Sechs Punkte beträgt aktuell der Vorsprung des Buchbrunners Klaus Hoffmann in der Deutschen Bergrennmeisterschaft. 226 hat er auf seinem Konto, 220 sein ärgster Verfolger Herbert Stolz. Rechnet man die Streichergebnisse heraus, beide erzielten in Eschdorf ihre schlechtesten Resultate (Hoffmann 10 und Stolz 18), so liegt der Pilot des AMC Kitzingen gar mit 14 Zählern vorne.
Im letzten Rennen in der Rhön tauschten sie die Positionen - Hoffmann ist nun der Gejagte, der Österreicher der Jäger. Beim 45. AvD Bergrennen Unterfranken, an der Grenze nach Baden-Württemberg, will der Kitzinger Unternehmer seine Position mindestens verteidigen. 15 Punkte gibt es pro Wertungslauf, das Abschlussrennen am 6./7. Oktober in Mickhausen (bei Augsburg) bringt es dagegen nur auf deren zehn.
"Bis jetzt war ich noch nie in dieser Situation. Ich habe gedacht, es käme eine Druckwelle auf mich zu und ich zittere vielleicht mit einem hohen Herzschlag", sagt Hoffmann, mit seinem Opel Astra V8 DTM als Führender des Klassements. Das Gegenteil sei der Fall. "Ich verspüre zwar immer wieder eine Gänsehaut. Aber ich bin auch stolz darauf, was ich bisher erreicht habe."
Mit diesem Selbstbewusstsein gehen der Kitzinger und sein Team Samstag und Sonntag auf die 3050 Meter lange Strecke von Eichenbühl hinauf nach Umpfenbach. "Ich liebe diese Strecke, da sie dem Schwanberg ähnelt".
Aber nicht nur das lässt den 49-Jährigen ruhig schlafen. "Da ich gewisse Erfahrungswerte besitze und weiß, welche Zeiten wir letztes Jahr dort gefahren sind, sind wir entsprechend vorbereitet. Wir kommen mit einem voreingestellten Auto dorthin und ich kann mich rein aufs Fahren konzentrieren", betont er. Das sei wichtig bei nur drei Trainingsläufen am Samstag. Beim Rennen in Osnabrück habe er selbst während der Wertungsläufe noch getestet, dies werde er in Eichenbühl nicht machen.
Respekt hat Klaus Hoffmann vor dem Rennen in der Nähe Miltenbergs schon. Eichenbühl sei für ihn das wichtigste und härteste Rennen, weil er hier Spitzengeschwindigkeiten von über 240 km/h erreiche - eine der schnellsten Strecken in Deutschland. Deswegen sei es so wichtig, das Setup des Autos nicht mehr herausfinden zu müssen. "Ich muss viel Mut haben. Zudem noch die Leistung und die Geschwindigkeit, um dort hinzukommen, wo die Stars sind, die seit fünf, sechs Jahren ununterbrochen in der Spitze fahren", blickt Hoffmann auf den Rennsonntag und den Kampf gegen seinen größten Gegner, die Uhr, voraus. Immerhin bewege er sich schon im Zehntelsekunden-Bereich: "Es ist nur noch eine Nuance, eine Gangwahl, ein Zuckerer am Lenkrad, der mich von der Spitze trennt." Letztes Jahr habe er zwar zwei Zehntel vor Herbert Stolz´ Porsche gelegen, aber der Rückstand zu Norbert Brenner, dem achtfachen Deutschen Meister, betrug rund eine Sekunde. Dieser adelte den AMC-Piloten nach dem Hauenstein-Rennen in der Rhön, als Hoffmann als Dritter des Gesamtklassements über die Ziellinie fuhr. "In einen Pressebericht bezeichnete Brenner mich als seinen würdigen Nachfolger. Wenn von ihm ein solches Lob kommt, ist das einfach phänomenal."

