Irgendwie liegt es ja schon den Jüngsten im Blut. Kaum können Babys greifen, findet sich etwas, mit dem sich trommeln lässt - sei es mit dem Löffel auf den Tisch oder mit der Fliegenklatsche aufs Sofa. Doch mit den Jahren verliert sich der Drang - zumindest bei den meisten. Bei Paulo nicht. Der ist allerdings auch in Westafrika groß geworden und sagt heute völlig überzeugt: "Bei mir ist Musik im Blut."

"In Afrika wachsen die Kinder mit lebendiger Musik auf", schwärmt Roman Krawtschenko. Hierzulande verstünden sie unter Musik das, was sie aus Radio oder Fernsehen kennen. Mainstream. Die Bindung zur Musik sei eine ganz andere als in Afrika. Weil der Musiklehrer der Kitzinger Musikschule aber auch den deutschen Kindern einen Zugang zur Musik in ihrer Ursprungsform verschaffen will, hat er sich etwas einfallen lassen.
Zusammen mit dem Afrikaner Aboubacar Soumah - kurz: Paulo - brachte er bei einer Ferienpassaktion in Iphofen Kindern das Trommeln bei.

"Paulo spricht kein soooo gutes Deutsch - aber genau das ist das Gute daran", erzählt Roman Krawtschenko mit einem Schmunzeln auf dem Gesicht. Gerne lässt er die Kinder für einige Zeit mit dem Afrikaner alleine. "Wenn es mit der Sprache nicht klappt, verständigen sie sich durch die Musik", sagt er und ist überzeugt, dass die Kinder zwar nicht alles verstehen werden, aber auf jeden Fall einen Eindruck vom "afrikanischen Feeling" für Musik bekommen.

Und das vermittelt Paulo genau so, wie man es sich von einem afrikanischen Trommler vorstellt. Wenn er mit seinen Händen auf die Conga schlägt, wandert der Klang durch seinen ganzen Körper. Er scheint nicht nur die Musik, sondern vor allem den Rhytmus im Blut zu haben - und er weiß genau, wie er diesen am besten auf seine zehn jungen Nachwuchsmusiker überschwappen lässt. Mal schließt er die Augen, gibt sich ganz der Musik hin. Dann animiert er die Kinder mit "Uuuuuuh"- und "Aaaaaaah"-Rufen zum Mitmachen. Auch alleine müssen sie ran - und wenn die kleine Susanna dann ein "Das war cool" erntet oder Emilio von Paula den Titel "Master" bekommt, dann strahlen die Kinder mindestens genauso wie Paulo, wenn er seine weißen Zähne blitzen lässt.
Wenn Paula daran denkt, wie die Europäer sich auf Noten versteifen, muss er schon wieder grinsen. "Das geht auch ohne". weiß er. Und schlägt schon wieder auf die Conga.

Paulo kommt aus Guinea in Westafrika und trommelt eigentlich "schon immer". Auch hier in Deutschland tut er dies mit seiner Band oder in der Percussionsgruppe der Musikschule. Noch viel lieber als trommeln tanzt er aber, war ursprünglich sogar als Tänzer in dem Musical "Africa, Africa" vorgesehen.

Die zehn Kinder hat Paulo schnell in seinen Bann gezogen. Vor allem, wenn er solo loslegt und der Trommel die unglaublichsten Töne entlockt, sind die Blicke auf ihn fixiert und so mancher Mund vor Staunen offen. "Boah" ist alles, was Alexa da noch einfällt. Hätte sie nicht gesehen, dass da wirklich nur Paulo spielt, hätte sie hinter den Klängen wahrscheinlich eine ganze Band vermutet.