Nach Aussage des Architekten Jürgen Bergmann (Hofheim-Eichelsdorf) war nach der Prüfung der Steinfestigkeit der Konsolen entschieden worden, nur ein stärkeres Drahtgewebe zur Sicherung des Sandsteins zu verbauen. Eine Verklammerung mit Eisen habe sich als nicht erforderlich erwiesen. Vorher seien lose Teile und Ersatzmaterialergänzungen entfernt sowie die Fugen geschlossen und gefestigt worden. Von unten ist das zur Sicherung des Mauerwerks verwendete Drahtgewebe nur bei genauem Hinschauen zu erkennen.
Die in die Jahre gekommene abgebrochene alte Schutzhütte mit der Aussichtsplattform davor wird ebenfalls noch erneuert. Den Auftrag dazu hat seit längerer Zeit eine ortsansässige Firma. Im Forstbetrieb wartet man jeden Tag sehnsüchtig auf die Aufstellung, die sich offenbar verzögert hat. „Für die Schutzhütte inklusive vergrößerter Aussichtsplattform haben wir nochmals rund 25 000 Euro vorgesehen“, so Daniel Steuer.
Mit im Boot an der Ruine Stollburg ist in Sachen „Fledermausschutz an historischen Bauwerken“ die Organisation Artenschutz in Franken. Dazu Vorsitzender Thomas Köhler: „Die Ruine zeigte vor der Sanierung vielfältige Nischen, die gerade auch für unsere heimischen Fledermausarten, die auch im Wald nicht ausschließlich in Baumhöhlen, sondern auch an menschlichen ,Kunstfelsen‘ leben, hoch interessante Lebensräume bieten.“
In den Maueröffnungen konnten sich so verschiedene Fledermausarten wie die Zweifarbfledermaus, die Rauhautfledermaus oder auch die Zwergfledermaus, um nur einige wenige Arten zu nennen, zurücknehmen und hier auch zum Teil überwintern.
Viel Platz für Fledermäuse auf der Ruine
Durch die Bauwerksanierung drohte der traditionelle Lebensraum für die Fledermäuse für lange Zeit verloren zu gehen. Deshalb sei Artenschutz in Franken mit der Anfrage an den Forstbetrieb Ebrach der Bayerischen Staatsforsten herangetreten, ob es nicht möglich sei, die Stollburgruine mit sogenannten Sekundärhabitaten, also künstlichen Fledermaus-Behausungen, auszustatten.
In Ebrach habe man sich sofort aufgeschlossen gezeigt und so konnte Artenschutz in Franken die Auswahl der speziellen Fledermaus-Spaltenquartiere übernehmen, sowie deren Montageorte bestimmen. Der Forstbetrieb habe wiederum die Kosten der Fledermausquartiere übernommen und diese auch mit am Bergfried anbringen lassen.
Das Kooperationsprojekt möchte laut Thomas Köhler aufzeigen, wie es auch und gerade bei modernen Sanierungsmaßnahmen gelingen kann, die Lebensräume nicht zu zerstören und so die Artenvielfalt zu sichern.
Wanderfalke oder Waldkauz als weitere „Mieter“ willkommen
Das Projekt beinhaltet gleichfalls ein Umweltbildungsprojekt, in das auch die Grundschule in Oberschwarzach eingebunden ist. Das Projekt Fledermaus wird mit der Patenklasse dabei auf zwei Ebenen weitergeführt. So soll eine umfangreiche für September geplante Umweltbildungsmaßnahme in der Schule mit der Anbringung von den Kindern kreativ gestalteter Fledermausquartiere auf dem auf halber Strecke im Wald zwischen dem Steigerwald-Zentrum und den Baumwipfelpfad Steigerwald gelegenen Fledermauspfad einhergehen, um die Kinder und die breite Bevölkerung auf die Bedeutung der bedrohten Säugetiere hinzuweisen. Die Stollburgruine ist gleichfalls wichtiger Bestandteil des Projektes.
Unabhängig vom Fledermausprojekt wird das Projekt Wanderfalke/Waldkauz an der Stollburg weitergeführt. Allerdings ist die Ruine momentan derart zu stark eingewachsen, als dass tatsächlich in die hinter dem Holzverschlag in der Fensternische unterhalb der Zinne angebrachte Greifvogelnisthilfe ein Falke einziehen dürfte. Vor zwei Jahren hatte sich dort allerdings als Untermieter ein Waldkauz-Pärchen fortgepflanzt.