Stolz´ Porsche auf Abstand halten

Der Buchbrunner hat den Lokalmatador fest im Auge: "Norbert Brenner wohnt und lebt in Eichenbühl, er kennt jede Welle und jeden Teerfleck." Dass Brenner (194,5 Punkte) heuer mit einigem Abstand hinter ihm und Stolz nur auf Platz drei liege, sei dessen technischen Problemen mit einem neuen Fahrzeug, dem Opel Vectra V8 DTM, geschuldet und dass er strategisch falsch entschieden habe, ein Rennen auszulassen.
Hoffmanns Hauptkonkurrent ist ein anderer: "Dieser Porsche von Herbert Stolz. Den muss ich hinter mir halten. Ich müsste als Zweiter in den Läufen ins Ziel kommen und Stolz immer Dritter oder Vierter werden, wie in der Rhön. Dann kann mir wenig passieren", sagt er. "Ich schaue rein auf den Punktestand und auf den, der mir am meisten im Nacken sitzt." Gerade dieser Herbert Stolz habe ihm beim Rennen in der Rhön gesagt: "In Eichenbühl werde ich Dich nicht mehr kriegen." Stolz rechne wohl damit, dass Hoffmann sich da noch pushen kann.

Keine Panik

"Ich weiß, wo seine Stärken und Schwächen liegen. Er hat dieses Jahr einen Riesenaufwand betrieben, um mich zu kriegen," so der Führende über seinen ärgsten Verfolger. So verwende der Österreicher in jedem Rennen neue Reifen, an engen winkligen Strecken fährt er mit Allrad. "Daraus haben wir unsere Schlüsse gezogen und verfallen nicht in Panik", konstatiert Hoffmann. "Die Analyse von Herbert Stolz haben wir abgeschlossen, die letzten zwei Rennen konzentrieren wir uns auf uns. Wenn Stolz uns kriegen will, muss er schon ein Schippchen drauflegen." Der Pilot eines Opel Astra wisse, was er, das Auto und das Material kann. "Meine Leistung ist nicht so schlecht, da muss ich keine Angst haben, dass da unten etwas passiert." Zwei Schlüsselstellen auf der Strecke beschäftigen Hoffmann, die er aber in der Zeitung nicht näher beschreiben will: "An diesen Stellen muss ich mein Herz ganz festhalten und da durch. Darauf lastet meine ganze Konzentration, wie trainiere ich die." Wenn er diese im Training anständig meistere und dann fahrerisch umsetze, sei er ein ganzes Stück erleichtert.
Klaus Hoffmann freut sich richtig auf Eichenbühl: "Es ist ein Heimrennen für mich. Es kommen hunderte Leute aus dem Kitzinger Umland. Nach den Läufen werden wir über die Strecke zurückgeführt, vor rund 8000 bis 10 000 Fans. Da siehst du so viele Leute, die du kennst und die dir zuwinken. Es ist ein phänomenales Gefühl."
Dennoch ist er sich bewusst, dass jedes Rennen erst einmal gefahren werden muss. Und wenn es am Ende nicht reichen würde. "Wenn ich wegen eines Defektes ausfallen würde, ist es sicherlich ärgerlich, da habe ich zwar ein paar Tage daran zu kauen." Er sei Realist, das könne einfach passieren. Auch könnte er sich einen Dreher leisten: "Ich gehe zwar kein unnötiges Risiko ein, aber es kann immer etwas passieren. Schlimmer wäre es, wenn es vom Fahrerischen an mir liegt." Dann wäre der Buchbrunner gefrustet und die ganze Leistung der vorherigen Rennen vergebens. "Da hätte ich richtig daran zu knabbern."

Phänomenales Gefühl

Und Hoffmanns Bauchgefühl: "Ich bin ziemlich ruhig, weil ich weiß, dass ich eine gewisse Leistung abrufen kann. Ich weiß, dass ich wesentlich schneller dort fahren werde als letztes Jahr, das wissen auch meine Konkurrenten."
Und er erinnert sich daran, als er vor drei Wochen beim Hauenstein-Rennen als Dritter des gesamten Feldes auf die Bühne gerufen wurde. "Da hat das Zelt getobt - endlich einer, der den zig-fachen Deutschen Meistern die Stirn bietet." Dieses phänomenale Gefühl möchte er - vielleicht schon morgen - nochmals erleben...