Rein grundsätzlich hatte sich der Stadtrat Prichsenstadt vor zwei Jahren mit der Verlegung der Stolpersteine einverstanden erklärt, um die Erinnerung an die von den Nationalsozialisten ermordeten jüdischen Mitbürger wachzuhalten. In den vergangenen zwei Jahren sind unter der Regie des Vereins Alt Prichsenstadt von der Stadt auch schon 14 Stolpersteine verlegt worden.

Deshalb wirkte der Antrag des Vereins, mit dem sich der Stadtrat am Donnerstagabend befasste, für einen weiteren Stein im Ortsteil Altenschönbach auf den ersten Blick auch wie eine Formsache: Ein Gedenkstein an einem zentralen Ort nahe der Kirche und des Kriegerdenkmales anstelle mehrerer Stolpersteine. Denn die ermordeten jüdischen Mitbürger hatten größtenteils in Seitengassen gelebt, und nicht überall waren und sind Gehwege vorhanden. Kosten, so versicherte der Verein, würden der Stadt nicht entstehen, wünschte sich aber eine logistische Unterstützung.

Doch im Laufe der Debatte stellte sich heraus, dass die vermeintliche Formsache so viele Fragen aufwarf, dass der Stadtrat die Entscheidung vertagte. Denn bei dem Gedenkstein handelt es sich nicht, wie nicht nur die Ratsmitglieder vermuteten, um mehrere leicht aus dem Asphalt hervorragende Steine, sondern um ein dreiteiliges, 1,30 Meter hohes Denkmal aus Muschelkalk. Aufstellen will es der Verein an einer Stelle, an der, wie Ratsmitglied Harald Rückert sagte, „das Dorffest stattfindet, und es behindert auch die Läufer beim Schlossberglauf“.

Die meiste Skepsis äußerte Helmut Hümmer, der in Altenschönbach wohnt. „Als örtlicher Stadtrat war ich überhaupt nicht in diese Entscheidung eingebunden“, sagte er, „und mit wem von der evangelischen Kirchengemeinde der Verein gesprochen haben will, ist mir auch nicht bekannt.“ Er befürchtet, dass die Mitbürger diese Art des Gedenkens in Form eines regelrechten Denkmales an dieser Stelle ablehnen könnten, und es sei auch über die Köpfe der Bürger hinweg entschieden worden, den Stein dort aufzustellen.

Eine „Genehmigung“ der Prichsenstädter, entgegnete Bürgermeister René Schlehr, habe es für die Stolpersteine in der Altstadt auch nicht gegeben. „Die Eigentümer mussten schriftlich ihr Einverständnis erklären, dass vor ihrem Haus ein Stolperstein eingesetzt werden durfte“, so Schlehr weiter. Er gab Hümmer und weiteren Räten aber insoweit Recht, als dass sie erst bei der Sitzung ein Foto des Gedenksteines zu sehen bekamen und sich deshalb nicht auf das Thema vorbereiten konnten. „Ich habe das Foto erst selbst am Tag der Sitzung erhalten“, sagte Schlehr. Somit fehlten den Räten die konkreten Vorgaben, wie dieser Gedenkstein aussehen soll. Stefan Deppisch, der wie Hümmer in Altenschönbach wohnt, sah in diesem Gedenkstein den Grundgedanken der Stolpersteine „verfehlt“.

Auch die Suche nach einem alternativen Standort gestaltete sich schwierig. Vor der ehemaligen Synagoge, wie Ursula Reiche laut nachdachte, ist er zu weit weg vom Zentrum, und an der Synagoge eine Gedenktafel anzubringen, wie Rückert anmerkte, reichte den Räten nicht als passende Erinnerung an die ermordeten jüdischen Mitbürger. Die hatten, wie Reiche berichtete, zu einem regen Gemeindeleben beigetragen. Letztlich warf der Antrag des Vereins so viele Fragen auf, dass die Entscheidung des Rates auf Antrag vom Bürgermeister mit 16:0 Stimmen vertagt wurde.