Volkach fast schon Fair-Trade-Stadt

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Fair-Trade-Bälle für die Vorsitzenden und Abteilungsleiter der Volkacher Sportvereine sind ein weiterer Baustein für die Stadt Volkach auf ihrem Weg, eine Fair-Trade-Stadt zu werden.
Foto: Guido Chuleck

Die Stadt Volkach ist in ihrem Vorhaben, eine Fair- Trade-Stadt zu werden, zum Greifen nahe. Das sagte Dieter Söllner bei der Sitzung der Vereine im Bereich Familie, Jugend, Soziales und Sport am Dienstagabend im Sitzungssaal in Volkach.

Die Stadt Volkach ist in ihrem Vorhaben, eine Fair- Trade-Stadt zu werden, zum Greifen nahe. Das sagte Dieter Söllner bei der Sitzung der Vereine im Bereich Familie, Jugend, Soziales und Sport am Dienstagabend im Sitzungssaal in Volkach.

„Mit etwas Glück bekommen wir in den kommenden 14 Tagen einen positiven Bescheid“, verkündete er im Ausschuss, zu dem auch Vereinsvorsitzende und Abteilungsleiter der Volkacher Sportvereine eingeladen waren. Auf sie wartete eine Besonderheit: sie würden spezielle Fair-Trade-Bälle erhalten, produziert von der Bad Boyz Ballfabrik aus Nürnberg. Dessen Gründer Robert Weber hatte auch eine Menge Bälle für die Sportler dabei, wobei 80 Kartons auf dem Weg nach Volkach „verloren gegangen“ sind, wie Söllner bedauernd ausdrückte. Man sei aber auf der Suche nach ihnen, sagte Gerhard Schulzki, Ratsmitglied und Sportreferent des Stadtrates.

In einem 45-minütigen Vortrag stellte Weber seine Firma und die Produktion der Fair-Trade-Bälle vor. Preislich gleiche man sich den aktuellen Marktpreisen der großen Firmen wie Puma oder Adidas an, so Weber, wobei sich die Produktion schon sehr von denen der Mitbewerber unterscheide. 700 Firmen weltweit würden Bälle produzieren lassen, und zwar in Pakistan, in der Stadt Sialkot im Norden des Landes.

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Dort hatten in der Kolonialzeit Ende des 19. Jahrhunderts britische Soldaten ihre Bälle reparieren lassen, und Schritt für Schritt entwickelte sich daraus eine große Industrie. Unter anderem produzierten die Arbeiter in Sialkot den WM-Fußball „Tango“, und im Jahr einer Fußballweltmeisterschaft können schon mal 40 Millionen Fußbälle in Auftrag gegeben und dort produziert werden.

Weil die Nürnberger Firma nur schadstofffreie Fair-Trade-Bälle herstellen lässt, sind die Arbeitsbedingungen dort nicht mit der erwartbaren Kinderarbeit vergleichbar. So seien beispielsweise die Löhne weit über dem Landesdurchschnitt, und auch die soziale Komponente spiele eine sehr große Rolle.

Die Vorsitzenden und Abteilungsleiter der Sportvereine Volkachs, soweit sie anwesend waren, unterzogen die Bälle gleich mal einer eingehenden Prüfung, achteten aber sehr darauf, keines der wertvollen Gemälde „abzuschießen“.

Weber hatte nicht nur die normalen Fußbälle, sondern auch Futsalbälle, Volleybälle und Handbälle im Angebot. Alle Vereinsvertreter durften sich einen oder zwei Bälle mitnehmen. Sobald der Rest der Lieferung bei der Stadt angekommen ist, werden auch diese Bälle an die Sportler verteilt.

Kriterien für Fair-Trade-Stadt

Um eine Fair-Trade-Stadt zu werden, müssen fünf Kriterien erfüllt werden: ein Stadtratsbeschluss mitsamt Bewerbung bei der Fair-Trade-Kommission, eine Steuerungsgruppe für die Aktionen, Verwendung von Produkten aus fairem Handel in öffentlichen Einrichtungen (Schulen, Vereine, Kirchen), Veranstaltungen und zuletzt Veröffentlichung der Aktionen in der Tageszeitung, über Facebook oder Twitter oder anderweitige Internetseiten. Offensichtlich sind alle Kriterien erfüllt, und in wenigen Wochen dürfte auch ein entsprechender Brief auf dem Schreibtisch von Bürgermeister Peter Kornell landen.