Das Kitzinger Tauben-„Hotel“ hat wieder geöffnet. In einer 1a-Lage – mit Main- und Altstadtblick. Um die 80 gefiederte Gäste logieren derzeit im Widerlager des stadtnahen Pfeilers der Alten Mainbrücke, sagt „Empfangschef“ und Taubenbeauftragter Harald Knott. Der hat den Fortpflanzungstrieb der Kundschaft im Griff. Per einfachem Tauschprinzip: Knott ersetzt die Eier durch Imitate aus Gips.

„Wenn die hier gezielt gefüttert werden, laufen sie nicht in der Innenstadt rum.“
Harald Knott Taubenexperte

Bevor an dieser Stelle ein Aufschrei kommt: Nicht jedes Ei der Vögel mutiert zu schlichtem Gips. Die Stadt wolle die Vögel ja nicht ausrotten, betont Frank Winterstein, Leiter des Kitzinger Ordnungsamts: „Das eine oder andere Ei bleibt als Erfolgserlebnis drin“. Schließlich will die Stadt ihre „Hotel“-Gäste an den Pfeiler binden. Ohne ein bisschen Nachwuchs würden die Tiere sich ein neues Brut-Etablissement suchen.

Der Taubenschlag in der Brücke ist eine Idee von Knott. Der wusste von den bislang „illegalen“ Nestern in den großen Hohlräumen und schlug das Widerlager im ersten Pfeiler als „Hotel“-Standort vor. Bevor hier allerdings das Brutmobiliar für bis zu 200 Gäste eingebaut werden konnte, war laut Winterstein Großputz angesagt. Zentimeterhoher Taubendreck – mit Exkrementen, Federn und anderen Hinterlassenschaften – mussten dem Neubau weichen.

In dem wird inzwischen kräftig gebrütet. Weil die Tiere laut Knott die Pfeiler gut kennen, sind sie auch ins neue Domizil schnell eingezogen. Hier gibt's Futter von Tauben-Experte Knott, der sich auch als Eierdieb betätigt. Schließlich will die Stadt durch die Tauschaktion ihr Taubenproblem in den Griff kriegen.

Was offensichtlich klappt. Knott deutet beim Ortstermin auf der Brücke auf Hausdächer im Uferbereich, die praktisch taubenfrei seien. Kein Wunder: Bei zu zehn bis zwölf Jungvögeln pro Jahr, die ein Taubenpärchen kriegen kann, zeigt die Gipsei-Aktion kräftig Wirkung. Bis zu zehn Junge weniger pro Paar und Jahr – das mindert das oft beklagte Taubenproblem. „Und wenn die hier gezielt gefüttert werden, laufen sie nicht in der Innenstadt rum“, betont Knott.

Als Mann der ersten Stunde ist der Vorsitzende des Kitzinger Brieftaubenvereins der stärkste Stützpfeiler im städtischen Taubenmanagement. Start war 2013, als nach Schätzungen gut 1000 Tauben die Stadt bevölkerten und ihre Hinterlassenschaften fröhlich verteilten. Um das einzudämmen, eröffnete die Stadt im März ihr erstes Tauben-„Hotel“.

Standort war das Rathaus. Genauer der Dachboden, wo die Vögel einen Sperrholz-Schlag bezogen – mit rund 100 Plätzen. Knott klaute damals wie auch jetzt den meisten Pärchen die Eier unterm Po weg. Mit durchschlagendem Erfolg. 300 bis 400 Tauben weniger – und vor allem gut 250 Kilo weniger Dreck – in Kitzingen, bezifferte Knott ein gutes Jahr später das Ergebnis seiner Bemühungen.

Der Rückschlag für das Taubenmanagement kam etwa eineinhalb Jahre später: Im Obergeschoss des Rathauses tauchten Käfer auf, es gab Hautreizungen bei Mitarbeitern. Bei Untersuchungen fand sich Harnsäure im Staub. Weil der im Kot von Vögeln vorkommt, fiel der Verdacht auf die Bewohner des Taubenhotels.

Die Stadt reagierte zum Schutz der Mitarbeiter. Der Taubenschlag musste raus, auch wenn der letzte Beweis für die „Täterschaft“ der Vögel fehlte. OB Siegfried Müller ordnete die Schließung an, Winterstein machte sich auf die Suche nach einem neuen Standort – in Innenstadtnähe, aber ohne menschliche Nachbarn.

Da passt die Mainbrücke, die offensichtlich fliegende Fans hat. Beim Ortstermin jedenfalls waren die „Hotel“-Gäste eifrig dabei, Nistmaterial ins Einflugloch reinzubringen – für den echten Nachwuchs oder das Knottsche Gipsimitat.