jeder-zeit möglich ist, egal in welches schwarze Loch man psychisch gefallen ist, wie Arbeitslosigkeit, Mobbing, Verlassensein, Enttäuschung, Krankheit und Tod eines Nahestehenden. Mit Gott habe ich nie gerechnet, bis er mich ansprach in Miami in meinem Penthouse am Atlantischen Ozean.
Wie sieht Ihr Leben heute aus?
Müller: Heute gebe ich Vorträge und Lesungen zum Wunder meiner Lebensänderung und ermutige Menschen, im Leben nie aufzugeben.
Was sagen Sie zu Uli Hoeneß?
Müller: Nicht viel, weil ich ihn flüchtig kenne. Nur soweit: Gier frisst Hirn – wie bei mir.
Bei meinem Vortrag in Kitzingen werde ich . . .
Müller: . . . auf Menschen treffen, die gespannt sind, meine Lebensgeschichte von mir persönlich zu hören. Ich werde Skeptiker, Christen, Atheisten treffen und es wird mir Spaß machen, für alle ein Ohr zu haben. Zuhören ist aller Anfang. Ich verkaufe und empfehle nichts – ich erzähle nur meine Geschichte.
Was war Glück früher für Sie – und was ist es heute?
Müller: Glück war für mich hauptsächlich das, sich alles mit Geld leisten zu können. Je mehr ich besaß, desto leerer wurde es in mir. Heute besitze ich kaum mehr etwas und bin zufrieden und glücklich.
Lesung und Vortrag: Josef Müller „Ziemlich bester Schurke – wie ich immer reicher wurde“, Freitag, 5. Dezember, um 19 Uhr in der Alten Synagoge Kitzingen. Karten zu fünf Euro gibt es an der Abendkasse.