Sonnenlicht scheint mild gedämpft durch die Fenster mit den historischen Beschlägen. Der leichte Wind bauscht die Leinenvorhänge auf, aus der Nähe ist das Plätschern des Brunnens auf dem Scheuerleinsplatz zu hören. Horst Hermannsen sitzt mit seiner Frau Edith an einem antiken ovalen Holztisch vor einem Kaffeegedeck. Er sagt, er glaube an Fügung. Dieses Haus habe er gefunden, es habe aber auch ihn und seine Familie gefunden.
Vor ein paar Jahren hat der Journalist, der in der Nähe des Ammersees wohnt, das Mainbernheimer Kastenamt gekauft. Eine ganze Weile hat er nach einem "ursprünglichen und unverdorbenen Haus" gesucht. Verdorben wird ein historisches Haus seiner Meinung nach durch unsachgemäße Sanierung.
Bei einem Pressetermin anlässlich des Starts der Weinlese vor einigen Jahren im Landkreis hat Hermannsen Landrätin Tamara Bischof seinen Wunsch mitgeteilt. Schließlich hat der Mainbernheimer Stadtrat Alfred Konnerth die Hermannsens auf das denkmalgeschützte Amtshaus aufmerksam gemacht und ihnen Fotos sowie die Adresse des Eigentümers gegeben. Es kam zum Kauf.
Die Zeit der Markgrafen von Brandenburg-Ansbach und des Hohenzollern-Geschlechts hat Horst Hermannsen schon immer fasziniert. Und nun war er an ein Gebäude gekommen mit der Architektur und Formensprache des Barocks der Markgrafen von Brandenburg-Ansbach. "Im Zimmer des Amtmanns haben wir sofort den wunderschönen Zirkelstuck von 1742 gesehen", erinnert sich Hermannsen an die erste Besichtigung des Hauses.

Das Anwesen vermittelt den Eindruck eines hochfürstlichen Amtssitzes, aber auch nobler Behaglichkeit.

Zusammen mit Freunden begann das Paar 2009, das Haus auszuräumen und von Ballast zu befreien. Edith Hermannsen, die sich mit der Restaurierung historischer Gebäude auskennt, löste in den Räumen Farbschicht um Farbschicht von den Wänden. Im großen Salon im Obergeschoss ist sie auf eine Farbfassung aus dem Jahr 1830 in Wischtechnik gestoßen. "Wischtechnik war immer die Farbe der armen Leute. Heutzutage bezahlen Sie dafür eine Menge Geld", sagt Horst Hermannsen.
Bei vielen Arbeitseinsätzen reinigten die Hermannsens die originalen Türen, Rahmen und Böden und mussten kaum etwas reparieren, weil fast alles in gutem Zustand erhalten war. Freilich ließen sie sich vom Amt für Denkmalschutz beraten, nicht nur bei der Gestaltung, sondern auch hinsichtlich der Finanzierung des Vorhabens.
Die hohen Zimmer, die elegante Landhaus-Atmosphäre, das Sonnenlicht, das warm das Gemäuer durchdringt, der Blick durch den langen Flur hinaus in den Kräutergarten - all das erinnert an die Toskana. "Wir haben zuvor überlegt: Wollen wir ein Haus in der Toskana oder wollen wir ein historisches Stadthaus", erzählt Horst Hermannsen. Nun haben sie beides.
"Das Palais", wie Hermannsen es zu Recht bezeichnet, wurde in den vergangenen rund 250 Jahren nicht umgebaut und nur wenig modernisiert - für ihn der beste Denkmalschutz schlechthin und "ein Glücksfall". Wenn etwas neu zu verputzen ist, dann bedient sich das Paar einer mittelalterlichen Technik, die ihm ein Bekannter aus dem Freilandmuseum Bad-Windsheim vermittelt hat. Sand und gebrannter Kalk werden vermischt und nach einer längeren Wartezeit werden Farbpigmente beigefügt. Die Hermannsens haben behutsam das eine oder andere an der Substanz verbessert, geschmackvoll und harmonisch möbliert, ansonsten aber den Räumen mit viel Liebe und Sachverstand ihre Würde und Funktion zurückgegeben.
Sie lassen sich dabei Zeit. Das Haus ist ihr Freizeit-Domizil. Hier gewinnen sie Abstand vom Alltag. Im ersten Stock hat sich Edith Hermannsen ein Schlafgemach als Rückzugsbereich eingerichtet. Hier gibt es kein elektrisches Licht, sondern eine Petroleumlampe und eine Kerze. Wenn sie das Haus und speziell dieses Zimmer mit dem Renaissance-Gardinenbett und dem Schminktischchen betrete, die Ruhe und den Hauch der Jahrhunderte in den Wänden spüre, gehe sie auf eine Zeitreise, sagt Edith Hermannsen mit leuchtenden Augen. "Ich liebe dieses Zimmer, weil man hier richtig entrückt ist."


Familie Hermannsen veranstaltet beim Stadtfest "Echt Berna" am morgigen Sonntag einen Hofflohmarkt am Kastenamt.